Meine Meinung: Hobby-Raser und PS-Proleten, ihr könnt mich mal!

Am Samstag (10. Oktober) stirbt auf der Autobahn 66 bei Hofheim am Taunus eine Frau infolge eines Unfalls, den ein Lamborghini-Fahrer bei einem mutmaßlichen illegalen Autorennen verursacht haben soll. TAG24-Redakteur Angelo Cali ist bestürzt über die Geschehnisse und stellt klar, dass derartige Vorfälle aufs Härteste bestraft werden müssen. Darüber hinaus sind seiner Ansicht nach aber auch diejenigen mitschuldig, die derartigen PS-Protzern eine Bühne bieten!

Frankfurt am Main/Hofheim am Taunus - Eine Frau stirbt auf die wohl schrecklichste Art und Weise, sie verbrennt bei lebendigem Leib nach einem Unfall. Einem Unfall, an dem sie höchstwahrscheinlich keinerlei Schuld trägt. Sie ist tot, weil ein Haufen Hobby-Rennfahrer nicht in der Lage war, ihre vor PS strotzenden Phallus-Erweiterungen im Zaum zu halten. Ich habe die Schnauze voll von Euch, Ihr könnt mich mal!

Der Lamborghini von Navid F. soll bei rund 200 Km/h in die Leitplanke und dann in ein unbeteiligtes Auto gekracht sein. Beide Wagen brannten komplett aus.
Der Lamborghini von Navid F. soll bei rund 200 Km/h in die Leitplanke und dann in ein unbeteiligtes Auto gekracht sein. Beide Wagen brannten komplett aus.  © Wiesbaden112/Robin von Gilgenheimb

Was geschehen ist, macht mich lethargisch, zutiefst traurig und vor allem wütend. Obwohl die Ergebnisse der Obduktion der Verstorbenen noch ausstehen, handelt es sich bei ihr wohl um eine 71 Jahre alte Frau. 

Ich komme nicht umhin, in diesem - aus nicht ganz klar definierbaren Gründen - besonderen Fall um einiges weiter zu denken. Bei ihr handelte es sich um eine Frau, die eventuell ihren Lebensabend nach jahrzehntelanger Arbeit genießen wollte, mitunter mit ihrem Partner. 

Vielleicht war sie nicht nur Ehefrau, sondern auch geliebte Mutter, Großmutter, Tante und so weiter. Sie wurde ihren Liebsten genommen! 

Wer weiß, welch' schöne Unternehmung sie an diesem vermaledeiten Samstag geplant hatte.

Sie wurde ihren Liebsten genommen, auch weil ein Möchtegern-Instagram-Star der Auffassung war, für ein wenig mehr Lobhudelei einen Ticken mehr aufs Gaspedal seines Lamborghini Aventador S zu treten - einen Ticken zu weit! 

Es muss in diesem Fall gezeigt werden, dass trotz aller Liebe der Deutschen zu ihren Autos und der großen Möglichkeiten, diese aufgrund unserer Bestimmungen im Verkehr voll auszufahren, es so nicht weitergehen darf! Doch fordere ich auch diejenigen dazu auf in sich zu gehen, die Hobby-Rennfahrern, die wiederum den Tod von Mitmenschen billigend in Kauf nehmen, eine Plattform bieten.

Mein Appell: Gebt PS-Protzern keine Bühne!

Einsatzkräfte der Feuerwehr Hofheim am Taunus stehen vor dem völlig ausgebrannten Lamborghini.
Einsatzkräfte der Feuerwehr Hofheim am Taunus stehen vor dem völlig ausgebrannten Lamborghini.  © Wiesbaden112/Robin von Gilgenheimb

Unfall-Fahrer Navid F. (29) hat es auf seinem Instagram-Profil "NavidAlpha" auf über eine Million Follower gebracht - dank fetter Karren, viel Protz und immer wieder auch mit Aufnahmen von Spritztouren der "etwas" schnelleren Art.

Dass er dies zusammen mit seinen Luxus-Sportwagen-Liebhaber-Kumpanen letztlich bis zum Äußersten - und darüber hinaus - trieb, liegt für mich auch ein Stück weit an denjenigen, die für derartige Zurschaustellung Likes, Follows und Kommentare verteilten! 

Kurz vor dem tödlichen Crash soll ein Video in den sozialen Medien aufgetaucht sein, welches den späteren Unfallverursacher kurz vor dem Unglück über die A66 rasend zeigt. Dass er dafür ebenfalls gefeiert wurde, dürfte auf der Hand liegen!

Von anderen Schuldzuweisungen, wenn man sie denn noch so nennen darf, möchte und werde ich mich jedoch vollends distanzieren. Im Netz hagelt es die bösesten Beleidigungen, die leider auch auf die Nationalität des mutmaßlichen Todes-Rasers abzielen.

Mir ist es mit Verlaub scheißegal, welchen Pass oder welche Wurzeln jemand besitzt. Im Angesicht eines solchen Vorfalles ist - zumindest für mich - JEDER PS-Proll gleich. Wichtig ist mir, dass auch der letzte wohlmöglich an dem Rennen Beteiligte gefasst wird. 

Ich möchte in einer Welt leben, in der auf der Straße mehr Rücksicht aufeinander genommen wird, damit ich sicher sein kann, dass meinen Liebsten so ein Schicksal nicht widerfahren wird. Eventuell ist das auch ein guter Ansatz für unser generelles Miteinander - denkt mal drüber nach!

Titelfoto: Montage: Wiesbaden112/Robin von Gilgenheimb, Angelo Cali

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