Flüchtlings-Welle in Thüringen: Die Hilfsbereitschaft ist groß, der Kontrollverlust auch?

Pößneck - Seit drei Wochen nun schon tobt Putins Krieg in der Ukraine. Häuser werden zerstört, Zivilisten getötet - viele ergreifen die Flucht. Ein Teil dieser Menschen landet in Thüringen. Die Hilfsbereitschaft hierzulande ist groß - die Kritik aber auch.

In der Rosentalhalle Pößneck haben zahlreiche Helfer der Johanniter-Unfall-Hilfe sowie der Feuerwehr Pößneck ab dem späten Mittwochnachmittag eine Zeltstadt errichtet.
In der Rosentalhalle Pößneck haben zahlreiche Helfer der Johanniter-Unfall-Hilfe sowie der Feuerwehr Pößneck ab dem späten Mittwochnachmittag eine Zeltstadt errichtet.  © NEWS5/Fricke

Wenn man Uwe Tiersch so reden hört und ihm dabei in die Augen schaut, dann besteht kein Zweifel daran, dass dieser Mensch gerne hilft und es nicht als Last empfindet. Der Kreisbrandinspektor im Saale-Orla-Kreis strotzt förmlich vor Zuversicht und Tatkraft.

Man wisse gar nicht genau, wie viele Flüchtlinge kämen und wann genau, sagt er, während um ihn herum die Arbeiten weitergehen. Die Rosentalhalle in Pößneck wird nämlich in eine kleine Zeltstadt verwandelt.

Die Bereitschaft zu helfen ist groß im Freistaat. Auch im rund 26 Kilometer Luftlinie entfernten Jena. Hier sind nach Angaben der Stadt bis Mittwoch schon 700 Flüchtlinge angekommen. Alle aktuell verfügbaren Gemeinschaftseinrichtungen sind den Angaben zufolge komplett belegt, darunter auch das Schullandheim "Stern".

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"Als erste Zwischenlösung wurden daher erste Turnhallen vom Netz genommen und diese durch das Team der Kommunalen Immobilien Jena und mithilfe der Feuerwehr als Notunterkünfte vorbereitet", heißt es in einer Mitteilung vom Mittwoch.

Ende dieser Woche stünden dann circa 30 Plätze in einer Turnhalle zur Verfügung. Zudem sollen zwei weitere Turnhallen für etwa 100 Menschen ebenfalls "kurzfristige" Möglichkeiten der Unterbringung bieten.

Vonarb: "Thüringen läuft Gefahr, die Kontrolle zu verlieren"

Das Thema Flüchtlings-Aufnahme in Thüringen beunruhigt Geras Oberbürgermeister Julian Vonarb (50, parteilos). (Archivbild)
Das Thema Flüchtlings-Aufnahme in Thüringen beunruhigt Geras Oberbürgermeister Julian Vonarb (50, parteilos). (Archivbild)  © Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dpa

Doch mitten in diese Hilfsbereitschaft hinein mahnt Jenas Oberbürgermeister Thomas Nitzsche (46, FDP). "Wir wollen den Ankommenden in Jena eine Bleibe in Sicherheit bieten. Wir müssen als Stadt aber auch realistisch mit den vor Ort nur begrenzt verfügbaren Kapazitäten umgehen", wird er in einer Mitteilung der Stadt zitiert.

Das Land Thüringen müsse dringend handeln, betont Jenas Stadtoberhaupt. "Die Kommunen dürfen bei der Bewältigung der immensen Unterbringungsaufgabe nicht allein gelassen werden", so Nitzsche.

Zuvor mahnte bereits Geras Oberbürgermeister Julian Vonarb (50, parteilos): "Thüringen läuft Gefahr, die Kontrolle zu verlieren, wenn die Kommunen allein gelassen werden", sagte er laut einer Mitteilung der Stadt.

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Vom Land brauche es "klare Vorgaben" zu Führungsrollen, Prozessen und Verteilschlüsseln, damit man den Geflüchteten "geordnet" Zuflucht bieten könne, so Vonarb weiter.

Auf Landesebene fehlt nach Angaben des Oberbürgermeisters jedoch "jeglicher Austausch". "Das beunruhigt mich, denn wir stoßen an unsere Grenzen", betonte er.

Doch auch, wenn die Sorgen groß sind, packen die Menschen weiterhin tatkräftig an - so wie am Mittwoch in Pößneck.

Titelfoto: NEWS5/Fricke

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