Verdi lässt Bus- & Bahnpassagiere im Regen stehen

Dresden - Nichts ging mehr im ÖPNV! Während am Streiktag an den Haltestellen gähnende Leere herrschte, waren die Straßen vor allem im Berufsverkehr verstopft. Frust nicht nur bei Autofahrern, sondern auch bei zahlreichen Dresdnern, die durch die Stadt "wandern" mussten.

"Ausfall, Ausfall, Ausfall" auch an der Wilsdruffer Straße: Nichts ging mehr im ÖPNV.
"Ausfall, Ausfall, Ausfall" auch an der Wilsdruffer Straße: Nichts ging mehr im ÖPNV.  © Steffen Füssel

"Ausfall, Ausfall, Ausfall", flimmerte es von 3 Uhr früh bis abends um 20 Uhr an den Anzeigetafeln der DVB. 

Keine Bahn und nur wenige Busse (von Subunternehmen) fuhren. Viele Dresdner wurden kalt erwischt.

"Ich habe früh wie viele andere auch an der Haltestelle gewartet, wollte zur Arbeit fahren. Als die Bahn nicht kam, habe ich nach einigen Minuten über das Handy vom Streik erfahren", sagt Seniorin Angelika M. (65) mit "Nebenjob" als Reinigungskraft. "Da habe ich auf Arbeit angerufen, dass ich später komme. Bin dann 40 Minuten zu Fuß gelaufen. Meinen Arzttermin für heute musste ich absagen."

Altenpfleger Daniel Hoffmann (33) musste von Striesen in die Neustadt, stieg spontan aufs Leih-Fahrrad ("Mobibike") um. "Ich hatte noch gehofft, das was fährt. Das Rad ist aber eine super Lösung", sagte er. 

Mutter Franziska Reiter (27) lief mit Kinderwagen von der Neustadt in die Johannstadt, um sich mit einer Freundin zu treffen. "Ich wusste, das nichts fährt und bin eher losgelaufen." 

Zwischen 200.000 und 400.000 Fahrgäste waren betroffen

ver.di bläßt zum Warnstreik.
ver.di bläßt zum Warnstreik.  © Steffen Füssel
Musste eher los: Mutter Franziska Reiter (27) mit ihrem Kinderwagen.
Musste eher los: Mutter Franziska Reiter (27) mit ihrem Kinderwagen.  © Norbert Neumann
Der gehbehinderte Christian Ladek (73) verpasste seinen Termin.
Der gehbehinderte Christian Ladek (73) verpasste seinen Termin.  © Norbert Neumann
Wie viele andere wartete Seniorin Angelika M. (65) am Dienstag vergeblich an der Haltestelle.
Wie viele andere wartete Seniorin Angelika M. (65) am Dienstag vergeblich an der Haltestelle.  © Norbert Neumann
Radler Daniel Hoffmann (33) im Gespräch mit TAG24-Reporter Hermann Tydecks (37).
Radler Daniel Hoffmann (33) im Gespräch mit TAG24-Reporter Hermann Tydecks (37).  © Norbert Neumann
Bahnen fuhren am Dienstag während des Streiks nicht.
Bahnen fuhren am Dienstag während des Streiks nicht.  © Steffen Füssel

Die Chance hatte Rollstuhlfahrer Michael C. (61) nicht. "Ich wollte zu einem Bekannten, bin auf die Bahn angewiesen. Jetzt muss ich wieder nach Hause." Auch für den gehbehinderten Christian Ladek (73) war an der Haltestelle Endstation: "Ich schaffe es nicht zu meinem Termin mit der Krankenversicherung."

Laut DVB-Schätzung waren zwischen 200.000 und 400.000 Fahrgäste betroffen. 

Auch Autofahrer mussten viel Geduld haben, mit Verspätungen kämpfen. So staute es sich zu Stoßzeiten vor allem auf Hauptverkehrsachsen. Gut durch kamen Radler und auch E-Scooter-Fahrer. 

Mit dem bundesweiten Warnstreik will ver.di den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen, so Tarifverhandlungen durchsetzen. 

Es geht um mehr Gehalt für ÖPNV-Mitarbeiter, weniger Wochenarbeitszeit (von aktuell 39 auf 38 Stunden) und Sonderzahlungen für langjährige Beschäftigte.

Titelfoto: Steffen Füssel

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