Viele Besitzer lassen ihren Hunden freien Lauf: Verwirrung um Leinenpflicht in Dresdner Heide
Dresden - Immer wieder geraten Spaziergänger und Jogger in der Dresdner Heide mit frei laufenden Hunden aneinander - sehr zum Ärger von Betroffenen und Stadträten.
Frische Luft genießen und mit dem eigenen Vierbeiner unterwegs sein: Für Hundehalter im Norden der Stadt ist die Heide dafür prädestiniert. Vielen ist jedoch nicht bewusst, dass für das seit 1971 als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesene Waldstück Leinenzwang gilt - zum Schutz der Wildtiere, besonders in der Brut- und Setzzeit.
Effektive Kontrollen gibt es nicht. Eine vor 17 Jahren beschlossene Verordnung trat mit der Maßgabe in Kraft, das Verbot erst nach Ausweisung sogenannter Freilaufzonen durchzusetzen. Unabhängig davon, erklärte das Rathaus zuletzt auf Nachfrage von Stadtrat Stefan Engel (33, SPD), sei die Regelkontrolle wegen der Personalsituation und der Größe des Geländes "nur eingeschränkt möglich".
Ursprünglich plante die Stadt Freilaufzonen im Umfang von 30 Hektar, doch der Vorschlag wurde verworfen.
Eine Bürgerumfrage von 2007 führte anschließend zu dem Wunsch nach deutlich größeren leinenfreien Bereichen mit bis zu 1745 Hektar Gesamtfläche, was das Umweltamt überforderte.
Eine Rückmeldung der Fraktionen blieb aus.
Stadträtin fordert Schaffung von Hundeparks
Zu Testzwecken wurde später ein 25 Hektar großes Gebiet als Freilaufzone beschildert, doch die Markierungen wurden innerhalb eines Monats vollständig zerstört.
SPD-Mann Engel kommentiert: "Weder setzt die Stadt die Regelung durch, noch schafft sie echte Freilaufzonen für Hunde. Am Ende weiß niemand in der Heide, woran er wirklich ist."
Stadträtin Berit Schönfeld (52, BSW) entgegnet: "Da kann man nur an den gesunden Menschenverstand appellieren. Die Stadtverwaltung kann das nicht überwachen."
Hingegen fordert AfD-Stadträtin Silke Schöps (49) als Lösung die Ausweisung weiterer Freilaufzonen im Stadtgebiet und die Schaffung sogenannter Hundeparks.
Kommentar zu den frei laufenden Hunden: An die Leine!
Von Lennart Zielke
Die 6 133 Hektar der Dresdner Heide sind kein rechtsfreier Raum. Wer hier unterwegs ist, hat ein Recht auf Unversehrtheit – Jogger, Spaziergänger, Familien mit Kindern.
Dennoch kommt es regelmäßig zu Konflikten mit frei laufenden Hunden, weil viele Halter die Leinenpflicht im Landschaftsschutzgebiet ignorieren. Ein Unding! Geltende Regeln werden kaum kontrolliert – mit entsprechendem Risiko für alle Beteiligten.
Stadt und Forstbehörde verweisen seit Jahren auf die Schutzbestimmungen für Wildtiere und mahnen zur Rücksichtnahme.
Hinzu kommen gesundheitliche Risiken: In der Heide können Krankheitsfälle wie Parvovirose bei Wölfen auftreten, die auch Hunde infizieren können. Unkontrollierter Freilauf gefährdet also die Tiere selbst.
Die Verwaltung räumt ein, dass sie die Einhaltung wegen Personalmangels kaum überwachen kann. Auch politisch fehlte lange die notwendige Unterstützung. Das Umweltamt hatte bereits vor Jahren versucht, die Lage zu ordnen und sich an die Fraktionen gewandt – Rückmeldungen blieben aus.
Vermutlich aus Desinteresse entstand so ein Zustand, in dem für viele Außenstehende unklar ist, was tatsächlich gilt.
Die Nutzung der Heide als Naherholungsgebiet ist legitim – auch mit angeleintem Hund. Ohne wirksame Kontrolle bleibt die Lage jedoch chaotisch.
Titelfoto: Montage: Thomas Türpe, Steffen Füssel

