Heute wäre der 586. Striezelmarkt eröffnet worden: Wo fand der Erste statt?

Dresden - Ohne Corona wäre der Dresdner Striezelmarkt auf dem Altmarkt am Donnerstag feierlich mit einem Gottesdienst eröffnet worden.

Dr. Sylvia Drebinger-Pieper (36) aus dem Stadtarchiv forschte zusammen mit ihrem Kollegen Stefan Dornheim (40) zur Geschichte des Marktes. Fündig wurden die Historiker zum Beispiel in diesem Protokoll aus dem Jahr 1723 (links).
Dr. Sylvia Drebinger-Pieper (36) aus dem Stadtarchiv forschte zusammen mit ihrem Kollegen Stefan Dornheim (40) zur Geschichte des Marktes. Fündig wurden die Historiker zum Beispiel in diesem Protokoll aus dem Jahr 1723 (links).  © Thomas Tuerpe

Doch die Geschichte des Marktes ist viel komplizierter - und verbunden mit zahlreichen Ortswechseln.

Der Striezelmarkt geht ursprünglich auf ein Privileg zurück, das der sächsische Kurfürst Friedrich II. im Oktober 1434 ausstellte. Damals als Fleischmarkt gedacht, wurde später auch Striezel verkauft.

Vorgesehen dafür war der in Dresden vorgeschriebene Ort für Märkte, der Altmarkt. "Ausnahmen gab es während der Pestzeiten oder während großer Kriege", sagt Historikerin Sylvia Drebinger-Pieper (36) vom Stadtarchiv.

Um 1700 reichte der Markt dann vom Altmarkt über die Frauengasse bis zum Neumarkt und dehnte sich, fein geordnet nach Warengruppen, immer weiter aus.

An der Frauengasse standen gegen 1833 Drechsler und Schachtelmacher, vor dem Hotel de Saxe die Glasmacher, hinter der Frauenkirche die Blechhändler, am Postplatz wurden Christbäume verkauft.

Mehr Striezelmarkt gibt es 2020 nicht. Überhaupt erst zum zweiten Mal wurde der Markt abgesagt.
Mehr Striezelmarkt gibt es 2020 nicht. Überhaupt erst zum zweiten Mal wurde der Markt abgesagt.  © Petra Hornig

Viele Grundlagen des Striezelmarktes entstanden im 20. Jahrhundert

Um 1910 fand der Striezelmarkt, festgehalten in dieser Malerei, entlang des Goldenen Reiters statt (rechts). 1937 standen Striezelmarkt-Buden auf dem Neumarkt.
Um 1910 fand der Striezelmarkt, festgehalten in dieser Malerei, entlang des Goldenen Reiters statt (rechts). 1937 standen Striezelmarkt-Buden auf dem Neumarkt.  © Christa Hüttel/ SLUB Dresden & SLUB/Deutsche Fotothek

Später wurde das Treiben vom Altmarkt verbannt. "Der eher volkstümliche Markt war dem wachsenden städtischen Verkehr und dem Wunsch nach einem mondänen Zentrum mit Kaufhäusern im Weg", so Drebinger-Pieper weiter.

Der Striezelmarkt wich ab 1864 auf Neustädter Markt und Hauptstraße aus, kam zurück auf den Altmarkt und wuchs von dort ab 1920 wieder Richtung Postplatz und Wallstraße.

Während der NS-Zeit entstand dann vieles, was heute noch vertraut ist: selbst gebaute Stände, Tannenschmuck, zentraler Lichterbaum, Chorauftritte.

"Die Grundlagen dafür stammen aus der Heimatbewegung um 1900, sie wurden in den 1920er-Jahren wieder aktuell. Der Nationalsozialismus erkannte dann den propagandistischen Mehrwert emotionsbeladener und volksverbundener Weihnachtsmärkte."

Striezelmarkt kehrt nach dem Krieg zurück auf den Altmarkt

Der erste Striezelmarkt in der Altstadt nach dem Krieg fand 1954 auf dem Theaterplatz statt.
Der erste Striezelmarkt in der Altstadt nach dem Krieg fand 1954 auf dem Theaterplatz statt.  © SLUB/Deutsche Fotothek

Nach dem Krieg lag die Innenstadt in Trümmern, der Striezelmarkt wich ab 1946 in die Nordhalle im heutigen Militärhistorischen Museum aus, 1954 stand die Striezelfichte auf dem Theaterplatz.

1955 kam der Markt zurück auf den Altmarkt, nur um später erneut in Nordhalle, Weißer Gasse, Webergasse (1966) oder auf dem Fucikplatz (1971-1976) stattzufinden.

Titelfoto: Thomas Tuerpe, Christa Hüttel/ SLUB Dresden, Petra Hornig

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