Influencerin wirbt für Boosterimpfung, und Querdenker fallen über sie her

Frankfurt am Main - Weil sie für Boosterimpfungen warb, wurde die Frankfurter TikTok-Influencerin Miss Colleen Jordan von Impfgegnern mit Gewalt und dem Tod bedroht.

Miss Colleen Jordan hat auf TikTok fast 18.000 Follower, sie befasst sich in ihren Videos oft mit dem Thema Trans-Identität.
Miss Colleen Jordan hat auf TikTok fast 18.000 Follower, sie befasst sich in ihren Videos oft mit dem Thema Trans-Identität.  © Screenshot/TikTok/misscolleenjordan

Dabei wurde die junge Hessin nicht nur wegen ihrer Impfbereitschaft massiv angefeindet.

Miss Colleen Jordan ist eine Frau mit Trans-Hintergrund, sie kam ursprünglich als Junge zur Welt. Auch dies wurde in einem öffentlichen Telegram-Kanal aus der Szene der Querdenker und Impfgegner zum Anlass für gravierende Beleidigungen und Herabwürdigungen gegenüber der Influencerin.

In einem (inzwischen nicht mehr öffentlichen) Instagram-Video hatte Miss Colleen Jordan kürzlich über ihre Auffrischungs-Impfung gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 berichtet.

"Ich kriege heute meine Boosterimpfung, denn Bad Bitches lassen sich boostern, Leute, Bad Bitches beschützen sich vor Krankheiten und schützen sich auch in anderen Fällen. Also, Leute, geht euch boostern lassen", sagt sie am Anfang des Clips, der angeblich im Norden der Mainmetropole Frankfurt gedreht wurde.

Auf dem Telegram-Kanal "Attila Hildmann Freiheit" wurde das Video danach mit dem Kommentar "Hohlbirne lässt sich wegspritzen" geteilt – und von zahlreichen Nutzern des Messanger-Dienstes auf eindeutig diffamierende Art und Weise kommentiert.

Beispiel für voranschreitende Radikalisierung der Querdenker und Impfgegner

Das Video stellte Miss Colleen Jordan auch auf TikTok ein. Hier versah sie es jedoch mit einem Hinweis auf die Anfeindungen der Querdenker.
Das Video stellte Miss Colleen Jordan auch auf TikTok ein. Hier versah sie es jedoch mit einem Hinweis auf die Anfeindungen der Querdenker.  © Screenshot/TikTok/misscolleenjordan

Ob der Kanal tatsächlich von dem per Haftbefehl gesuchten ehemaligen Promi-Koch Attila Hildmann (30) geführt wird, ist unklar.

Sicher ist aber, dass der Kanal zu der Szene der radikalen Corona-Kritiker und -Leugner gehört. Auch finden sich dort Sprachnachrichten mit teils eindeutig rechtsradikalen Verschwörungserzählungen, die wohl tatsächlich von dem 30-jährigen Hildmann stammen.

Unter den zahlreichen Telegram-Kommentaren zu dem Booster-Video von Miss Colleen Jordan ist ein direkter Tötungsaufruf – ein Nutzer stellte ein Bild ein, auf dem ein Mann mit einem Gewehr direkt auf den Betrachter zielt und fragte dazu lapidar: "Was ist das?"

Auch wurde die junge Frau mit sexueller Gewalt bedroht sowie als "Hure" und "Transe" beleidigt.

Der Fall kann ohne Zweifel als Beispiel für die voranschreitende Radikalisierung der Querdenker und Impfgegner betrachtet werden.

Erst am Mittwoch wurden die Ergebnisse einer ARD-Recherche veröffentlicht. Demnach gab es mindestens seit Mitte November täglich Tötungsaufrufe in den Telegram-Gruppen und -Kanälen der Querdenker.

Titelfoto: Montage: Screenshot/TikTok/misscolleenjordan

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