Dresdner Polizei vergrault Zeugen: Zwei Stunden warten am Unfallort sind Standard!

Dresden - Am Dienstagmittag kam es im Stadtteil Gruna zu einem Unfall mit anschließender Fahrerflucht. Die Dresdner Polizei hatte in dieser Angelegenheit einen Zeugen für zwei Stunden zurückgelassen.

Mit dem Toyota wird so schnell nicht mehr gefahren. Er muss abgeschleppt werden.
Mit dem Toyota wird so schnell nicht mehr gefahren. Er muss abgeschleppt werden.  © Max Patzig

Es war kurz nach 12.15 Uhr, als ein roter Kleinwagen auf der schmalen Hepkestraße in einen parkenden Toyota Yaris rauschte. 

Der Unfall wäre vermeidbar gewesen, denn entgegenkommende Fahrzeuge oder andere, offensichtliche Gründe für das nahe Vorbeifahren gab es nicht.

Das rote Fahrzeug erwischte den Toyota dabei so heftig am Vorderrad, dass sich die Felge völlig verzog und der Reifen in der Folge platzte.

Der unbekannte Unfallfahrer bremste kurzzeitig ab, beschleunigte jedoch wieder, bevor er zum Stehen kam. An der nächsten Kreuzung bog er ab und war weg.

Als TAG24-Reporter Max Patzig Zeuge dieser feigen Tat wurde, zögerte er nicht, zum Telefon zu greifen und die Polizei darüber zu informieren. Nur eine Minute verging seit dem Unfall.

Bis die Beamten eintrafen, sollten aber noch etliche Momente mehr vergehen, wie sich herausstellte.

36 Minuten nach dem Crash wurde der Zeuge nämlich zurückgerufen: "Es dauert noch kurz, bis eine Streife eintrifft. Sie können ruhig in der Zwischenzeit nach Hause gehen", sagte ein Beamter des Polizeireviers Dresden-Mitte telefonisch. Angepeilt wurden 30 Minuten. 

So ging der Zeuge nach Hause und kehrte nach einer halben Stunde zur Unfallstelle zurück. Es verging bereits über eine Stunde, in der nichts geschah und der TAG24-Reporter zu Hause und am Ort des Geschehens wartete.

Erste Befragung zwei Stunden nach Crash in Dresden-Gruna

Bei dem Crash flog die Radkappe mehrere Meter über die Straße.
Bei dem Crash flog die Radkappe mehrere Meter über die Straße.  © Max Patzig

Doch auch nach den anvisierten 30 Minuten geschah noch immer nichts. Erst nach einer weiteren knappen halben Stunde, um 14.05 Uhr, trafen die Beamten ein. Fast zwei Stunden sind seit dem Crash vergangen.

Die Beamten: "Wir hatten viel zu tun heute." Doch ist am heutigen Dienstag wirklich mehr los als sonst? Oder wird jetzt sogar wegen des Coronavirus bei den Ordnungshütern gespart?

Ein Polizeisprecher dementiert diese Fragen und erklärt, wie es zu der Wartezeit kam: "Bei uns gibt es eine priorisierte Aufgabenbewältigung", so der Sprecher auf TAG24-Anfrage.

"Das heißt konkret, dass ein Unfall mit Blechschaden für uns nicht so eine Eile hat wie beispielsweise eine Körperverletzung", erklärte der Polizeisprecher weiter.

Und das sei nicht nur derzeit so: "Auf Wartezeiten von rund zwei Stunden muss man sich da schon einstellen."

Die Polizei lässt Zeugen also regelmäßig zappeln! 

Flüchtiger Unfallverursacher gefasst

Auf die Ermittlungen habe das keinen Einfluss, beteuerte der Polizeisprecher. 

Wer unter Zeitdruck steht und weiß, dass er dann ewig warten muss, greift allerdings seltener zum Hörer. In diesem Fall wäre die Halterin des beschädigten Toyotas erst viel später auf den geplatzten Reifen aufmerksam geworden, und der Unfallverursacher wäre gar nicht mehr auffindbar gewesen.

TAG24-Reporter Max Patzig wartete jedoch an der Unfallstelle und merkte sich sogar das Kennzeichen des Flüchtigen. Zu dem fuhren die Beamten direkt im Anschluss.

Nach all der Zeit, die seit dem Vorfall verging, wähnte dieser sich bestimmt in Sicherheit. Jedoch wurde er nun doch noch von den Uniformierten überrascht.

Bis die Polizei eintraf, vergingen 110 Minuten.
Bis die Polizei eintraf, vergingen 110 Minuten.  © Max Patzig

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