Hickhack um mutmaßlichen Biomarkt-Räuber hat ein Ende

Hamburg - Nun also doch: Nachdem es viel Kritik an der Hamburger Justiz gegeben hatte, weil ein Verdächtiger auf freien Fuß kam, muss er jetzt in Haft.

Zuletzt gab es Anfang Mai einen Überfall auf einen Biomarkt in Eppendorf.
Zuletzt gab es Anfang Mai einen Überfall auf einen Biomarkt in Eppendorf.  © HamburgNews/Christoph Seemann

Dem 43-Jährigen wird eine Serie von bewaffneten Raubüberfällen auf Bio-Supermärkte in der Stadt vorgeworfen, wie Polizei und Staatsanwaltschaft mitteilten.

Es soll um sechs Taten im Zeitraum zwischen August 2021 und Mai 2022 gehen. Jedes Mal wurden Filialen einer Biomarktkette in der Fruchtallee und der Martinistraße von einem maskierten Mann mit Soft-Air-Waffe überfallen. Dem Täter ging es um Bargeld aus den Kassen.

Außerdem soll der Mann am 28. August 2021 einen Pizza-Lieferdienst überfallen haben, hier erbeutete er aber nichts. Jedes Mal gelang es dem Täter, erfolgreich zu flüchten.

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Am 9. Juni klickten allerdings die Handschellen. Fahnder des Mobilen Einsatzkommandos nahmen den 43-Jährigen in direkter Nähe des Biomarkts in der Martinistraße fest.

Er hatte Waffe und Maske bei sich und war betrunken, ein Test ergab 2,3 Promille. Wollte er einen neuen Überfall versuchen?

So begründet die Hamburger Staatsanwaltschaft ihr Zögern

Obwohl die Polizei nach den Überfällen schnell und mit viel Personal am Tatort war, konnte der Täter entkommen.
Obwohl die Polizei nach den Überfällen schnell und mit viel Personal am Tatort war, konnte der Täter entkommen.  © HamburgNews/Christoph Seemann

Doch nach der Festnahme beantragte die Staatsanwaltschaft keinen Haftbefehl gegen den Tatverdächtigen, stattdessen durfte er das Polizeirevier als freier Mann verlassen. Dafür gab es heftige Kritik – unter anderem vom Bund Deutscher Kriminalbeamter. Die Justiz sei "mangelhaft" aufgestellt, hieß es von der Gewerkschaft.

Bei der Hamburger Staatsanwaltschaft wird das anders gesehen. Zum Zeitpunkt der Festnahme habe es keine zweifelsfreien Voraussetzungen für einen Haftbefehl gegeben.

"Ausschlaggebend dafür war, dass zum Zeitpunkt des Zugriffs keine weitere Straftat begangen war und für die zurückliegende Raubserie erst noch restliche Ermittlungsergebnisse abgewartet werden sollten", heißt es dazu in der aktuellen Mitteilung. Ein Haftgrund habe schlicht gefehlt.

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Inzwischen sind die Ermittlungen offenbar so weit fortgeschritten, dass die Staatsanwaltschaft erfolgreich einen Haftbefehl beim Amtsgericht erwirken konnte. Der 43-Jährige wurde am heutigen Montag verhaftet. Er sitzt jetzt in Untersuchungshaft.

Titelfoto: HamburgNews/Christoph Seemann

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