Corona, Urzeit-Babys und eine Spinne namens Greta: Das hat Hessens Forscher dieses Jahr gefordert

Frankfurt am Main - Das Coronavirus hat Hessens Wissenschaftlern 2020 ganz neue Fragestellungen eingebracht. Auch jenseits dieses alles beherrschenden Themas gab es viel zu entdecken. Eine Auswahl der hessischen Forschungsnachrichten des Jahres:

Ein Aufkleber mit der Aufschrift "Pflicht zur Mund-Nasen-Bedeckung!" klebt im "The Squaire" am Flughafen Frankfurt.
Ein Aufkleber mit der Aufschrift "Pflicht zur Mund-Nasen-Bedeckung!" klebt im "The Squaire" am Flughafen Frankfurt.  © dpa/Silas Stein

Corona, Corona, Corona: Eine Vielzahl von Wissenschaftlern hat in den vergangenen Monaten rund um Sars-CoV-2 und die Pandemie geforscht. Ein Team von Frankfurter Virologen zum Beispiel arbeitete mit einer sogenannten pharmakologischen Substanzdatenbank, um nach antiviralen Wirkstoffen zu suchen.

Marburger Virologen sind an der Entwicklung eines Impfstoffes beteiligt. Psychologen verschiedener Unis untersuchten die Folgen der Pandemie aufs Gemüt. Forscher der Technischen Hochschule Mittelhessen kamen bei einer Untersuchung zu dem Schluss, dass Stoßlüften in Schulen um ein Vielfaches wirksamer ist als der Einsatz von Luftfiltergeräten.

Sie hatten in einem nicht genutzten Klassenzimmer einer Schule die Wirkung auf freigesetzte Aerosole ermittelt. Und Wissenschaftler der Technischen Universität Darmstadt (TU) spürten dem Erreger im Abwasser der Stadt Frankfurt nach.

Sie untersuchten Proben aus Klärwerken und konnten daraus laut Mitteilung einen Trend zu steigenden Infektionen vor den offiziellen Zahlen bemerken: "Im Juli lagen die Virenkonzentrationen im Abwasser noch stabil auf relativ niedrigem Niveau, dann stiegen die Werte deutlich an", hieß es.

Neandertaler-Frauen stillten Babys so lange wie heutige Mütter

Forscher fanden heraus, dass Neandertaler-Mütter ihre Babys ähnlich lange stillten, wie es heutzutage der Fall ist (Symbolfoto).
Forscher fanden heraus, dass Neandertaler-Mütter ihre Babys ähnlich lange stillten, wie es heutzutage der Fall ist (Symbolfoto).  © Federico Gambarini/dpa

Nach ihren Forschungen befinden sich im Abwasser zwar keine infektiösen Viren mehr, doch ihr Erbgut lässt sich noch nachweisen. Ziel der Forschung: ein Monitoringsystem zu etablieren.

Muttermilch für Urzeit-Babys: Neandertaler-Mütter haben ihre Kinder wohl ähnlich lange gestillt wie heutige Mütter. Das haben Forscher der Uni Frankfurt zusammen mit italienischen Kollegen aus der Analyse von 40.000 bis 70.000 Jahre alten Milchzähnen geschlossen.

Die Ergebnisse weisen laut Goethe-Universität darauf hin, dass spätes Abstillen vermutlich nicht zum Aussterben der Neandertaler beigetragen hat. Die Zähne, die das Forscherteam untersuchte, ähnelten chemisch jenen heutiger Babys - "ein Hinweis darauf, dass die Ernährung und Entwicklung erstaunlich ähnlich verliefen."

Klima-Zeitmaschine: Wissenschaftler der Uni Gießen erforschen seit mehr als 20 Jahren die Folgen des Klimawandels auf einem Versuchsfeld voller Grünlandpflanzen. Mit einer Extraportion Kohlendioxid sowie Heizelementen simulieren sie dabei das Klima der Zukunft, um mögliche Auswirkungen schon heute ableiten zu können.

Zu den Ergebnissen gehört: Die untersuchten Pflanzen wachsen dank der höheren CO2-Konzentration zwar besser, doch verschlechter sich ihre Qualität. Und: Unter erhöhter CO2-Konzentration produzieren Boden-Mikroorganismen vermehrt die Treibhausgase Lachgas und Methan.

Eine Spinne namens Greta: Frankfurter Arachnologe benennt Krabbeltier nach Klimaaktivistin

Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg (17).
Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg (17).  © Virginia Mayo/AP/dpa

Hui, Spinne: Eine neue Spinnengattung auf Madagaskar trägt den Namen der schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg (17). Der Frankfurter Arachnologe Peter Jäger von der Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung will mit der Namenswahl auf die Bedrohung der Artenvielfalt aufmerksam machen.

Es geht um fünf Thunberga-Arten innerhalb der Riesenkrabbenspinnen. Während sich vier Arten der Gattung von anderen Riesenkrabbenspinnen unter anderem durch die einzigartige Bezahnung ihrer Kieferklauen unterscheiden, handele es sich bei "Thunberga greta" um eine bislang unbekannte Art.

Balanceakt fürs Hirn: Eine Kombination aus Kraft- und Gleichgewichtstraining kann laut einer Studie von Kasseler Sportwissenschaftlern die Hirnfunktionen von Senioren verbessern. Andere Krafttrainingsmethoden zeigten nicht den gleichen Effekt, berichteten die Forscher über ihre Studie mit mehreren Dutzend Menschen ab 65.

In drei Gruppen absolvierten diese zehn Wochen lang verschiedene Übungen. Zu Beginn und am Ende machten sie kognitive Tests. Die besten Ergebnisse erzielten den Forschern zufolge jene Probanden, die Gewichte auf wackelnden Unterlagen gehoben hatten.

Roboter als Helfer: Pflegewissenschaftler der Hochschule Fulda untersuchen, inwieweit ein Telepräsenz-Roboter, steuerbar durch die Angehörigen per PC oder Smartphone, Menschen mit Demenz zu Hause unterstützen können.

Der Roboter ist laut Hochschule mobil und kann die Pflegebedürftigen in ihrer Wohnung begleiten. "So können beispielsweise Kinder aus der Ferne ihre Eltern durch die Wohnung begleiten."

Titelfoto: Montage: Virginia Mayo/AP/dpa, DPA/Silas Stein

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