"Übersetzungshilfe" für sächselnde Politiker: Landtagsreden jetzt mit Untertiteln

Dresden - So geht sächsisch - und so lautet die Übersetzung: Landtagsreden werden im Internet künftig zeitgleich als Lese-Text eingeblendet. Damit sollen Gehörlose und Schwerhörige den Debatten besser folgen können. Die zugrunde liegende Software kann sogar Sächsisch verstehen! Los geht es am Mittwoch und Donnerstag bei der aktuellen Sitzung des Parlaments.

Matthias Rößler (65, CDU) ist für seinen ausgeprägten Dialekt bekannt.
Matthias Rößler (65, CDU) ist für seinen ausgeprägten Dialekt bekannt.  © dpa/Sebastian Kahnert

"Die Software wurde mit Sprechbeiträgen aller Abgeordneten trainiert", erklärt ein Landtagssprecher. Damit erkennt das System das ganze Spektrum der sächsischen Sprache von Mundart aus dem Vogtland bis hin zur Oberlausitz.

So wird nicht nur Menschen mit Einschränkungen mehr Teilhabe ermöglicht. Der e-Dolmetscher erleichtert auch dem breiten Publikum das Verstehen, gerade bei Abgeordneten mit ausgeprägtem Sächsisch.

Allen voran Landtagspräsident Matthias Rößler (65). Der Politiker - immerhin mit Einser-Abi und Doktortitel - verweigert sich standhaft dem Hochdeutschen und treibt gelegentlich selbst Hütern unserer Heimatsprache die Schamesröte ins Gesicht, ganz zu schweigen von Verständnisproblemen.

Meilenweit dahinter, aber auch deftig-sächsisch klingt Linke-Fraktions-Chef Rico Gebhardt. Der 57-Jährige wurde in Bad Schlema/Erzgebirge geboren. 

Zu den Nuschlern im Hohen Haus zählen Lars Rohwer (48, CDU) und Albrecht Pallas (40, SPD). 

Dafür pflegt zum Beispiel CDU-Fraktions-Chef Christian Hartmann (46) das "Gewandhaus-Sächsisch". Eine vornehme Variante, die aus der Oper die "Ouper" und aus Deutschland "Doitschland" macht.

Im Plenarsaal des Sächsischen Landtags werden viele Reden gehalten.
Im Plenarsaal des Sächsischen Landtags werden viele Reden gehalten.  © dpa/Sebastian Kahnert
Deutsch-Sächsisch, Sächsisch-Deutsch: Ein Techniker spielt der Software im Landtag Sprachmuster der Abgeordneten vor.
Deutsch-Sächsisch, Sächsisch-Deutsch: Ein Techniker spielt der Software im Landtag Sprachmuster der Abgeordneten vor.  © Sächsischer Landtag/Stephan Floss
So sieht die Übersetzung in der Internet-Übertragung aus.
So sieht die Übersetzung in der Internet-Übertragung aus.  © Ö Grafik
Rico Gebhardt (57, Linke).
Rico Gebhardt (57, Linke).  © dpa/Martin Schutt
Albrecht Pallas (40, SPD).
Albrecht Pallas (40, SPD).  © Thomas Türpe

Entwickelt hat den Sächsisch-Übersetzer das Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme. Kosten: 50.000 Euro. Plus 20.000 Euro für die Lizenz pro Jahr. Schon haben im Sächsischen Landtag die Landtage von Niederösterreich, Bayern, Thüringen und NRW angefragt - natürlich für ihre Mundart.

Titelfoto: Ö Grafik, dpa/Sebastian Kahnert

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