Shitstorms für Ministerpräsident Ramelow: "Geschichten vom fremden Stern"

Erfurt - Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow äußert sich erneut zu Hasskommentaren gegen ihn im Netz und schießt dabei auch gegen die Thüringer FDP.

Hat Redebedarf: Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (65) äußert sich erneut zu den Hasskommentaren im Netz.
Hat Redebedarf: Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (65) äußert sich erneut zu den Hasskommentaren im Netz.  © Martin Schutt/dpa-Zentralbild

Wenn es um die Nutzung sozialer Medien geht, dann ist Bodo Ramelow (65) ganz vorn dabei. Wie kaum ein anderer deutscher Politiker ist der Thüringer Ministerpräsident auch virtuell präsent, sucht den Austausch mit den Bürgern. Dass er dabei nicht selten polarisiert, liegt wohl in der Natur der Sache.

Vor allem bei so kontroversen Themen wie der Corona-Pandemie gehen die Meinungen stark auseinander. Und damit auch auf den Facebook- und Twitter-Seiten des Linke-Politikers.

Dass einige Beiträge des Social-Media-Volkes nicht selten ein Niveau unter der Gürtellinie erreichen, er dabei in der Regel als "Lügner" bezeichnet und dargestellt wird, damit dürfte Ramelow als "alter" Social-Media-Hase inzwischen sicherlich umgehen können.

Doch in den vergangenen Tagen erntete der 65-Jährige einen wahren Shitstorm. Vorausgegangen war dessen dritte Corona-Impfung, die er vor Kurzem demonstrativ auf Twitter postete. Nach eigenen Angaben erhielt Ramelow daraufhin 1200 Hasskommentare.

Mit seiner Aussage, dass Ungeimpfte wegen der sich füllenden Intensivstationen schon bald nicht mehr in Thüringen behandelt werden könnten, flammte der Shitstorm neu auf.

Die Thüringer Linke kontert: "Maßstäbe verrutscht"

FDP-Landeschef Thomas Kemmerich (56) fordert Ministerpräsident Bodo Ramelow dazu auf, sich bei den Menschen in Thüringen zu entschuldigen.
FDP-Landeschef Thomas Kemmerich (56) fordert Ministerpräsident Bodo Ramelow dazu auf, sich bei den Menschen in Thüringen zu entschuldigen.  © Martin Schutt/dpa-Zentralbild

Inzwischen hat Thüringens Ministerpräsident zahlreiche Hass-Kommentare gelöscht. Doch das Thema lässt den 65-Jährigen auch in der neuen Woche nicht los. Am Dienstag postete er den Link eines offensichtlich selbstverfassten Beitrages mit dem Titel News, Fake News, Geschichten vom fremden Stern. Darin schreibt er: "[A]n der Wirklichkeit sind diejenigen, die mich im Netz und per Mail mit Hass übergiessen, nicht im Geringsten interessiert – selbst dann nicht, wenn man ihnen ungefiltert den Wortlaut des besagten Interviews noch einmal zugänglich macht oder in anderen Interviews [...] wieder und wieder erläutert, um was es geht." [Rechtschreibung entspricht dem Original, Anm. d. Red.]

Den Hass im Netz nehme er inzwischen so hin, schreibt er. "Was mich dann aber doch nicht ganz kalt lässt, ist die Tatsache, dass nun die Thüringer FDP auf einen fahrenden Hysterie-Zug aufspringt und mich auffordert, mich für meine Aussage, wir steckten mittlerweile in einer Pandemie der Ungeimpften, zu entschuldigen", so Ramelow weiter.

Aber die Maßstäbe der Thüringer FDP seien ja nicht erst gestern "verrutscht", heißt es in dem Beitrag abschließend. Zuletzt hatte Thüringens FDP-Landeschef Thomas Kemmerich (56) Ramelow dazu aufgefordert, sich bei den Menschen zu entschuldigen und sie in aller Form um Verzeihung zu bitten. In einer Mitteilung der Freien Demokraten wurde Ramelow zudem als "Spalter" bezeichnet.

Titelfoto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild

Mehr zum Thema Erfurt: