Wegen Corona wenig Absatz: Sachsens Kartoffelbauern stecken im Pommes-Loch

Dresden - Mit der Schließung von Restaurants und Schnellimbissen infolge der Corona-Pandemie ging der Verbrauch von Kartoffeln dramatisch zurück. Auch sächsische Bauern blieben auf vollen Lagern sitzen. Das Problem wurde teilweise auf ungewöhnliche Weise gelöst.

Auspacken, umladen, weiter: Köhra-Mitarbeiter Leon Helbig (22) lädt Pommes um. In der Corona-Krise tendierte die Nachfrage gegen Null.
Auspacken, umladen, weiter: Köhra-Mitarbeiter Leon Helbig (22) lädt Pommes um. In der Corona-Krise tendierte die Nachfrage gegen Null.  © Eric Münch

"Die kommerzielle Nachfrage nach Kartoffeln ist mit dem Shutdown nahezu auf Null gesunken", sagt Ariane Weiß (56) vom sächsischen Kartoffelverband in Leipzig. Keine Nachfrage bei Gastro- und Frittenbetrieben, kein Absatz. Die Erzeuger blieben auf Tonnen der alten Ernte sitzen. 

Damit die Ware nicht verdirbt, wurden die Erdfrüchte teilweise als Tierfutter verwendet oder landeten in Biogasanlagen, so Weiß. Was für eine Verschwendung!

Eine Lösung in letzter Minute fand der Landesbauernverband (LSB) für die Notlage eines Kartoffelbauern aus Ostsachsen. "Der Schälbetrieb, den der Landwirt sonst beliefert, hatte plötzlich keinen Bedarf mehr", so LSB-Geschäftsführer Manfred Uhlemann (63). 

Die 500 Tonnen Kartoffeln drohten zu keimen. Schließlich orderte ein Verarbeiter in der Nähe von Glauchau immerhin 300 Tonnen. "Zu einem Dumpingpreis", wie der Kartoffelbauer, der nicht genannt werden will, beklagt.

Dramatischer Einbruch beim Pommes-Verbrauch

Hauptsache frisch: Die Köhra-Frische GmbH bei Leipzig handelt mit Salaten und Gemüse. In "normalen" Monaten gehen 20 Tonnen frische Pommes an die Kunden.
Hauptsache frisch: Die Köhra-Frische GmbH bei Leipzig handelt mit Salaten und Gemüse. In "normalen" Monaten gehen 20 Tonnen frische Pommes an die Kunden.  © Eric Münch

Geradezu dramatisch dürfte der Einbruch bei Pommes Frites gewesen sein. 

Doch die Großen der Branche schweigen: McCain - das Unternehmen gilt als weltgrößter Pommes-Hersteller und beliefert unter anderem McDonald's - will auf Nachfrage von TAG24 lieber nicht antworten.

Burger King reagiert erst gar nicht. 

Anders Sandra Eckelmann (43) von der Köhra-Frische GmbH aus der Nähe von Leipzig. Die Firma handelt mit frischen Pommes Frites. Im Januar, also einem "normalen" Monat, gingen noch 20 Tonnen an die Kunden, so Eckelmann. 

Im März und im April sei der Absatz auf ein bis zwei Tonnen geschrumpft. Momentan liege er bei zirka zehn Tonnen.

Mit der Lockerung der Corona-Regeln ist auch die Nachfrage bei Restaurants und Lokalen wieder angestiegen. 

Sandra Eckelmann (43).
Sandra Eckelmann (43).  © Eric Münch
Der Rest geht in die Steckdose: Kartoffeln, die in der Corona-Krise keinen Absatz fanden, landeten in Biogasanlagen.
Der Rest geht in die Steckdose: Kartoffeln, die in der Corona-Krise keinen Absatz fanden, landeten in Biogasanlagen.  © Steffen Füssel

Schon während des Lockdowns ist übrigens auch der Privatverbrauch gestiegen: Weil die Sachsen in dieser Zeit zu Hause wieder mehr gekocht haben, landeten dort auch mehr Kartoffeln im Topf: rechnerisch statt 30 Kilo jetzt 36 Kilo pro Kopf und Jahr. Das konnte die großen Verluste für die Bauern wenigstens ein bisschen ausgleichen.

Titelfoto: Steffen Füssel, Eric Münch

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