"Godzilla" und Co.: Ausstellung zeigt Endzeit-Blockbuster mit Faktencheck

Von Eva Krafczyk

Frankfurt am Main - Es gibt viele Szenarien für ein Ende des Lebens auf der Erde, wie wir es kennen - Katastrophenfilme zeigen sie und sind dabei den Strömungen ihrer Zeit unterworfen.

Eine 6,6 Meter große Godzilla-Statue steht beim Event "Midtown meets Godzilla" in Tokio. In Frankfurt geht es in einer aktuellen Ausstellung um Katastrophen aller Art.
Eine 6,6 Meter große Godzilla-Statue steht beim Event "Midtown meets Godzilla" in Tokio. In Frankfurt geht es in einer aktuellen Ausstellung um Katastrophen aller Art.  © dpa/EPA/Franck Robichon

Das Deutsche Filmmuseum in Frankfurt stellt das Genre, in dem Angst, Faszination und Heldentum eine Rolle spielen, in den Mittelpunkt seiner am heute beginnenden Ausstellung "Katastrophe. Was kommt nach dem Ende?".

In der noch immer andauernden Corona-Pandemie, die das Leben von Millionen Menschen verändert hat, scheint das Thema aktueller denn je.

"Purer Zufall", sagte Museumsdirektorin Ellen Harrington am Dienstag. Denn ursprünglich sollte die Ausstellung bereits im vergangenen November beginnen und als Kuratorin Stefanie Plappert mit ihren Vorbereitungen begann, war Corona noch längst kein Thema.

Vier Tote bei Unfall auf der A5: War ein Geisterfahrer die Ursache?
Frankfurt Unfall Vier Tote bei Unfall auf der A5: War ein Geisterfahrer die Ursache?

Das "was wäre, wenn" und das Nachdenken über den schlimmsten anzunehmenden Fall gebe es schon seit Jahrhunderten, sagte Plappert etwa mit Blick auf die mittelalterliche Malerei apokalyptischer Szenen.

In Katastrophenfilmen gehe es aber nicht nur um große Emotionen, sondern auch um reale Gefahren, die die Menschheit bedrohten. Womöglich sind die Filme ja auch eine Art Schreckensbewältigung: "Wir setzen unsere Vorstellungen vom Allerschlimmsten in Bilder", sagte die Frankfurter Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD).

Wissenschaftler des Senckenberg-Museums machen den Faktencheck

Wissenschaftler des Senckenberg Instituts und Museums für Naturforschung haben die Endzeit-Blockbuster auf ihre Realitätsnähe abgeklopft.
Wissenschaftler des Senckenberg Instituts und Museums für Naturforschung haben die Endzeit-Blockbuster auf ihre Realitätsnähe abgeklopft.  © dpa/Boris Rössler

So geht es in den vorgestellten Filmen um Erdbeben und Tsunamis, um Klimawandel, Vulkanausbrüche und Meteoriteneinschläge, um die Rückkehr der Dinosaurier und die Warnungen der Wissenschaftler, dass etwa die Kosten im Falle des menschengemachten Klimawandels ungleich höher sein würden als die für seine Begrenzung.

Eine Besonderheit der Ausstellung ist die Kooperation mit dem Senckenberg Institut und Museum für Naturforschung.

Teil der Ausstellung mit Filmplakaten oder Titelbildern von Nachrichtenmagazinen zu Katastrophenszenarien sind Videos mit Senckenberg-Wissenschaftlern, die wissenschaftliche Faktenchecks vornehmen.

Kommt ein Atommüll-Zwischenlager in Hanau? Der Streit geht in die nächste Runde
Frankfurt Politik Kommt ein Atommüll-Zwischenlager in Hanau? Der Streit geht in die nächste Runde

Können Dinosaurier durch Genmanipulation wiederbelebt werden wie in "Jurassic Park" (1993)? Kann Nordamerika plötzlich vereisen wie in "Day after tomorrow" (2004)? Gibt es eine echte Vorlage für "Godzilla" (1954)? Und was geschieht eigentlich bei einem Erdbeben?

Wendepunkte in den realen Entwicklungen, die von Forschern als Kipppunkte bezeichnet werden, gebe es tatsächlich, erklärte Brigitte Franzen, Direktorin des Senckenberg-Museums. Dies gelte etwa für den Anstieg der Meeresspiegel und seine Folgen auch in Europa.

Dinos in "Jurassic Park" würden anders konstruiert werden

"Es gibt jetzt schon ein Szenario, dass 2045 ein britisches Küstenstädtchen evakuiert werden muss", sagte Franzen. Hamburg und Bremen könnten dann einen Meter unter Wasser stehen.

Das Unvorstellbare sei bereits in die Nähe des Vorstellbaren gerückt. Die zeitlichen Abläufe seien allerdings ganz anders als in einem 90 Minuten Blockbuster. Doch bei aller dramaturgischer Verknappung - "gibt es Punkte, die nicht so weit weg liegen."

Hinzu kommt - mancher Katastrophenfilm ist mittlerweile schon ein bisschen in die Jahre gekommen, gerade mit Blick auf neue wissenschaftliche Erkenntnisse.

Fairerweise müsse gesagt werden, dass die in "Jurassic Park" dargestellten Dinosaurier dem damaligen Stand der Forschung entsprachen, sagte etwa die Senckenberg-Biologin Irina Ruf in ihrem Faktencheck. "Heute würde man die anders rekonstruieren."

"The Day after tomorrow": Möglich, aber nicht so schnell

"Es wäre auf jeden Fall langsamer und weniger dramatisch als im Film", versicherte der Ökosystemforscher Thomas Hickler im Faktencheck zu "Day after tomorrow" - nur um nach einer kurzen Pause hinzuzusetzen: "Aber es könnte schon schnell passieren."

Eine Abkühlung Nordamerikas wäre bei einem Kollaps des Systems des Golfstroms infolge eines Schmelzens der Pole zwar möglich - aber nicht innerhalb so kurzer Zeit und mit so weit reichender Vereisung wie im Film.

Die Ausstellung "Katastrophe" ist bis zum 9. Januar 2022 geöffnet. Begleitend gibt es nicht nur ein Filmprogramm, sondern auch einen Katalog, in dem Autoren über das Ende jenseits der Katastrophe nachdenken.

Klimaschützer und Umweltaktivisten sind ebenso darunter wie Theologen und eine Bestatterin.

Titelfoto: dpa/EPA/Franck Robichon

Mehr zum Thema Frankfurt Kultur & Leute: