29 Obdachlose sind bislang 2021 in Hamburg gestorben: Linke fordert ein Umdenken

Hamburg - Nach Angaben des Hamburger Straßenmagazins "Hinz&Kunzt" sind bislang im Jahr 2021 mindestens 29 Obdachlose auf den Straßen der Hansestadt gestorben - deutlich mehr als gedacht.

Nach Angaben der Linksfraktion seien 17 weitere obdachlose Menschen im Krankenhaus ums Leben gekommen.
Nach Angaben der Linksfraktion seien 17 weitere obdachlose Menschen im Krankenhaus ums Leben gekommen.  © Oliver Berg/dpa

Nach Angaben der Linksfraktion seien 17 weitere Menschen ohne Zuhause im Krankenhaus ums Leben gekommen. Das geht aus Anfragen der Linksfraktion hervor.

Dazu Stephanie Rose (33), sozialpolitische Sprecherin der Fraktion "Die Linke" in der Hamburgischen Bürgerschaft: "Zwei bis drei obdachlose Menschen sterben jeden Monat in Parks, Hinterhöfen und Bahnhöfen. Das macht mich fassungslos und es ist kein Zustand, an den wir uns gewöhnen dürfen." 2020 wurden laut Hinz&Kunzt 14 Todesfälle von Obdachlosen bekannt.

Unter den kürzlich Verstorbenen ist auch Claudio, der durch seine ausgelassenen Dance-Moves à la Michael Jackson für Freude vorm S-Bahnhof Sternschanze sorgte.

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"Der Tod auf der Straße ist in Hamburg nicht die Ausnahme, sondern die traurige Regel", befürchtet Hinz&Kunzt.

Hamburg rühme sich indes damit, "das beste Winternotprogramm zu haben und dann auch ein umfassendes Hilfesystem. Und trotzdem sterben Menschen auf der Straße und wir beobachten eine zunehmende Verelendung", so Stephanie Rose weiter.

Es reiche nicht, den Menschen ein Angebot in Massenunterkünften zu machen, das dann nicht angenommen wird. So forderte die Partei nach eigenen Angaben im September ein ganzjähriges und ganztägiges, dezentrales Notunterkunstsystem, möglichst mit Einzelzimmern, sowie eine Strategiekonferenz und einen Masterplan.

Obdachlosenhilfe soll umgedacht werden

Obdachlosenhilfe müsse völlig umgedacht werden, um Obdachlosigkeit, wie vom Europäischen Parlament verlangt, zu beenden. "Dafür muss die Prävention zur Vermeidung von Wohnungsverlusten gestärkt und der bedingungslose Zugang zu bezahlbarem Wohnraum für sehr viel mehr Menschen als im Moment ermöglicht werden."

Außerdem solle massiv in den Ausbau der Straßensozialarbeit investiert werden, "um die Menschen dort zu erreichen, wo sie sich aufhalten".

Auch Hinz&Kunzt-Sozialarbeiter Stephan Karrenbauer zeigt sich erschüttert und fordert einen Systemwechsel: "Man sieht, dass die Menschen nicht nur im Winter, sondern auch im Sommer auf der Straße sterben. Sie brauchen eine dauerhafte statt eine nur vorübergehende Unterkunft."

Titelfoto: Oliver Berg/dpa

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