Bronze-Garant statt Karriere-Ende: Thüringer Biathlet erlebt seinen Traumtag

Antholz - Ohne zwei Olympia-Starter ist die deutsche Männer-Staffel beim Biathlon-Weltcup in Antholz überraschend auf Platz drei gelandet. Auch dank einer starken Leistung von Lucas Fratzscher (27). Dabei wollte der Skijäger vom WSV Oberhof dem Sport doch längst "au revoir" sagen.

Beschert dem deutschen Team Bronze: Der Thüringer Biathlet Lucas Fratzscher (27).
Beschert dem deutschen Team Bronze: Der Thüringer Biathlet Lucas Fratzscher (27).  © Matthias Schrader/AP/dpa

Mit einer starken Leistung machte Schlussläufer Lucas Fratzscher den Traumtag der deutschen Biathleten in Antholz perfekt. Dabei hätte der 27-Jährige dem deutschen Team um ein Haar sogar Silber beschert.

Nachdem er auch im Stehendanschlag - trotz eines Nachladers - die Nerven behielt, präsentierte sich der in Schleusingen (Landkreis Hildburghausen) aufgewachsene Fratzscher in der Loipe ebenfalls bärenstark.

Der für Frankreich startende Éric Perrot (20) konnte dem Thüringer nichts mehr entgegensetzen, Fratzscher erkämpfte sich Platz zwei. Doch gegen den Russen Latypov (27), der am Ende förmlich wie ein Magnet von der Ziellinie angezogen wurde, war am Ende kein Kraut gewachsen: Russland auf zwei, Deutschland auf drei!

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Unter dem Strich bleibt das Ergebnis dennoch ein richtig gutes. Eines mit dem vor dem Rennen wohl nicht einmal die größten Optimisten gerechnet hätten. Immerhin waren die Olympia-Starter Erik Lesser (33) und Philipp Nawrath (28) sowie Benedikt Doll (31) und Johannes Kühn (30) gar nicht dabei.

Aber offensichtlich geht es auch ohne sie! Dafür mit den Rees', Horns, Zobels und Fratzschers dieser Welt.

Der Gedanke ans Karriereende!

David Zobel (25, links) gibt ab auf Deutschlands nervenstarken Schlussläufer Lucas Fratzscher (27) vom WSV Oberhof.
David Zobel (25, links) gibt ab auf Deutschlands nervenstarken Schlussläufer Lucas Fratzscher (27) vom WSV Oberhof.  © Matthias Schrader/AP/dpa

Dabei wollte Letztgenannter Gewehr und Skier doch schon längst an den berühmten Biathlon-Nagel hängen. In einem gemeinsamen Podcast mit seinem Bruder Fabian sagte er dieser Tage: "Ich hatte auch schonmal den Gedanken, in einer Saison, mal mit Sport aufzuhören. Aber hab' mich zum Glück dagegen entschieden." Eine Aussage, die an diesem Sonntag treffender wohl kaum sein könnte!

Weil ihm der Sport jedoch "sehr viel Spaß" mache, sei er dran geblieben, hat sich gegen ein vorzeitiges Ende entschieden. Und solche Tage wie dieser Sonntag im Januar 2022 dürften für den bislang größtenteils in der zweiten Liga startenden Fratzscher, der in der jüngsten Vergangenheit immer mal wieder im Weltcup anklopfen konnte, besonders viel Spaß machen.

In der Podcast-Folge "Perspektiven auf Arbeit - Höchstleistung im Arbeitsleben" unterhalten sich die beiden Brüder über Motivation und Leistung. Lucas aus seiner Perspektive, dem Leistungssport. Fabian aus der Sicht eines selbstständigen Unternehmensberaters.

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Besonders spannend wird es an der Stelle, als Lucas, der Leistungssportler, der sich mit der Ausübung seines Sport nach eigenen Angaben selbst verwirklicht, seinen Bruder fragt, ob es ihm bei seiner Arbeit nur um die Sicherung des Lebensunterhalts geht oder ob es auch eine Art von Selbstverwirklichung sei.

Die komplette Folge gibt es unter anderem auf fratzscher-facilitation zu hören.

Titelfoto: Matthias Schrader/AP/dpa

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