Wasser Marsch für Dresdens Bäume: Bürger kümmern sich ums Stadtgrün

Dresden - Der Klimawandel macht Dresdens  Straßenbäumen zu schaffen. Wegen zunehmender Trockenheit starben 2019 mit knapp 500 Bäumen vier Mal so viele wie im Jahr davor. Weil der Regen nicht mehr ausreicht, greifen immer mehr Bürger selbst zur Gießkanne - wie jetzt ein breites Bündnis in Striesen.

Mit Schubkarre und Wasser-Sack: Nadja Görnert (44, Grüne) und Mousse Mbarek (36) gossen auch mit.
Mit Schubkarre und Wasser-Sack: Nadja Görnert (44, Grüne) und Mousse Mbarek (36) gossen auch mit.  © Norbert Neumann

Für die sieben Bergahorne am Stresemannplatz kommt jede Hilfe zu spät. 

Trockenheit setzte den Bäumen zu, machte sie so auch anfällig für Schädlinge. Sie können nicht gerettet werden. Doch das blüht auch Tausenden weiteren Bäumen in den nächsten Jahren. 

"Die starke Zunahme an abgestorbenen Bäumen hat uns erschreckt", sagt Dresdens Baumchef Steffen Löbel (54) vom Amt für Stadtgrün

Wegen der Trockenheit im Boden und zu niedrigem Grundwasserstand fing das Rathaus in diesem Jahr bereits Mitte April mit dem Gießen an - so früh wie noch nie.

Von 54.500 Straßenbäumen bewässert die Stadt bislang rund 6500 selbst, darunter 4000 Jungbäume. Jetzt bekommt die Verwaltung Unterstützung: Ausgerüstet mit Kanistern und Schubkarren gossen Mittwoch Anwohner und Bürger vom Bündnis "Dresden gießt" 50 Kastanien am Stresemannplatz. 

"Wir alle brauchen die Bäume. Wir hoffen, dass den Leuten das Problem bewusst wird und dass sie in ihren Stadtteilen die Initiative ergreifen", sagt Mitstreiterin Louise Hummel-Schröter (35). "Jeder kann mitmachen."

Das Gieß-Projekt wurde von "Parents For Future" ins Leben gerufen, wird auch von den Grünen unterstützt: "So wollen wir mit dazu beitragen, dass mehr Bäume den Sommer gut überstehen", so Stadtrat Wolfgang Deppe (65). Auch das Rathaus unterstützt die Initiative, legte vor Ort einen Wasser-Anschluss, aus dem gezapft werden kann.

Bis zum Herbst wird in Striesen jeden Mittwoch, 17 Uhr, gegossen.

Auch die beiden "Fridays for Future"-Vertreterinnen Clara Hanitzsch (16, v.l.) und Friederike Fischer (17) griffen zur Gießkanne, so wie auch Henriette Mehn (23, Grüne).
Auch die beiden "Fridays for Future"-Vertreterinnen Clara Hanitzsch (16, v.l.) und Friederike Fischer (17) griffen zur Gießkanne, so wie auch Henriette Mehn (23, Grüne).  © Norbert Neumann
Das breite Bündnis "Dresden giesst" mit Projektinitiatorin Christina Hillebrand (43, 2.v.r.), Anwohner Peter Skyba (59, hockend), Grünen-Stadtrat Wolfgang Deppe (65, 2.v.l.), Louise Hummel-Schröter (35, Mitte) von "Parents for Future" sowie Unterstützer Steffen Löbel (54, r.) vom Amt für Stadtgrün.
Das breite Bündnis "Dresden giesst" mit Projektinitiatorin Christina Hillebrand (43, 2.v.r.), Anwohner Peter Skyba (59, hockend), Grünen-Stadtrat Wolfgang Deppe (65, 2.v.l.), Louise Hummel-Schröter (35, Mitte) von "Parents for Future" sowie Unterstützer Steffen Löbel (54, r.) vom Amt für Stadtgrün.  © Norbert Neumann
Pro Gießtag werden rund 2000 Liter gezapft: Die Stadt stellt den Wasseranschluss zur Verfügung.
Pro Gießtag werden rund 2000 Liter gezapft: Die Stadt stellt den Wasseranschluss zur Verfügung.  © Norbert Neumann

Wie werden unsere Städte grüner? Wir zeigen, wie's geht

Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen (54, Grüne) und Umweltminister Wolfram Günther (47, Grüne) auf dem begrünten Dach des "Geh 8".
Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen (54, Grüne) und Umweltminister Wolfram Günther (47, Grüne) auf dem begrünten Dach des "Geh 8".  © Ove Landgraf

Wie können Sachsens Städte grüner werden? Mit dieser Frage beschäftigt sich mittlerweile auch die Landesregierung und plant ein Programm für mehr Stadtgrün. 

Dafür hat sich Umweltminister Wolfram Günther (47, Grüne) Mittwoch zu einem Erfahrungsaustausch mit Dresdens Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen (54, Grüne) auf dem Gelände des alten Güterbahnhofs an der Erfurter Straße getroffen. Dort zeigt Dresden derzeit nämlich, wie das gehen kann.

"Ich freue mich, wenn wir dem Freistaat Impulse geben können", sagte Jähnigen und präsentierte, was entlang der Gehestraße bereits erreicht wurde. Aus dem ehemals großflächig versiegelten Areal wird seit einem Jahr nämlich ein großer Grünzug. Der ist 500 Meter lang und etwa 30 Meter breit und soll im überhitzten Stadtteil Pieschen für Abkühlung sorgen. 

Dafür werden werden insgesamt 100 Bäume, mehr als 2000 Sträucher, Kletter- und Heckenpflanzen sowie mehr als 20.000 Stauden, Zwiebelpflanzen und Gräser gepflanzt. Außerdem entsteht ein etwa 1000 Quadratmeter großer Bürgergarten. 

Drei der insgesamt sechs Teilbereiche sind bereits fertig. Im September soll die Eröffnung sein.

In dem neuen Park werden auch die Gebäude begrünt.
In dem neuen Park werden auch die Gebäude begrünt.  © Ove Landgraf

Auch der Freistaat sei auf dem Weg, sagte Günther und versicherte, dass man eng mit den Kommunen zusammenarbeiten wolle. "Wir müssen massiv daran arbeiten, das Stadtklima zu verbessern."

Titelfoto: Norbert Neumann

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