Ausstellung "Greening the City": Hamburgs Dächer sollen grüner werden

Hamburg – Am Mittwochabend feierte die Ausstellung "EINFACH GRÜN – Greening the City" ihre Eröffnung mit der Preisverleihung des "Hamburger Preises für Grüne Bauten".

Die Ausstellungen beantwortet viele Fragen zum Thema Begrünung von Gebäuden.
Die Ausstellungen beantwortet viele Fragen zum Thema Begrünung von Gebäuden.  © Madita Eggers/TAG24

"Ich freue mich sehr, dass es hier im Saal so warm und dicht ist", begrüßte Kristina Bacht vom "AIT-Architektur Salon" die zahlreich erschienenen Gäste am Mittwochabend in ihrem Atelier. "Es ist immer schön, ein Thema zu finden, das so viele Leute anspricht." In diesem Fall ging es um die Begrünung von Hamburgs Gebäuden.

"Eigentlich sind wir eine kühle ozeanische Hafenstadt, hatten dieses Jahr aber den heißesten Sommer seit Messbeginn", sagte Bernd Netz von der Hamburger Umweltbehörde in seiner Ansprache.

"Leider ist die 2014 von uns ins Leben gerufene 'Gründachstrategie' deswegen aktueller denn je."

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Gerade einmal drei Prozent von Hamburgs Dächern seien momentan begrünt, es sei also noch deutlich Luft nach oben.

"Verbrannte Flächen bringen uns nicht weiter!"

Auch Beispiele aus anderen Städten werden gezeigt.
Auch Beispiele aus anderen Städten werden gezeigt.  © Madita Eggers/TAG24

"Wenn alle Dächer in der Stadt begrünt wären, würde das den Hitzeinseleffekt der Stadt - im Umland sind es immer zwei Grad kühler - nahezu eliminieren. Und gerade in Bezug auf die Auswirkungen des Klimawandels würde uns das einige Jahrzehnte an Raum schaffen", so Netz weiter.

Es ginge dabei nicht darum, die Stadt zu dekorieren, so Rudi Scheuermann vom Ingenieurbüro "Arup", sondern um die Lebensqualität in den Städten zu verbessern.

Gründächer würden bessere Luft, ein besseres Mikroklima, Biodiversität, Lärmdämmung und effiziente Energienutzung bieten.

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Dabei müsse man auch die Wasserversorgung neu organisieren: "Wir müssen Maßnahmen erfinden, die Grünflächen auch zu erhalten."

Und weiter: "Wir haben es diesen Sommer gesehen: Flächen aus braunem und gelbem Rasen bringen uns nichts. Wir müssen Wasser sparen und sammeln und nicht gleich in die Kanalisation weitergeben", so Architekt Peter Cachola Schmal (62).

Keine Trinkwasser-Verschwendung durch Gründächer

Auch die Ausstellung an sich ist sehr künstlerisch aufgebaut und bietet viele Anreize, sich mit "Greening the City" auseinanderzusetzen.
Auch die Ausstellung an sich ist sehr künstlerisch aufgebaut und bietet viele Anreize, sich mit "Greening the City" auseinanderzusetzen.  © Madita Eggers/TAG24

Auch Scheuermann stimmt dem zu: "In jedem Haus mit Menschen entsteht Abwasser. Mit einer geringen Aufbereitung kann dies problemlos doppelt genutzt werden. Ohne dass Trinkwasser verwendet werden muss."

Wer jetzt Angst um das Erscheinungsbild seiner Stadt hat, kann beruhigt werden. "Es geht nicht darum, jedem Gebäude eine Begrünung aufzuzwingen, sondern passende Gebäude zu finden, wo dies am besten möglich ist", so Finn Warncke von "KPW Architekten".

Es ginge auch nicht nur um die reine Begrünung, sondern um Gemeinschaftsprojekte wie Spielplätze oder Gemüse-Gärten.

Auch Dächer mit Solaranlagen oder Klimaanlagen seien mit einer Begrünung effizienter, so Scheuermann: "Durch die Verdunstung der Pflanzen werden die Anlagen gekühlt und dadurch ihre Effizienz gesteigert. Und durch die Wärme, die die PV-Anlage abgibt, erhalten die Pflanzen früher im Jahr Wärme und das bedeutet üppigere Grundstücke das ganze Jahr über."

Zudem wäre die Lebensdauer eines Gründaches 20 Jahre länger als die von einem Schwarzdach.

Die Ausstellung richtet sich an alle, die ihr Zuhause grüner machen wollen

Die Preisträger der vier ersten Plätze freuen sich über Honig und Wild-Blumen.
Die Preisträger der vier ersten Plätze freuen sich über Honig und Wild-Blumen.  © Madita Eggers/TAG24

Insgesamt wurden am Abend vier erste Preise mit je 1200 Euro Preisgeld verliehen. Eingereicht wurden 24 Projekte von Eigentümern, Mietern oder einfach Leuten, die bei der Planung beteiligt waren. Bedingungen waren: Die Fläche musste mindestens 12 Quadratmeter groß und nicht älter als zehn Jahre sein.

Gewonnen haben der "Dachgarten Frieda Ottensen", die "Dock71 Wohnungseigentümergemeinschaft", die "Letzte Grüne Oase Zentrales Alt-Wandsbek" und der "Recyclinghof Wilma-Witte-Stieg-6".

Die Ausstellung richtet sich nicht nur an Architekten, sondern an alle Bürger der Stadt Hamburg. Sie beantwortet Fragen, wie "Mit welchen Kosten ist zu rechnen?" oder "Wie sieht mein Dach im Winter aus?".

"Jeder, der noch kein Grün auf Dach oder Fassade hat: Morgen geht es los", motivierte Dr. Hilde Strobl von der Universität Innsbruck.

Die Ausstellung im AIT-Architektur Salon (Bei den Mühren 70) ist noch bis zum 23. Dezember von Montag bis Mittwoch und freitags von 10 bis 18 Uhr und donnerstags von 10 bis 20 Uhr geöffnet.

Titelfoto: Madita Eggers/TAG24

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