Krebs wird vernachlässigt: Zweistelliger Rückgang bei Früherkennung im ersten Lockdown

Erfurt - In Thüringen ist die Zahl der in Anspruch genommenen Krebsfrüherkennungen nach Angaben der Krankenkasse Barmer in der ersten Phase der Corona-Pandemie spürbar zurückgegangen.

Eine Medizinische Tastuntersucherin (MTU) untersucht die Brust einer Patientin. In Thüringen ist wegen des ersten Lockdowns die Zahl an Früherkennungsuntersuchungen gesunken. (Archivbild)
Eine Medizinische Tastuntersucherin (MTU) untersucht die Brust einer Patientin. In Thüringen ist wegen des ersten Lockdowns die Zahl an Früherkennungsuntersuchungen gesunken. (Archivbild)  © Caroline Seidel/dpa

Der Rückgang im Vergleich zu 2019 fiel je nach Krebsart unterschiedlich stark aus, wie die Kasse am Dienstag mit Blick auf den anstehenden Weltkrebstag am 4. Februar mitteilte.

So sei die Zahl der gesetzlich versicherten Thüringer, die die Darmkrebsfrüherkennung per Stuhlprobe nutzten, im zweiten Quartal - also im ersten Lockdown - um bis zu 40 Prozent im Vorjahresvergleich zurückgegangen.

Bei Darmspiegelungen sank die Zahl der Untersuchungen um 12 Prozent. Auf ähnlichem Niveau bewegte sich der Rückgang bei der Hautkrebsfrüherkennung, höher fiel er bei der jährlichen Früherkennung bei Frauenärzten aus.

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Während diese im zweiten Quartal 2019 noch 103.400 Thüringerinnen genutzt hatten, waren es im zweiten Quartal 2020 nur noch 87.400 Frauen, ein Minus von 15 Prozent. Die Rate bei den Checks zur Früherkennung von Prostatakrebs ging im gleichen Zeitraum um rund 17 Prozent zurück.

Zahlen für das Gesamtjahr liegen noch nicht vor.

Angst vor dem Virus

Als Gründe für den Rückgang nannte die Krankenkasse einerseits Ängste und Zurückhaltung bei Patienten aus Furcht vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus.

Andererseits spielten auch eine Zurückhaltung bei Ärzten und zeitweise etwa wegen Quarantäne geschlossene oder eingeschränkt geöffnete Arztpraxen eine Rolle.

Zudem seien die flächendeckenden Röntgenreihenuntersuchungen zur Brustkrebsfrüherkennung zeitweilig ausgesetzt gewesen. Barmer-Landeschefin Birgit Dziuk bezeichnete den Rückgang als "lebensgefährliches Zögern".

Auch die Thüringische Krebsgesellschaft appelliert wegen des Risikos verschleppter Krebsdiagnosen, Früherkennungsuntersuchungen auch in der Pandemie in Anspruch zu nehmen.

Titelfoto: Caroline Seidel/dpa

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