Vor zweitem Corona-Lockdown: So steht es um Hessens Arbeitsmarkt

Frankfurt am Main - Vor dem erneuten Teil-Lockdown in der Corona-Pandemie hat sich Hessens Arbeitsmarkt weiter erholt.

Die Grafik zeigt eine Gesamtübersicht über die Arbeitslosenzahlen in Deutschland im Oktober.
Die Grafik zeigt eine Gesamtübersicht über die Arbeitslosenzahlen in Deutschland im Oktober.  © Deutsche Presse Agentur

Im Oktober ist die Arbeitslosenzahl den zweiten Monat in Folge gesunken, wie die Regionaldirektion der Arbeitsagentur am Donnerstag in Frankfurt mitteilte. Probleme bereitet der Ausbildungsmarkt.

Zum Stichtag waren 193.972 Männer und Frauen arbeitslos gemeldet. Das waren rund 6800 weniger als im September und knapp 47.500 mehr als ein Jahr zuvor. Die hessische Arbeitslosenquote sank vom Vormonat um 0,2 Punkte auf 5,6 Prozent.

Die viel genutzte Kurzarbeit ging tendenziell ebenfalls zurück. 

So gab es im Oktober noch einmal weniger Neuanzeigen. Im Juli galt die subventionierte Arbeitszeitverkürzung in geschätzt 26 000 Betrieben für 330.000 Beschäftigte. Im April war der Höchststand bei 470.000 Beschäftigten registriert worden.

Direktionschef Frank Martin rechnet mit weiteren Belastungen durch die jetzt geplanten Einschränkungen des öffentlichen Lebens. 

Die Anzeigen für Kurzarbeit gerade aus dem Gastgewerbe und dem Kultursektor dürften wieder steigen, erklärte er. Generell sei er der Überzeugung, dass die hessische Wirtschaft den befristeten Lockdown durchaus meistern könne.

Positiv sei der Verzicht auf eine generelle Schließung von Schulen und Kindergärten. Ein nachhaltiger, branchenübergreifender Anstieg der Arbeitslosigkeit sei erstmal nicht zu erwarten, sofern die neuen Restriktionen wie geplant am Monatsende auslaufen.

Trotz Corona-Lockdown: Anstieg der Arbeitslosigkeit sei erstmal nicht zu erwarten

Ein Mann geht an einem Schild der Bundesagentur für Arbeit vorbei (Symbolfoto).
Ein Mann geht an einem Schild der Bundesagentur für Arbeit vorbei (Symbolfoto).  © Sonja Wurtscheid/dpa

Schleppend lief der in der Corona-Krise geschrumpfte Ausbildungsmarkt, auf dem trotz des geringeren Volumens jede zehnte Stelle unbesetzt blieb und mehr junge Menschen (2376) als zuletzt noch keinen passenden Platz gefunden haben. Es gab im Ausbildungsjahr 2020 rund 3000 Bewerber und 3150 Ausbildungsstellen weniger als ein Jahr zuvor.

Martin rief dazu auf, mit Hochdruck die Möglichkeiten der Nachvermittlung zu nutzen. 

Noch größere Sorgen mache er sich für das kommende Jahr. Wenn sich die wirtschaftliche Situation nicht verbessere, werde sich das auf das Angebot von Ausbildungsstellen auswirken.

Die hessischen Industrie- und Handelskammern wiesen auf digitale Portale und Ausbildungsmessen hin. "Jugendliche oder Menschen, die sich beruflich umorientieren wollen, haben gute Chancen, noch jetzt eine Lehre zu beginnen. Das gilt natürlich auch für alle, die feststellen, dass ihnen ein Studium nicht liegt", sagte Ausbildungsexpertin Brigitte Scheuerle.

Der Unternehmer-Dachverband VhU verlangte eine industriefreundlichere Politik. Der Beschäftigungsaufbau in der Industrie sei wesentlicher Treiber der Beschäftigungsrekorde in den vergangenen Jahren gewesen, betonte Hauptgeschäftsführer Dirk Pollert.

Nun müssten unerfüllbare neue Auflagen abgewendet und das Arbeitsrecht flexibler gestaltet werden.

Titelfoto: Sonja Wurtscheid/dpa

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