Wegen Ausgrenzung: Aufstand gegen die Knigge-Frauen aus dem Stadtrat

Dresden - Die Debattenkultur im Dresdner Stadtrat muss sich ändern. Darüber besteht parteiübergreifend weitgehend Einigkeit. Trotzdem erntet die am Montag vorgestellte Absichtserklärung von 15 Stadträtinnen (TAG24 berichtete) von verschiedenen Seiten Kritik. Dabei geht es weniger um den Inhalt als um die Kommunikation und Debattenkultur der Verfasserinnen.

Die Debattenkultur im Stadtrat ist nun selbst Gegenstand von Debatten.
Die Debattenkultur im Stadtrat ist nun selbst Gegenstand von Debatten.  © Steffen Füssel

"Was ist eine Initiative für eine wertschätzende Debattenkultur, die von vielen unterzeichnet ist und bei der ich, vermutlich weil ich männlich bin, nicht einmal gefragt werde, ob ich teilnehme?", fragt Tilo Kießling (50, Linke) bei Twitter.

Seine Antwort: "Genau. Nicht wertschätzend."

So empfindet es auch CDU-Fraktionschef Peter Krüger (60): "Ich teile das Anliegen, wundere mich aber über die Ausgrenzung."

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Über die wundert sich auch Susanne Dagen (49, Freie Wähler), die vor kurzem selbst Opfer politischer Gewalt geworden ist. Auch sie wurde nicht einmal gefragt, ob sie mitarbeiten will.

Dana Frohwieser (44, SPD) erklärte das damit, dass sie nur Kolleginnen angeschrieben habe, mit denen sie zuvor im Rat zusammengearbeitet hat.

Dagen: "Es war unklug, Fraktionen außen vor zu lassen."

Am Montag hat eine Gruppe von Stadträtinnen eine gemeinsame Absichtserklärung veröffentlicht.
Am Montag hat eine Gruppe von Stadträtinnen eine gemeinsame Absichtserklärung veröffentlicht.  © Holm Helis

Auf Twitter äußerte sich Tilo Kießling zur Debattenkultur im Dresdner Stadtrat

Für Holger Zastrow (52, FDP, l.) beschädigt das Vorgehen der Initiatorinnen das Miteinander im Stadtrat. Tilo Kießling (50, Linke, r.) bemängelt bei der Initiative fehlende Wertschätzung für die Stadtratskollegen.
Für Holger Zastrow (52, FDP, l.) beschädigt das Vorgehen der Initiatorinnen das Miteinander im Stadtrat. Tilo Kießling (50, Linke, r.) bemängelt bei der Initiative fehlende Wertschätzung für die Stadtratskollegen.  © Bildmontage: Petra Hornig & Holm Helis

Außen vor war mangels weiblicher Mitglieder auch die FDP-Fraktion. Deren Vorsitzenden Holger Zastrow (52) ärgert aber etwas anderes.

"Wir haben am Montag im Ältestenrat zusammengesessen und über eine gemeinsame Resolution zur Verurteilung von Gewalt und Hass diskutiert. Die wurde bereits eine Woche vorher vorgestellt. Beide Male wurde mit keiner Silbe die eigene Initiative erwähnt", so Zastrow. Für ihn ist klar: "Es besteht kein Interesse, ernsthaft darüber zu sprechen. Es ging nur um den Effekt."

Auf die besagte Resolution, die von der Verwaltung auf Anregung der CDU verfasst wurde, konnte man sich im Ältestenrat übrigens nicht einigen. CDU-Chef Krüger: "Ich bin enttäuscht, dass nicht einmal der Minimalkonsens zur Ablehnung jeglicher Gewalt möglich ist."

Titelfoto: Steffen Füssel

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