In der Heimat der elektronischen Musik: Hier öffnet bald das weltweit erste Techno-Museum

Frankfurt am Main - Nicht Berlin, sondern Frankfurt am Main gilt unter Kennern als Geburtsort der elektronischen Musik. Clubs wie das Dorian Gray oder das Omen machten die Mainmetropole in den 90er Jahren zur Techno-Hochburg. Die Musik und das Lebensgefühl dieser Zeit sind inzwischen reif fürs Museum.

Die erste Ausstellung des bald eröffnenden Museum of Modern Electronic Music wird sich mit Kult-DJ Sven Väth (57) beschäftigen. (Archivfoto)
Die erste Ausstellung des bald eröffnenden Museum of Modern Electronic Music wird sich mit Kult-DJ Sven Väth (57) beschäftigen. (Archivfoto)  © dpa/Thomas Frey

Nach jahrelanger Verzögerung gibt es nun endlich ein Eröffnungsdatum für das Museum of Modern Electronic Music, kurz "Momem", und zwar den 6. April 2022.

Dass ein Museum für schnelle Beats so langsam vorankommt, ist schon fast kurios. 2015 hatte die Stadt auf der Musikmesse verkündet, dass Frankfurt das weltweit erste Museum für elektronische Musik und die dazugehörige Clubkultur gründen will.

Damals hieß es, das Momem werde "Mitte 2017" eröffnet. Seither wurden am Main das neue Historische Museum, das neue Jüdische Museum und das neue Romantikmuseum eröffnet. Das Momem aber kam nicht recht voran.

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Anfang 2018 war immerhin ein Ort gefunden: das frühere Kindermuseum in dem innerstädtischen Verkehrsknotenpunkt. Binnen Jahresfrist wollten die Organisatoren des Momem mit finanzieller Hilfe von Sponsoren ein Museum aufbauen.

Doch dann bremsten Finanznöte die Idee erneut aus. 2019 sicherte die Stadt immerhin die Anschubfinanzierung, indem sie dem Momem ein Darlehen von einer halben Million Euro gewährte. Danach kam Corona und die Eröffnung wurde immer wieder hinausgeschoben.

"Was lange währt, wird endlich gut", fasste Oberbürgermeister Peter Feldmann (63, SPD) den Stand zusammen, als er in Begleitung von vier Dezernenten die noch leeren Räume besichtigte.

Im April ist es so weit: Nach etlichen Aufschüben öffnet das "Momem"

Seit mittlerweile sieben Jahren ist Museumsleiter Alex Azary die treibende Kraft hinter dem Projekt "Momem".
Seit mittlerweile sieben Jahren ist Museumsleiter Alex Azary die treibende Kraft hinter dem Projekt "Momem".  © dpa/Frank Rumpenhorst

"Das hier wird etwas Großes." Kulturdezernentin Ina Hartwig (58, SPD) betonte, auch die legendären "Tunnelraves" seien ein Teil der Stadtgeschichte: "Mit dem Momem kehrt die elektronische Musik zurück nach Hause."

Hier werde "Musikgeschichte erlebbar". Besonders gut finden die Stadtoberen, dass durch das Momen "ein neuer Kulturraum" entsteht. Denn das Museum soll nicht nur im Innenraum stattfinden, sondern auch den Platz davor bespielen - der Frankfurter nennt den von Treppenabgängen gesäumten tieferliegenden Platz "das Loch".

Das Momen will aus der verdreckten Bausünde eine Party-Arena machen. "Wir verstehen das Museum als sozialen Raum", sagt Alex Azary, seit sieben Jahren der Motor hinter dem Projekt.

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Aus der verglasten Außenseite des Momem soll eine "interaktive Medienfassade", wie die beteiligten Designbüros ankündigten. Eine "Soundwave" reagiert auf die Passanten - 24 Stunden am Tag.

Es gibt ein Spiel zum Remixen von Songs, gesteuert vom eigenen Smartphone. Bei Partys werden Livestreams von DJs aus aller Welt eingespielt - dann soll das "Loch" zu Frankfurts größter Tanzfläche werden - wenn die Corona-Pandemie denn endlich vorbei ist.

Erste Ausstellung im "Momem" dreht sich um den Kult-DJ Sven Väth

Zu finden sein wird das "Momem" direkt an der Hauptwache in der Mainmetropole Frankfurt.
Zu finden sein wird das "Momem" direkt an der Hauptwache in der Mainmetropole Frankfurt.  © dpa/Boris Rössler

Die erste Ausstellung ist der DJ-Ikone Sven Väth (57) gewidmet. Der gebürtige Offenbacher ist inzwischen 57 Jahre alt und Träger der Goethe-Plakette der Stadt Frankfurt.

"Einer der wichtigsten Protagonisten der elektronischen Musik weltweit", findet Tobias Rehberger (55), "ein Mann der ersten Stunde". Die von ihm gestaltete Ausstellung soll Väth "in seiner Feierei feiern". Das Momen, glaubt er, dürfe nicht museal sein.

"Es muss versuchen, die Lebendigkeit dessen darzustellen, was es ausstellt." Wie das aussehen soll, ist derzeit noch nicht bekannt - Exponate gibt es noch nicht zu sehen.

"In sieben Bereichen gibt das Momem Einblicke in die Orte, die sozialen Gefüge, die Instrumente und die Einflüsse Elektronischer Musik und beleuchtet die zahlreichen Genres und Subgenres", heißt es auf der Homepage.

Titelfoto: Montage: DPA/Frank Rumpenhorst, DPA/Boris Rössler

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