Was wird aus den Striezelmarkt-Buden? Händler fordern vollen Schadensersatz

Dresden - Der Altmarkt bietet einen traurigen Anblick. Ein Teil der Buden steht noch. Einige Händler haben schon abgebaut. Hinter den Kulissen hat der Kampf um Entschädigungszahlungen begonnen.

Der Abbau zieht sich hin.
Der Abbau zieht sich hin.  © DPA

Gastronom Heiko Meyer (58) hat seinen Stand bereits abgebaut. Anders als viele Händler verfügt er über eine eigene Logistik. Diejenigen, die auf Fremdfirmen zum Abbau angewiesen sind, müssen auf freie Kapazitäten warten.

Es könnte eng werden: Voraussichtlich soll der Budenzauber laut Stadt in der Woche ab 6. Dezember ganz verschwinden.

Die Standgebühren hat die Landeshauptstadt den Händlern zwar erlassen, und die Überbrückungshilfe III Plus kann beim Bund beantragt werden. Doch da beginnen die Probleme. Verderbliche Waren sollen abzuschreiben sein. "Es ist jedoch nicht definiert, was genau als verderblich gilt", so Meyer, der als Beispiel Glühwein nennt.

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Die Hilfe umfasst zudem nur anteilig die Fixkosten. Lebenshaltungskosten, Renten- und Krankenversicherung jedoch nicht. "Wir brauchen einen Umsatzausgleich wie im letzten Jahr, der auf der Grundlage 2019 berechnet wird", so Meyer. 70 Prozent gab es damals.

Mit dem Marktamt haben die Händler eine Videokonferenz geführt, ihre Sorgen und Nöte benannt. Die Stadt sagte Hilfe zu. "Wir haben als Stadt Dresden gemeinsam mit dem Sächsischen Städte- und Gemeindetag uns sofort an den Freistaat gewandt und die dringend erforderlichen Hilfen für die betroffenen Branchen eingefordert", so Oberbürgermeister Dirk Hilbert (50).

Ob der Vorstoß etwas bewirkt hat, bleibt offen. Die Stadt räumt ein, dass die Überbrückungshilfe III Plus nur eingeschränkt den hohen Schaden ersetzt. "Es ist ein Programm notwendig, das den nachweislich entstandenen finanziellen Aufwand der Händler vollumfänglich ersetzt", so Robert Franke, Leiter der Wirtschaftsförderung.

Heiko Meyer (58) hat schon abgebaut.
Heiko Meyer (58) hat schon abgebaut.  © Steffen Füssel
Andreas Hoffmann (70) baut seinen Stand für Holzkunst ab.
Andreas Hoffmann (70) baut seinen Stand für Holzkunst ab.  © Thomas Türpe
Nach dem 6. Dezember sollen auch die letzten Buden verschwunden sein.
Nach dem 6. Dezember sollen auch die letzten Buden verschwunden sein.  © Thomas Türpe

Welle der Wehmut: So kommt Ihr an die Striezelmarkt-Tassen!

Anne Pohl (30) von der Dresden Information zeigt die Striezeltassen.
Anne Pohl (30) von der Dresden Information zeigt die Striezeltassen.  © Petra Hornig

Striezeln auf dem Altmarkt fällt zwar aus, aber auf die begehrten Tassen für den Glühwein-Rausch zu Hause muss niemand verzichten.

Wie schon im vorigen Jahr hat die Stadt nicht alle Tassen im Schrank. Die Dresden Information nahm 10.000 Pötte des 587. Striezelmarktes in Kommission. Hinzu kommen 1000 Kindertassen und die nummerierte Sonderedition.

"Wir haben die Packstraße vom Vorjahr wieder in Betrieb genommen", sagt Anne Pohl (30) von der Dresden Information, die bestätigt, dass der Verkauf der Geistermarkt-Tasse gut angelaufen ist.

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Täglich werden dort mehrere Dutzend Glühweinbecher (Stück: 6 Euro) verpackt. Auch die "Edeltassen" (Stück 20 Euro) gehen gut weg: "Die Hälfte der 587 Tassen der Sonderedition ist schon verkauft", so Anne Pohl. Offensichtlich löste die Absage des Striezelmarktes eine Welle der Wehmut und Solidarität aus.

Bestellt werden kann online (striezeltasse.de). Die Tassen können auch in der Dresden Info am Hauptbahnhof und im Stollenmarkt im QF am Neumarkt erworben werden. Dort gibt es auch die Geschenksets mit zwei Tassen und einer Flasche Heide-Glühwein (20 Euro).

Insgesamt hatte die Stadt 25.000 Tassen bei der Firma Kannegießer Keramik in Neukirch in der Lausitz in Auftrag gegeben.

Titelfoto: Thomas Türpe, Steffen Füssel

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