Zu wenig Priester: Jetzt soll ein Familienvater eine Thüringer Gemeinde leiten

Erfurt - Das Bistum Erfurt gibt die Gemeindeleitung einer Pfarrei in die Hände eines Pfarrbeauftragten. Genauer gesagt in die Hände eines verheirateten Mannes, der vier Kinder hat.

Ab September ist die katholische Pfarrei Sankt Josef in Erfurt die erste im Bistum, die nicht von einem Priester geleitet wird. (Symbolbild)
Ab September ist die katholische Pfarrei Sankt Josef in Erfurt die erste im Bistum, die nicht von einem Priester geleitet wird. (Symbolbild)  © 123rf/utnapistims

Wie das Bistum am Sonntag mitteilte, ist die katholische Pfarrei Sankt Josef in Erfurt damit ab September die erste im Bistum, die nicht von einem Priester geleitet wird.

Die Gemeindeleitung werde der bisherige Leiter eines Zentrums für offene Kinder- und Jugendarbeit im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt, Mathias Kugler, übernehmen. Kugler ist verheiratet und Vater von vier Kindern. Er wird Nachfolger von Pfarrer Wolfgang Schönefeld, der inzwischen im Ruhestand ist.

"Sollte sich das neue Konzept durchsetzen, böte die Stelle eines Pfarrbeauftragten nicht nur Männern, sondern auch Frauen die Möglichkeit, in leitender Funktion in der Gemeindeseelsorge zu wirken", teilte das Bistum mit.

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Bischof Neymeyr sieht im neuen Modell mehr Chancen als Risiken. "Es ist vielleicht noch nicht die Lösung schlechthin, aber wir versuchen es erst einmal", sagte er.

Mit Schönefelds Ausscheiden aus dem aktiven Dienst gibt es laut Bistum schlicht nicht mehr genug Priester, um alle 33 Pfarrerstellen zu besetzen.

Diese Aufgaben darf er nicht allein übernehmen!

Da die Zahl von aktuell sechs Priesterkandidaten keine Trendwende erkennen lasse, sieht Neymeyr für Sankt Josef keine andere Möglichkeit, als neue Wege zu beschreiten. "Wir haben uns umgesehen, wie andere Bistümer mit der immer kleiner werdenden Priesterschaft umgehen, und lehnen unsere Lösung für Sankt Josef an ein Modell des Bistums Osnabrück an", sagte der Bischof.

Das Bistum Osnabrück gab bereits 2014 bekannt, aus Priestermangel Ehrenamtliche an der Leitung von Kirchengemeinden beteiligen zu wollen. Vergleichbare Vorhaben gab es auch in anderen Diözesen, etwa in Hildesheim oder Magdeburg.

Kugler wurde 2019 zum Diakon geweiht und darf als solcher auch taufen und bei kirchlichen Eheschließungen assistieren. Doch die Leitung einer heiligen Messe und die Spendung von Sakramenten setzt die Priesterweihe voraus. Darum werde dem zukünftigen Gemeindeleiter laut Bistum ein sogenannter geistlicher Koordinator zur Seite gestellt.

Zum Bistum Erfurt gehören aktuell 60 Priester im aktiven Dienst, von denen 50 in einer Kirchengemeinde arbeiten, 33 davon als leitende Pfarrer. Die anderen zehn Priester sind etwa als Krankenhaus-, Polizei- oder Schulseelsorger tätig.

Titelfoto: 123rf/utnapistims

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