Vor der Neubebauung: Archäologen auf Schatzsuche unterm Ferdinandplatz

Dresden - Auf dem Ferdinandplatz entsteht für 140 Millionen Euro das neue Verwaltungszentrum der Stadt. Kurz vor Beginn der Corona-Krise starteten dafür die archäologischen Grabungen. Die ruhen noch immer, weil Weltkriegs-Bomben gefunden werden könnten, aktuell aber keine Evakuierungen möglich sind. Das alte Dresden liegt so für alle offen sichtbar.

Für 140 Millionen Euro soll mitten in der City auf dem Ferdinandplatz eine neues Verwaltungszentrum entstehen.
Für 140 Millionen Euro soll mitten in der City auf dem Ferdinandplatz eine neues Verwaltungszentrum entstehen.  © Holm Helis

"Es ist eine spannende Fläche, wir werden dort sehr genau graben", sagt Christoph Heiermann (60) vom Landesamt für Archäologie. 

Etwa ein Jahr haben die Forscher dafür Zeit. Die Fläche selbst lag im Mittelalter außerhalb der Stadtmauern. 

Solche Bereiche waren damals kaum bewohnt. "Stattdessen war dort Handwerk angesiedelt, welches man nicht in der Stadt haben wollte, zum Beispiel Töpfereien wegen der Feuergefahr oder die fürchterlich stinkenden Gerbereien", so Heiermann weiter. 

Sehr wahrscheinlich werden daher in tieferen Schichten unter dem Ferdinandplatz Keramikreste liegen. 

Auch Spuren von Gärten sind denkbar.

Archäologe: "Kann sein, dass wir auf sterbliche Überreste stoßen."

Christoph Heiermann (60) vom Landesamt für Archäologie schickt seine Forscher auf das historische Handwerker-Areal.
Christoph Heiermann (60) vom Landesamt für Archäologie schickt seine Forscher auf das historische Handwerker-Areal.  © Holm Helis

Bereits in Teilen freigelegt ist momentan die dichte Bebauung der Zeit vor 1945.

Damals prägten prächtige Gründerzeit-Häuser das Areal. Der berühmte Gänsediebbrunnen zierte den eng bebauten Ferdinandplatz.

Auch die Luftangriffe auf Dresden werden bei den Grabungen relevant sein. "Es kann sein, dass wir auf sterbliche Überreste stoßen. Dann wird sofort die Polizei informiert", so Heiermann weiter.

Wann genau zuerst der Kampfmittelbeseitigungsdienst und im Anschluss die Archäologen wieder anrücken, ist laut Rathaus noch unklar.

Der Zeitverlust sei jedoch aufholbar. Frühestens 2022 soll gebaut werden.

Titelfoto: Holm Helis

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