Wegen Kriegs-Aufklärung: 10.000 russische Follower entfolgen Biathlet Erik Lesser

Kontiolahti - Der Thüringer Biathlet Erik Lesser (33) nutzt seine Reichweite auf Instagram, um über den Ukraine-Krieg berichten zu lassen. Das kommt bei seiner russischen Anhängerschaft nicht ganz so gut an. Nach nur einem Tag haben den Lesser-Kanal Tausende verlassen.

Nachdem Erik Lesser (33) seinen Instagram-Kanal der ukrainischen Biathletin Anastassija Merkuschyna (27) für 24 Stunden zur Verfügung gestellt hatte, hat nach Lessers Angaben bereits ein Drittel der russischen User seinen Kanal verlassen.
Nachdem Erik Lesser (33) seinen Instagram-Kanal der ukrainischen Biathletin Anastassija Merkuschyna (27) für 24 Stunden zur Verfügung gestellt hatte, hat nach Lessers Angaben bereits ein Drittel der russischen User seinen Kanal verlassen.  © Sven Hoppe/dpa

"Privet, my friends! Kak dela? Khorosho? But not the people in the Ukraine!", sagt Erik Lesser am Sonntagvormittag - vor der Weltcup-Verfolgung im finnischen Kontiolahti - in einem Video in seiner Instagram-Story und dürfte sich dabei wohl insbesondere an seine russischen Follower richten.

Auf Deutsch heißt das so viel wie: "Hallo, meine Freunde! Wie geht's? Gut? Aber nicht den Menschen in der Ukraine!"

Anschließend bedankt er sich auf Englisch bei der ukrainischen Biathletin Anastassija Merkuschyna (27). Die hatte für 24 Stunden den Instagram-Kanal des 33-Jährigen übernommen und Fotos sowie wie Videoaufnahmen vom Krieg und dem Leid der Menschen in der Ukraine geteilt und kommentiert.

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Rückblende: Am Samstag dürfte der eine oder andere wohl ziemlich verdutzt gewesen sein. Was geht denn auf dem Instagram-Kanal von Erik Lesser ab?

Trümmer-Kulisse, ein brennender Panzer, eng zusammengepferchte Menschen - dazu Beiträge in einem völlig anderen Schriftsystem. Ist der Thüringer Skijäger etwa gehackt worden?

Doch, wer genau hinsah, der fand in den Posts bereits eine Erklärung für all das Ganze. Der Biathlet stellte seinen Kanal der ukrainischen Biathletin Anastassija Merkuschyna, um die Wahrheit über den Krieg in der Ukraine zu zeigen, zur Verfügung.

Lesser: "Ihr seid der stille Widerstand"

Wendet sich am Sonntag direkt an seine verbliebenen russischen Fans: Biathlet Erik Lesser (33). (Montage)
Wendet sich am Sonntag direkt an seine verbliebenen russischen Fans: Biathlet Erik Lesser (33). (Montage)  © Instagram/Erik Lesser/Screenshots

Noch am selben Tag gab es von Lesser die offizielle Erklärung im ZDF. Er habe sich angesichts des Krieges viele Gedanken gemacht, was er "persönlich" machen könne, um zu helfen - neben all dem Sachen-Zusammenpacken, "Medikamente, Windeln, Hygieneartikel", so Lesser.

"Ich habe festgestellt, ich habe 30.000 Follower aus Russland auf Instagram, und ich glaube, der russischen Bevölkerung ist nicht ganz klar, was wirklich in der Ukraine abgeht." Wenn er nun aber "irgendwas" poste: "das glaubt mir doch kein Mensch"!

Anders, wenn er beispielsweise eine ukrainische Athletin dazu bewege, seinen Instagram-Kanal für 24 Stunden zu übernehmen, "dann ist das doch, glaube ich, was ganz Ordentliches". Seine "Intention" sei es, seine Reichweite zu nutzen und dass in Russland mehr Leute "wirkliche Nachrichten" erhalten.

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Doch das scheint nicht bei all seinen russischen Followern gut anzukommen! Wie der Thüringer am Sonntag in seiner Story mitteilte, hätte inzwischen bereits ein Drittel seiner russischen Anhängerschaft "Bye Bye" gesagt.

Für die verbliebenen russischen Follower hat er auf Englisch folgende Botschaft parat: "Ihr seid noch hier. Ihr könnt die Mehrheit sein. Ihr seid der stille Widerstand. Versucht euer Bestes, um gehört zu werden."

Lesser teilte weiterhin mit, er hoffe, dass er noch andere Athleten finde, die bereit sind, die "wahre Wirklichkeit" in der Ukraine zu zeigen, dass der Krieg schnellstmöglich endet und die russischen Truppen dahin zurückkehren, "wo sie hingehören" - nach Russland.

Titelfoto: Sven Hoppe/dpa

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