Virologin Ciesek: Corona-Pandemie wissenschaftlich gesehen "absolut spannend"

Fankfurt am Main - Die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek (41) kann der Corona-Pandemie zumindest aus wissenschaftlicher Sicht auch Positives abgewinnen.

Sandra Ciesek ist Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt und eine der profiliertesten Expertinnen für Sars-Cov-2.
Sandra Ciesek ist Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt und eine der profiliertesten Expertinnen für Sars-Cov-2.  © Tobias Schwarz/AFP/Pool/dpa

Trotz aller Belastungen und Frustration für den Einzelnen sei die Pandemie wissenschaftlich gesehen "absolut spannend: ein Jahrhundertereignis, das wir so - hoffentlich - nie wieder erleben", sagte Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Außerdem habe sich die Wissenschaft im vergangenen Jahr mehr vernetzt. "Das habe ich extrem positiv wahrgenommen. Ich finde es wichtig, dass man immer offen ist für unterschiedliche Disziplinen. Ich hoffe, dass das nicht wieder verloren geht."

Dass die Meinung von Wissenschaftlern viel mehr gehört wird als vor der Pandemie, findet Ciesek aber nicht nur positiv.

"Das ist auch eine Gefahr für die Wissenschaft, wenn sie falsch dargestellt wird, wenn Ergebnisse verkürzt werden. Das haben wir ja mehrmals erlebt 2020: Dass am Ende nur ein Satz zitiert wird - für Wissenschaftler ist das extrem frustrierend."

Corona-Pandemie zeige, was in der Gesellschaft falsch laufe

Auch werde die Corona-Krise die Gesellschaft und die Wissenschaft nachhaltig verändern. "Die immer stärker werdende Spaltung der Gesellschaft, dass da gar kein Austausch mehr möglich ist, das finde ich sehr beunruhigend und auch enttäuschend", sagte Ciesek.

Die Berichte aus Intensivstationen, das Leid der Patienten und die Belastung des Klinikpersonals machten sie "extrem traurig", so die profilierteste Expertin für Sars-Cov-2.

"Es macht mich traurig, nachdenklich, frustriert, wenn ich sehe, wie manche Menschen das fast ins Lächerliche ziehen".

Die Pandemie habe vieles offensichtlich gemacht, was in der Gesellschaft falsch laufe, sagte Ciesek.

Ein Beispiel sei, dass das Virus manche Bevölkerungsgruppen stärker treffe als andere, etwa ausländische Arbeiter in Sammelunterkünften: "Das finde ich schon bitter."

Titelfoto: Tobias Schwarz/AFP/Pool/dpa

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