Ist der "gesunde" Insekten-Snack doch nicht so gut, wie gedacht?

Hamburg - Sie gelten als das neue Superfood. Insekten. Sie sind angeblich Vitaminreich, umweltschonend zu züchten und flexibel einsetzbar. Jetzt meldete sich die Hamburger Verbraucherzentrale mit einem unberuhigendem Produkt-Markcheck. 

Ist der Mehlwurm ein leckerer Snack oder bedenklich? (Illustration)
Ist der Mehlwurm ein leckerer Snack oder bedenklich? (Illustration)  © dpa-tmn/Christin Klose

Immer öfter finden Kunden in Nudeln, Proteinriegeln, Müslis und  Snacks, die für viele doch eher ungewöhnliche Zutat: Insekten. Besonders beliebt sind beispielsweise Heuschrecken und Mehlwürmer. 

Auch Experimente, um aus Larven Butter für die Weiterverarbeitung zu Kuchen, Keksen und anderen Köstlichkeiten herzustellen, laufen auf Hochtouren. Und das sogar recht erfolgreich (TAG24 berichtete). 

In Europa steht die Zulassung für die kleinen Krabbler als Nahrungsmittel allerdings noch aus, so die Hamburger Verbraucherzentrale in einer Pressemitteilung. Zurzeit gelten Übergangsreglungen.

In einem Marktcheck wurden jetzt insgesamt 32 insektenhaltige Lebensmittel für Euch unter die Lupe genommen. Nährwerte, Kennzeichnung und Werbeaussagen. Das Ergebnis? Geht so.

Besonders riskant: Die Allergenkennzeichnung ist oft lückenhaft! Das ist aber noch nicht alles. 

Fehlende Verwendungshinweisen

Ein Insekten-Burger wird probiert. Das Burgerfleisch besteht zu rund fünfzig Prozent aus Buffalo-Würmern. (Symbolbild)
Ein Insekten-Burger wird probiert. Das Burgerfleisch besteht zu rund fünfzig Prozent aus Buffalo-Würmern. (Symbolbild)  © dpa/Friso Gentsch

Da es sich um "neue" Lebensmittel handelt, ist ein Hinweis auf deren Verwendung natürlich wichtig. Besonders dann, wenn man etwas falsch machen kann.

Insektenhaltige Lebensmittel können krankmachende Keime enthalten. "Die eingesetzten Speiseinsekten sollten daher entweder erhitzt oder einem anderen Verfahren, wie beispielsweise einer Hochdruckbehandlung, unterzogen werden", rät die Verbraucherzentrale.

Bei fast 60 Prozent der überprüften Produkte sei nicht ersichtlich gewesen, ob die Speiseinsekten schon bei der Herstellung erhitzt oder anderweitig zur Keimabtötung behandelt wurden. 

Gesetzliche Vorgaben dafür gibt es bislang noch nicht.

Kennzeichnung über mögliche Allergene lückenhaft

Derzeit ist die Allergenkennzeichnung bei Nahrungsmitteln mit Insekten nicht verpflichtend. Das kann problematisch oder sogar gefährlich sein! 

Denn: Bei Allergikern gegen Schalen- und Krustentiere, Hausstaubmilben und Weichtiere kann der Verzehr von Speiseinsekten eine allergische Reaktion auslösen, so die Verbraucherzentrale.

Im Check wurde zwar auf mögliche allergische Reaktion bei bestehender Schalen- und Krustentierallergie hingewiesen, allerdings fand sich nur bei 72 Prozent der Produkte ein Hinweis für Hausstaubmilbenallergiker.

Nur bei etwa der Hälfte der Produkte habe es einen Hinweis für Weichtierallergiker gegeben. 

Verwirrende und/oder falsche Werbeversprechen

Getrocknete Larven eines Getreideschimmelkäfers (Alphitobius diaperinus), auch Buffalowurm genannt, liegen auf einem Tisch. (Symbolbild)
Getrocknete Larven eines Getreideschimmelkäfers (Alphitobius diaperinus), auch Buffalowurm genannt, liegen auf einem Tisch. (Symbolbild)  © dpa/Marijan Murat

Zwölf der überprüften Insekten-Produkte trugen insgesamt 20 eindeutig unzulässige nährwertbezogene Angaben, so das Ergebnis des Marktchecks. 

Darunter die falschen oder unzureichenden Versprechen "reich an Protein", Vitamin- und Mineralstoffen zu sein. Hier fehlten entweder Angabe über den tatsächlichen Gehalt in der Nährwerttabelle oder, im Falle der Proteine, die Menge für ein solches Versprechen reichte einfach nicht aus.

Das Ergebnis ist nahezu zerschmetternd für den guten Ruf der Produkte: Der Nutzen sei fraglich und die Produkte einfach zu teuer.

"Zahlreiche der im Rahmen des Marktchecks geprüften insektenhaltigen Lebensmittel enthalten einen sehr geringen Insektenanteil, aber teils viele süßende Zutaten oder viel Salz."

Und der Preis? "Das teuerste Produkt im Marktcheck, ein Heuschrecken-Snack, schlug mit 278 Euro pro 100 Gramm zu Buche."

Na dann: Mahlzeit. 

Infografiken und weitere Informationen zum Thema findet ihr bei der Verbraucherzentrale.

Titelfoto: dpa/Friso Gentsch, dpa/Marijan Murat

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