Jesus statt Gangster-Sprache: Thüringer Priester rappt mit Gottes Segen

Erfurt - Jean-François Uwimana hat eine Mission: Der Priester aus Afrika, der in Thüringen predigt, will den Glauben lehren. Aber nicht komplett Oldschool, nein, er rappt auch!

Musik und Glaube: Das ist vor allem für viele junge Menschen wenig bis gar nicht attraktiv. Priester Jean-François Uwimana will das Gegenteil beweisen.
Musik und Glaube: Das ist vor allem für viele junge Menschen wenig bis gar nicht attraktiv. Priester Jean-François Uwimana will das Gegenteil beweisen.  © Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dpa

Es gibt Rapper, die fallen in ihren Videos zu dickem Beat auf die Knie und beten. Sie danken Gott. Tracks im Deutschrap, die "Heiligtum" heißen und in denen Worte wie "pilgern" und "beten" vorkommen. Und dann gibt es Menschen, die pilgern und beten - hauptberuflich.

Die singen Lieder, in denen Gott gelobt wird und man für diesen guten Morgen dankt. Bevorzugt sonntags in der Kirche. Aber ein rappender Priester? Das ist durchaus ein Mix dieser Welten, der für Gesprächsstoff sorgt.

Jean-François Uwimana ist so einer. Der Priester, der aktuell in Arnstadt und Weimar sonntags hinter einem Altar steht und die Messe feiert, ist in seiner Heimat Ruanda als rappender Priester bekannt geworden. Das sorgte für viel Aufregung - in der Kirche, aber auch der Gesellschaft. Dabei ist seine Absicht eine löbliche.

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"Wenn ich sonntags aus der Kirche kam, dann saßen dort die Jugendlichen, hörten Musik und tanzten", erzählt der 34-Jährige. Die Beats waren eingängig, die Laune gut. Es wurde getanzt.

Doch dem Father bluteten die Ohren. "In den Songs ging es um Drogen, um Sex. Um Gewalt. Ich fragte die Kinder: Wie könnt ihr nach dem Gottesdienst solche Lieder hören?"

Jesus hin oder her: Das darf auch bei Priester Uwimana nicht fehlen!

Für die Zukunft kann sich Priester Uwimana auch vorstellen, das Evangelium auf Deutsch zu rappen.
Für die Zukunft kann sich Priester Uwimana auch vorstellen, das Evangelium auf Deutsch zu rappen.  © Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dpa

Die Rückmeldungen waren simpel und für Uwimana nachvollziehbar. Die Lieder in der Kirche seien eher zum Meditieren geeignet; für die Freizeit wolle man aber ein bisschen mehr Spaß.

Der musikalisch begabte und mit Mitte 20 noch recht junge Gottesmann versteht das Problem und macht sich an eine Lösung. Seine Idee: dicke Bässe - aber christliche Wörter. Anders als im Track "Heiligtum" des Deutschrappers Fler, in dem Rapper "für die Realness" beten und es etwa um Sexpraktiken geht, ist die Basis der Musik Uwimanas das Evangelium. Heißt sein Song "Beten", geht es auch ums Beten. Und um Jesus Christus.

Die obligatorische Sonnenbrille und das breitbeinige Posieren darf aber auch in seinen Videos nicht fehlen. Allerdings wird unter anderem in der Kirche gedreht und es gibt wenig bis keine nackte Haut.

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Statt einer goldenen Halskette und Tattoos präsentiert Uwimana, der mittlerweile in Erfurt seine Promotion in Pastoraltheologie vorbereitet, den steifen Stehkragen namens Kollar - und aktuell den Schnee im Thüringer Wald. Und mit Schnee ist in diesem Fall kein Crack, sondern wirklich Schnee gemeint.

Mehrsprachig im Fernsehen gespielt

Doch es gibt auch Menschen, die weiterhin denken, dass Rap und Glaube nicht zu kombinieren sind; dass Rap unabdingbar mit Gangsta-Lyrics einhergeht. Rapper Haftbefehl soll in einem Interview mal gesagt haben: "Wenn ich anfangen würde, den Glauben zu praktizieren, müsste ich definitiv mit der Musik aufhören. Das steht zu 100 Prozent fest."

Dass die Texte und Kompositionen des rappenden Priesters auf Kinjaruanda, Französisch, Englisch und Suaheli in Ruanda im Fernsehen gespielt werden und ihn auf Bühnen in Ruanda, Belgien, Kanada und Deutschland gebracht haben, sieht er als Beweis dafür, dass seine Rechnung aufgeht und die Musik, die er "Modern Gospel" nennt, bei den Menschen ankommt.

"Ich möchte nicht sagen, dass man vom Klassischen weggehen muss", sagt Uwimana. Doch ein bisschen Mut für etwas Neues schade der katholischen Kirche sicher nicht. Direkt nach dem ersten Song sei ihm klargemacht worden, dass er "so" kein Papst werde. Doch das ist auch nicht sein Ziel.

Er will die Kirche zu einem Ort machen, an dem man Freude und Freunde hat. Musik ist für ihn der Weg dahin.

Titelfoto: Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dpa

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