Bauarbeiter werkeln an Gasleitung und machen bahnbrechende Entdeckung

Wiesbaden - Was haben ein Bauarbeiter und ein Archäologe gemeinsam? Nein, das wird keine Einleitung für einen eingestaubten Gassenhauer! In der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden haben sich Angestellte des Energieversorgers ESWE Versorgung tatsächlich - wenn auch unbewusst - auf die Spuren der Altertumswissenschaftler begeben. 

Fotomontage: Diesen Knochen - vermutlich einen Oberarmknochen des ausgestorbenen Urzeit-Tieres - fanden Bauarbeiter in Wiesbaden.
Fotomontage: Diesen Knochen - vermutlich einen Oberarmknochen des ausgestorbenen Urzeit-Tieres - fanden Bauarbeiter in Wiesbaden.  © Montage: 123RF/shinobi34, ESWE Versorgung

Wie ESWE Versorgung am Dienstagmittag mitteilte, habe sich das Arbeiter-Team gerade mit der Vorbereitung zur Bohrung eines Mikrotunnels am Unteren Zwerchweg in Wiesbaden beschäftigt. 

Was sie dann in rund neun Metern Tiefe fanden, damit hätten sie beim Morgen-Kaffee wohl niemals gerechnet. Denn dort, wo sie wohl kaum jemand vermutet hätte, stießen die Männer auf Knochen-Fragmente eines Urzeit-Monsters, das bereits mehr als 600.000 Jahre auf dem Buckel hat. 

Bei dem Eiszeit-Tier soll es sich um ein Coelodonta antiquitatis - oder auch Wollnashorn handeln. Der Forschung ist bislang bekannt, dass diese Urform des heutigen Nashorns etwa zwei Tonnen schwer und bis zu 3,50 Meter lang war und - wie der Name es bereits vermuten lässt - ein langes, dichtes Fell besaß.

Gelebt haben soll es während des Mittelpleistozäns, das bereits über 781.000 Jahre zurückliegt, und des Jungpleistozäns, welches wiederum vor etwa 12.000 Jahren endete.

Doch stießen die Bauarbeiter nicht nur auf den Oberarmknochen des haarigen "Ur-Zeitgenossen", unter den Fundstücken befanden sich unter anderem auch Überreste eines Urzeit-Rindes und eines "hirschartigen Tieres", wie der Energieversorger weiter mitteilte.

Umgehend wurden die wertvollen Entdeckungen von der Abteilung hessenARCHÄOLOGIE des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen in Augenschein und behutsam in Gewahrsam genommen. Besonders erfreulich für die Archäologen: Die besondere, extrem kalkhaltige Bodenbeschaffenheit sorgte dafür, dass der Knochen nahezu unbeschadet aufgefunden werden konnte.

Gefundene Wollnashorn-Knochen sind rund 600.000 Jahre alt

So soll das Wollnashorn - oder auch Coelodonta antiquitatis - ausgesehen haben.
So soll das Wollnashorn - oder auch Coelodonta antiquitatis - ausgesehen haben.  © ESWE Versorgung

Rein rechtlich gehören die Gebeine dem Land Hessen. Doch in Absprache mit den Behörden wurde sie den "Aushilfs-Archäologen" als sogenannte Dauer-Leihgabe zur Verfügung gestellt. Bei ESWE werden sie nun entsprechend prunkvoll ausgestellt. 

"Die Stücke werden bei uns in eigens dafür angeschafften Vitrinen ausgestellt", äußerte sich Jörg Höhler, Vorstandsmitglied der ESWE Versorgung, nach dem Urzeit-Fund mit stolzgeschwellter Brust.

Da soll nochmal einer sagen, Bauarbeiter hätten einen eintönigen Job.

Titelfoto: Montage: 123RF/shinobi34, ESWE Versorgung

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