Warum die neue Pfeife der "Wehlen" auf der "Pillnitz" tutet

Dresden - Tuuuuut - der Schaufelraddampfer "Stadt Wehlen" bekommt seine tongewaltige "Stimme" zurück. Bald kann er nicht nur weiße Wolken, sondern auch wieder den markanten Signalton (130 Dezibel) ausstoßen. Am 1. Mai wird die neue Pfeife getestet - allerdings nicht an Bord der "Wehlen", sondern auf der "Pillnitz".

Vereinsvorstand Dirk Ebersbach (57) stemmt vor der "Pillnitz" stolz die neue Pfeife - sie wiegt weit über 20 Kilo.
Vereinsvorstand Dirk Ebersbach (57) stemmt vor der "Pillnitz" stolz die neue Pfeife - sie wiegt weit über 20 Kilo.  © Holm Helis

Die Geschichte der Pfeife gleicht fast einem Rudern gegen den Strom. Die historische, über 140 Jahre alte Original-Pfeife der "Wehlen" hatte vor zwei Jahren ihre Stimme verloren.

Doch das Schweigen an Bord wollte der im August 2019 gegründete Verein "Weiße Flotte" (100 Mitglieder) nicht so einfach hinnehmen.

Das Problem: "Dampferpfeifen sind Einzelstücke und historische Raritäten, die man nicht einfach einkaufen kann", weiß Vereinsvorstand Dirk Ebersbach (57).

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Der Verein ging auf die Suche - und wurde fündig: beim Elbeseitenradschleppdampfer "Württemberg" in Magdeburg. Doch auch dessen Pfeife blieb beim ersten Test in Dresden stumm. Grund: Haarrisse im Sockel.

"Doch wir konnten den defekten Sockel als 3-D-Modell für einen Guss einscannen und einen neuen Bronze-Sockel gießen lassen. Der wurde dann mit dem historischen Pfeifenkörper aus Messing verbunden", so Ebersbach. Rund 6000 Euro steckte der Verein in die Pfeife.

Jochen Haubold (42, l.) und Dirk Ebersbach (57) lassen die Pillnitz-Pfeife tuten. Sie wird am 1. Mai gegen die Testpfeife ausgewechselt.
Jochen Haubold (42, l.) und Dirk Ebersbach (57) lassen die Pillnitz-Pfeife tuten. Sie wird am 1. Mai gegen die Testpfeife ausgewechselt.  © Holm Helis
TAG24-Reporterin Katrin Koch hinterm Steuerrad der "Pillnitz". Wer am 1. Mai die neue Pfeife hören will, kann sich ab 10 Uhr an die Elbe Richtung Pillnitz stellen.
TAG24-Reporterin Katrin Koch hinterm Steuerrad der "Pillnitz". Wer am 1. Mai die neue Pfeife hören will, kann sich ab 10 Uhr an die Elbe Richtung Pillnitz stellen.  © Holm Helis

Nun ist die alte, neue Pfeife für die "Wehlen" wieder komplett. Doch getestet wird sie auf der "Pillnitz". Ebersbach erklärt: "Die Pfeife funktioniert nur unter Dampf. Sie braucht einen Druck von zehn Bar." Die "Wehlen" liegt aber zur Turnusüberholung in der Werft.

"Schwesterdampfer Pillnitz dagegen ist flott gemacht - er bedient die Nahverkehrsstrecken", weiß Jochen Haubold (42), nautischer Leiter der Sächsischen Dampfschiffahrt und Vize-Vereinsvorstand. "Für den Test am 1. Mai montieren wir deshalb die Wehlen-Pfeife für einen Tag auf die Pillnitz und werden an der Werft die Wehlen lautstark grüßen ..."

Titelfoto: Holm Helis

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