Wo bleibt die Unterstützung? Sachsens Zoo-Chefs fühlen sich alleingelassen

Dresden - Ende März erreichte die Bundesregierung der Hilferuf des Verbandes der Zoologischen Gärten (VdZ) mit der Bitte um Soforthilfe für die Tierparks im Land. In anderen Bundesländern wurde teilweise reagiert. In Sachsen fühlen sich Zoo-Chefs alleingelassen. 

Das Känguru samt Nachwuchs wartet im Tierpark Weißwasser auf Besucher.
Das Känguru samt Nachwuchs wartet im Tierpark Weißwasser auf Besucher.  © Gert Emmrich

Die Lage droht sich zuzuspitzen. Sven Hammer (51), Direktor des Tierparks in Görlitz, ist verzweifelt. 150. 000 Euro fehlen ihm mittlerweile. Die 600 Tiere müssen trotzdem versorgt werden, Kurzarbeit ist deshalb bei den 40 Mitarbeitern nur bedingt möglich. 

Hammer hatte sich von dem Hilferuf mehr erhofft: "Wir haben von niemandem etwas gehört." Nächste Woche soll, so sagt er, ein Schreiben an die Landesregierung gehen.

Auch der Tierpark in Weißwasser mit rund 500 Tieren kämpft. Chef Gert Emmrich (59) hatte gehofft, wenigstens wieder Besucher empfangen zu dürfen: "Ich bin enttäuscht, dass wir nicht öffnen dürfen." 

Eine Hoffnung auch für den Tierpark in Hirschfeld, dem schon 30. 000 Besucher fehlen: "Auch mit beschränkter Besucherzahl wäre das machbar", so Leiter Mario Ritter (48).

Besonders bitter für Sachsens Tierpark-Verantwortliche: Woanders läuft es. In Rheinland-Pfalz gibt es jetzt Hilfe vom Land. In Mecklenburg-Vorpommern sind die meisten Tierparks wieder geöffnet. 

Der VdZ-Vorsitzende und Zoodirektor in Leipzig, Jörg Junhold (56): "Ich hoffe sehr und gehe davon aus, dass der Freistaat Sachsen die sächsischen Zoos nicht mit diesen Einbußen alleinelässt, sondern analog zu den anderen Bundesländern faire Lösungen findet." 

Anja Renner aus dem Wirtschaftsministerium verweist auf die laufenden Programme: "Prinzipiell können Zoos in privatrechtlicher Rechtsform den Zuschuss des Bundes sowie das Soforthilfe-Darlehen 'Sachsen hilft sofort' in Anspruch nehmen." 

VdZ-Vorsitzender und Zoodirektor in Leipzig, Jörg Junhold (56), kämpft um faire Hilfe für Tierparks in Sachsen.
VdZ-Vorsitzender und Zoodirektor in Leipzig, Jörg Junhold (56), kämpft um faire Hilfe für Tierparks in Sachsen.  © dpa/Jan Woitas
Sven Hammer (51), Direktor des Görlitzer Tierparks, hatte sich mehr Hilfe vom Freistaat erhofft.
Sven Hammer (51), Direktor des Görlitzer Tierparks, hatte sich mehr Hilfe vom Freistaat erhofft.  © Danilo Dittrich

Der Haken: Den Zuschuss gibt es für Betriebe bis zehn Mitarbeiter, das Darlehen muss zu mindestens 90 Prozent zurückgezahlt werden. Ministerpräsident Michael Kretschmer (44) sagte gestern, dass die Zoos möglicherweise ab 4. Mai wieder öffnen dürfen.

Titelfoto: Danilo Dittrich

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