Umstrittene Äußerungen bei "Anne Will": Kretschmer gibt den patriotischen Corona-Hardliner

Dresden - Vorreiter bei der Maskenpflicht, Gottesdienste statt Möbelkauf und Einschränkung der Bürgerrechte bis zur Impfung - mit eigenwilligen Entscheidungen und steilen Thesen gibt Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (44) derzeit den Corona-Hardliner. Das bescherte ihm jetzt einen denkwürdigen Auftritt in der ARD-Talkshow "Anne Will".

Michael Kretschmer fiel in der Talk-Runde nicht nur durch seine knallblauen Socken auf, auch mit einigen verstörenden Aussagen zur deutschen Corona-Politik.
Michael Kretschmer fiel in der Talk-Runde nicht nur durch seine knallblauen Socken auf, auch mit einigen verstörenden Aussagen zur deutschen Corona-Politik.  © NDR/Wolfgang Borrs

Demonstrationen eingeschränkt, Parlamente bei Corona-Beschlüssen ausgebremst - der politische Diskurs findet derzeit zu großen Teilen im TV statt.

Wie am Sonntagabend bei Anne Will, wo neben Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (61, CDU) auch Sachsen-Regent Kretschmer die Regierungspolitik verteidigen durfte.

Und wie: Als "typisch deutsch" bezeichnete Kretschmer das "kluge Handeln" von Bund und Freistaat. "Es gibt ein Problem, dann machen die Deutschen einen Plan ... dann fangen sie an, den abzuarbeiten, sie optimieren und am Ende läuft es wie am Schnürchen", schwärmte der CDU-Politiker etwas geschichtsvergessen. Und unterließ es auch nicht, die Italiener als negatives Gegenbeispiel zu erwähnen.

Die Reaktion: Aus Sachsen käme "... alter Nationalismus, der so infam und idiotisch war, dass es schmerzte", bewertete der "Stern" hernach den Auftritt Kretschmers bei Will.

Michael Kretschmer (44, CDU) war am Sonntag zu Gast bei Anne Will - mit dem per Video zugeschalteten Wirtschaftswissenschaftler Dr. Michael Hüther (57) lieferte er sich ein hitziges Rededuell.
Michael Kretschmer (44, CDU) war am Sonntag zu Gast bei Anne Will - mit dem per Video zugeschalteten Wirtschaftswissenschaftler Dr. Michael Hüther (57) lieferte er sich ein hitziges Rededuell.  © screenshot/ ard

Keine Normalisierung vor dem Impfstoff?

Leicht entrückt auch Kretschmers Reaktion auf die Frage, warum er anders als in NRW entschieden habe, die Möbelhäuser nicht zu öffnen. "Weil für uns in der Abwägung zum Beispiel Gottesdienste ein wichtiger Moment waren", antwortete der Regierungs-Chef.

Auch Kretschmers Vorstellungen davon, wie lange die Bürger noch die Einschränkung ihrer Grundrechte hinnehmen müssten, ließ aufhorchen: "Eine Normalisierung kann es nicht geben, bevor es nicht den Impfstoff gibt", erklärte der CDU-Politiker.

Zur Info: Optimistische Prognosen gehen von einer Entwicklungszeit von anderthalb Jahren aus.

Titelfoto: NDR/Wolfgang Borrs

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