Corona-Proteste in Gera: Steckt ein Neonazi hinter den Aktionen?

Gera - Die Stadt Gera zählt in Thüringen seit Wochen zu den Hotspots in Sachen Corona-Demos. Am Dienstag demonstrierten erneut über tausend Menschen gegen die Maßnahmen. Der Aufzug führte auch am Privathaus von Geras Oberbürgermeister Julian Vonarb (49, parteilos) vorbei. Folgt an diesem Mittwoch bereits der nächste Aufmarsch?

Woche für Woche demonstrieren Corona-Kritiker gegen die Maßnahmen. Am Dienstag waren es laut Polizeiangaben circa 1200 Menschen.
Woche für Woche demonstrieren Corona-Kritiker gegen die Maßnahmen. Am Dienstag waren es laut Polizeiangaben circa 1200 Menschen.  © Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dpa

"Friedliche Spaziergänger?", fragt Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (65, Linke) und leitet damit einen von ihm abgesetzten Tweet ein. Politisch Verantwortliche zu Hause aufzusuchen sei nichts anderes als "Einschüchterung", schreibt er. "Es kann sich keiner rausreden und behaupten, man habe sich ja nur 'verlaufen'."

Dabei teilt er den Beitrag eines anderen Twitter-Nutzers, der sich auf seinem Kanal als Antifaschist bekennt. In dem Beitrag ist ein Chatverlauf - offensichtlich auf Facebook - zu erkennen, in dem indirekt zu einem Aufmarsch vor dem Haus von Geras Oberbürgermeister Julian Vonarb aufgerufen wird.

Auch ein Video, welches das gestrige Protest-Geschehen dokumentieren soll, ist zu sehen. Zu Beginn der Aufnahme ist eine Frauenstimme zu hören: "So, es geht jetzt Richtung Bürgermeister. Wir wollen dem Herrn Vonarb einen Besuch abstatten".

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Augenblicke später folgen - so weit herauszuhören - "Vonarb muss weg"-Rufe, die von "Buh"-Rufen begleitet werden. In dem Video, das von einem anderen Twitter-Nutzer geteilt wurde, ist zu sehen, wie ein Haus immer wieder, vermutlich mit Taschenlampen, angestrahlt wird.

Der User, dessen Beitrag von Thüringens Ministerpräsident geteilt wurde, teilt ebenso einen Tweet. Und zwar von einem Kanal, der nach eigenen Angaben "Insider-Einblicke" in Querdenker-Gruppen über den Messenger-Dienst "Telegram" liefert.

Dankesworte an den mutmaßlichen Drahtzieher der Aufmärsche?

Der Kanal "QuerLeaks" hat diverse Chatverläufe einer Gruppe namens "Spaziergang GERA" veröffentlicht. Auch Sprachnachrichten aus den Verläufen sind dabei abrufbar. Unter anderem von einer Person, die von "QuerLeaks" als Neonazi bezeichnet wird.

In einem Chatverlauf bedankt man sich bei der Person. "Ich finde es stark und berührt mich sehr, was durch die Montagsspaziergänge bis dato in Gera bewirkt wurde! Wir sind die mit Abstand größte Bewegung im Freistaat. Das habt Ihr auf dem Weg gebracht!" (Rechtschreibung übernommen). "QuerLeaks" hat in seinen Beiträgen auch mehrmals die Polizei Thüringen verlinkt.

An diesem Mittwoch soll es bereits zur nächsten Demo in Gera kommen. Der User, dessen Beitrag von Ramelow geteilt wurde, hat am Mittwochmittag ein Plakat geteilt, auf dem eine Versammlung angekündigt wird. Um 17.30 Uhr am Kultur- und Kongresszentrum soll es losgehen.

Die Polizei Thüringen und Innenminister Georg Maier (54, SPD) sind verlinkt.

Titelfoto: Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dpa

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