Insgesamt weniger Kriminalität in Sachsen, außer in einem Bereich

Dresden - Innenminister Prof. Dr. Roland Wöller hat am Donnerstag in Dresden Tendenzen im Hinblick auf die Kriminalitätsentwicklung im Freistaat seit Beginn der Corona-Schutzmaßnahmen am 16. März vorgestellt. Dazu hat das Landeskriminalamt (LKA) Sachsen die hierfür entscheidenden Deliktsbereiche ausgewertet.

Sachsens Innenminister Prof. Dr. Roland Wöller informierte am Donnerstag über die aktuelle Kriminalitätsstatistik für Sachsen.
Sachsens Innenminister Prof. Dr. Roland Wöller informierte am Donnerstag über die aktuelle Kriminalitätsstatistik für Sachsen.  © Steffen Füssel
"Eine erfreuliche Botschaft ist, dass die Kriminalität in Zeiten der Corona-Pandemie, die uns Menschen vieles abverlangt, zurückgegangen ist", sagte Innenminister Prof. Dr. Roland Wöller. Er verwies aber auch darauf, dass der Beobachtungszeitraum für belastbare Trendaussagen noch zu kurz sei.

Wöller appellierte an die Menschen in Sachsen, wachsam zu sein, um sich insbesondere vor Betrügereien in Bezug auf die Corona-Maßnahmen zu schützen:
  • Amtspersonen, etwa Polizisten und Mitarbeiter des Gesundheitsamtes, können sich immer ausweisen; darum: immer einen Ausweis verlangen!
  • Amtliche Bescheide mit Zahlungsaufforderungen kommen immer per Post, nie per E-Mail.
  • Wer berechtigte Zweifel an der Echtheit eines Dokumentes hat, sollte die ausstellende Behörde unter den öffentlich bekannten Nummern anrufen.
  • Nutzt möglichst keine Links, um auf die Internetseiten der SAB oder anderer Institutionen zu gelangen; besser: Seite direkt anwählen oder über eine Suchmaschine.
  • Lasst grundsätzlich niemanden in Eure Wohnung, den Ihr nicht kennt.
  • Ältere, Hilfsbedürftige und Kinder verdienen unsere besondere Aufmerksamkeit.

Weniger Diebstahl, weniger Wohnungseinbrüche

Polizisten stehen zur Beobachtung auf dem Elberadweg am Königsufer in Dresden.
Polizisten stehen zur Beobachtung auf dem Elberadweg am Königsufer in Dresden.  © Robert Michael/dpa

Mit Stand vom 20. April 2020 ist die Anzahl der Straftaten seit Einführung der Schutzmaßnahmen in der zwölften Kalenderwoche zurückgegangen: und zwar um zirka ein Viertel gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres, wenn man die Verstöße gegen das Infektionsschutzgesetz unberücksichtigt lässt.

Dabei betrifft der Rückgang der Kriminalität fast alle Phänomenbereiche, wenn auch in unterschiedlichem Maße.

Intensiver hat sich das LKA jene Deliktsbereiche angeschaut, bei denen zu erwarten war, dass es angesichts der mit den Schutzmaßnahmen verbundenen Beschränkungen zu relevanten Veränderungen kommt.

So haben Diebstahlsdelikte seit Einführung der Schutzmaßnahmen kontinuierlich abgenommen: insgesamt um mehr als ein Drittel. 

Insbesondere Wohnungseinbrüche und Diebstähle von Kraftwagen sind rückläufig. Dafür gibt es zwei Ursachen: Erstens halten sich die Menschen mehr als sonst üblich in ihren Wohnungen bzw. in ihrem unmittelbaren Wohnumfeld auf. Zweitens ist es derzeit schwieriger, Diebesgut wegzuschaffen, sowohl im Land als auch außer Landes.

Hohe Dunkelziffer bei häuslicher Gewalt vermutet

Seit Beginn der Corona-regeln gibt es weniger Wohnungseinbrüche, allerdings bleiben auch mehr Menschen zu Hause.
Seit Beginn der Corona-regeln gibt es weniger Wohnungseinbrüche, allerdings bleiben auch mehr Menschen zu Hause.  © picture alliance / dpa

Auch Diebstähle aus Dienst-, Büro-, Fabrikations-, Werkstatt- und Lagerräumen werden derzeit weniger häufig angezeigt. Ebenfalls zurückgegangen sind Körperverletzungsdelikte, wenn auch weniger deutlich: seit Beginn der Beschränkungen um rund 17 Prozent.

Entgegen der vielfach geäußerten Befürchtung, dass es aufgrund der verordneten Kontakt- bzw. Ausgangssperren zu mehr häuslicher Gewalt kommen wird, nahmen die Zahlen auch in diesem Bereich bisher ab - und zwar um rund 40 Prozent.

Aber: Häusliche Gewalt wird oft nicht durch die Opfer, sondern durch Dritte, wie Freunde, Kollegen, Lehrer, angezeigt. 

Der Zugang zu solchen wichtigen Bezugspersonen ist derzeit eingeschränkt, so dass von einem erhöhten Dunkelfeld auszugehen ist. Das muss bei der Bewertung der Zahlen zur häuslichen Gewalt beachtet werden.

Nicht eingeschränkt sind die vielen anderen Hilfsangebote, zum Beispiel der sächsischen Polizei, des Weißen Rings, der Frauenhäuser oder der Seelsorge.

Mehr Betrugsdelikte

Bei den Betrugsdelikten ist ein Anstieg um rund zehn Prozent zu verzeichnen. Das hat aber weniger mit der Corona-Krise zu tun, sondern gehe vielmehr auf eine statistische Anpassung zurück, heißt es in einer Presseerklärung des Sächsischen Staatsministerium des Innern.

So werden seit dem 1. Januar 2020 auch Auslandsstraftaten sowie Delikte mit unbekanntem Tatort erfasst, sofern der strafrechtliche Erfolg der Tat in Deutschland eintritt.

Straftaten mit angeblichen Amtspersonen, wie etwa falschen Polizisten, wurden bisher nur in wenigen Einzelfällen bekannt. Dabei verschafften sich die Täter unter Bezugnahme auf das Thema "Corona" entweder Zugang zu Wohnungen, um dort Geld oder Wertgegenstände zu entwenden oder sie kontrollierten Ausweise, um Bußgelder zu kassieren oder Personen des Ortes zu verweisen.

Straftaten mit dem Tatmittel Internet sind seit Einführung der Schutzmaßnahmen auch zurückgegangen – und zwar um fast ein Drittel.

Die Straftaten nach dem Infektionsschutzgesetz sind infolge der Schutzmaßnahmen zunächst angestiegen. Seit Ende März 2020 gehen sie wieder zurück.

Titelfoto: Robert Michael/dpa, Steffen Füssel

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