Wählen zwischen Spätsommer und Corona: Welche Wahlbeteiligung sich in Sachsen abzeichnet

Sachsen - Bei der Bundestagswahl am Sonntag in Sachsen unter den Bedingungen der Corona-Pandemie hat bis zum Mittag reichlich ein Drittel der Wahlberechtigten in Wahllokalen abgestimmt.

Ein Zettel mit Hygienehinweisen klebt zur Bundestagswahl in einem Wahllokal an der Wand. Bei bestem Spätsommerwetter und in der Corona-Pandemie strömten die Menschen in Sachsen nicht gerade in die Wahllokale.
Ein Zettel mit Hygienehinweisen klebt zur Bundestagswahl in einem Wahllokal an der Wand. Bei bestem Spätsommerwetter und in der Corona-Pandemie strömten die Menschen in Sachsen nicht gerade in die Wahllokale.  © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Die vorläufige Wahlbeteiligung lag um 14 Uhr nach Angaben von Landeswahlleiter Martin Richter in Kamenz bei 36,4 Prozent, 2017 waren es zum gleichen Zeitpunkt 39,3 Prozent gewesen.

Die Behörde geht allerdings davon aus, dass ein Viertel der rund 3,3 Millionen Wahlberechtigten im Freistaat von der Briefwahl Gebrauch machten. Ministerpräsident Michael Kretschmer (46, CDU) bat die Menschen vor seiner Stimmabgabe am Morgen, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. Noch bis 18 Uhr haben die Wahllokale in 16 Wahlkreisen geöffnet.

"Es ist ordnungsgemäß angelaufen", sagte ein Sprecher der Landeswahlleitung. "Hie und da ruckelt es schon mal aufgrund von Fragen, es gibt aber keine Probleme." Für 126.000 der Wahlberechtigten ist es eine Bundestagswahl-Premiere.

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In der Stadt Dresden zeichnete sich jedoch eine hohe Wahlbeteiligung ab. So twitterte die Stadt, dass bis 14 Uhr in der Landeshauptstadt bereits 67,7 Prozent wählen waren. Zum Vergleich: 2017 waren es 57,1 Prozent gewesen.

Vielerorts zeichnete sich auch schon großer Zuspruch für die Briefwahl ab.

Der Freistaat brauche tatkräftige Abgeordnete im nationalen Parlament, die sich für die sächsischen Interessen einsetzten, sagte Kretschmer vor dem Urnengang.

"Wir haben bei dieser Wahl auch die Möglichkeit, dem Zeitgeist etwas entgegenzusetzen, der Freude am Zerstören hat." Es gehe darum, zu gestalten und etwas aufzubauen, und auch für Sachsens Einfluss in der Bundesrepublik Deutschland sei es wichtig, "wie stark wir im Bundestag vertreten sind", sagte er.

Wahllokale haben noch bis 18 Uhr geöffnet

Dresden: Eine Wählerin sitzt bei der Stimmabgabe zur Bundestagswahl im Wahllokal mit ihrem Stimmzettel in der Wahlkabine.
Dresden: Eine Wählerin sitzt bei der Stimmabgabe zur Bundestagswahl im Wahllokal mit ihrem Stimmzettel in der Wahlkabine.  © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

"Genießt den Sonntag, geht wählen", twitterte SPD-Landeschef Dulig. "Heute entscheiden wir, wer dieses Land gestaltet und wem wir anvertrauen, die großen Fragen unserer Zeit anzupacken."

In Chemnitz, Grünhainichen (Erzgebirgskreis) und Flöha (Mittelsachsen) haben Unbekannte Parolen vor oder in der Nähe von Wahllokalen hinterlassen, der Staatsschutz ermittelt in insgesamt sieben Fällen wegen Sachbeschädigung durch Graffiti mit politischem Hintergrund.

Nach Polizeiangaben wurden eine Mauer, die Rückseite eines Wahllokals sowie die Straßen vor vier Wahllokalen mit Sprüchen und Parolen wie "Coronadiktatur abwählen" oder "Altparteien entmachten" besprüht - jeweils über die gesamte Fahrbahnbreite mit weißer oder rosa Farbe.

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Bei der letzten Bundestagswahl 2017 hatte sich die AfD in Sachsen ganz knapp gegen die bis dahin erfolgsverwöhnte Union durchgesetzt.

Sie bekam damals 27 Prozent der Zweitstimmen, die CDU 26,9 Prozent. Dahinter rangierten die Linken (16,1 Prozent), die SPD (10,5), die FDP (8,2) und die Grünen (4,6). Die Wahlbeteiligung lag bei 74,4 Prozent bei 15,9 Prozent Briefwählern.

Der Landeswahlausschuss hat für die Bundestagswahl 22 Parteien mit Landeslisten zugelassen. In einigen Wahlkreisen wird mit einem engen Rennen um Direktmandate gerechnet. So konkurrieren im Wahlkreis Dresden I die frühere Linke-Bundesvorsitzende Katja Kipping und AfD-Rechtsaußen Jens Maier, AfD-Bundeschef Tino Chrupalla will in Görlitz sein Direktmandat verteidigen.

Das hatte er vor vier Jahren dem heutigen Regierungschef Kretschmer (CDU) abgenommen. 2017 hatte die CDU 12 der 16 Direktmandate gewonnen, die AfD drei und die Linken eins.

Titelfoto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

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