Prozess gegen Cuspert-Witwe Omaima A.: Verteidigung fordert Bewährungsstrafe

Hamburg - Im Prozess gegen die Witwe des IS-Kämpfers Denis Cuspert vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht wird am Montag (9 Uhr) das Plädoyer der Verteidigung erwartet. 

Die Witwe des Berliner Rappers und späteren IS-Mitglieds Denis Cuspert alias Deso Dogg sitzt zu Prozessbeginn in einem Gerichtssaal im Landgericht.
Die Witwe des Berliner Rappers und späteren IS-Mitglieds Denis Cuspert alias Deso Dogg sitzt zu Prozessbeginn in einem Gerichtssaal im Landgericht.  © dpa/dpa Pool/Daniel Reinhardt

Zuvor hatte die Bundesanwaltschaft vier Jahre und zehn Monate Haft für die Angeklagte gefordert. 

Die Vorwürfe gegen die 36-jährige Deutsch-Tunesierin hätten sich bestätigt, hatte der Vertreter der Karlsruher Behörde gesagt. 

Die Angeklagte habe vor Gericht erklärt, sie habe sich in Syrien nur mal den Islamischen Staat ansehen wollen und dann festgestellt, dass das nichts für sie sei. Doch diese Darstellung sei unglaubwürdig. Sie habe sich in einem Video, einem Foto und in einem Telefonat zu der Terrororganisation bekannt.

Die Bundesanwaltschaft wirft Omaima A. Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung vor. Sie soll 2015 mit drei kleinen Kindern ihrem Mann nach Syrien gefolgt sein und sich dort der Terrormiliz IS angeschlossen haben. Damit habe sie auch ihre Fürsorge- und Erziehungspflicht verletzt. 

Zeitweise habe sie Sturmgewehre besessen und so gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz verstoßen.

Menschenhandel und Verbrechens gegen die Menschlichkeit

Die deutsche und tunesische Staatsangehörige Omaima A. wurde in Hamburg verhaftet.
Die deutsche und tunesische Staatsangehörige Omaima A. wurde in Hamburg verhaftet.  © dpa/TeleNewsNetwork

Die gebürtige Hamburgerin wird ferner des Menschenhandels und eines Verbrechens gegen die Menschlichkeit beschuldigt, weil sie eine 13-jährige Jesidin zeitweise als Sklavin in ihrem Haushalt gehalten haben soll. Nach dem Tod ihres ersten Mannes im Frühjahr 2015 habe sie dessen Freund Cuspert geheiratet, der später ebenfalls zu Tode kam.

Cuspert hatte sich 2014 dem IS angeschlossen und stand in den USA auf der Terrorliste. Der Ex-Gangsterrapper ("Deso Dogg") wurde Medienberichten zufolge 2018 in Syrien bei einem Luftangriff getötet.

Nach ihrer Rückkehr im August 2016 lebte die Angeklagte unbehelligt von Strafverfolgung in Hamburg, kleidete sich westlich und ging einem Beruf nach.

Erst nach Recherchen einer arabischen Journalistin wurde sie 2019 festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Update, 28. September, 14.15 Uhr: Verteidigung fordert Bewährungsstrafe

Der Screenshot vom 04.11.2014 eines auf Twitter veröffentlichten Fotos zeigt den früheren Berliner Rapper und Radikalislamisten Denis Cuspert (alias Deso Dogg bzw. Abu Talha al-Almani).
Der Screenshot vom 04.11.2014 eines auf Twitter veröffentlichten Fotos zeigt den früheren Berliner Rapper und Radikalislamisten Denis Cuspert (alias Deso Dogg bzw. Abu Talha al-Almani).  © dpa/Twitter/-

Im Prozess gegen die Witwe des IS-Kämpfers Denis Cuspert vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht hat der Verteidiger eine Haftstrafe von zwei Jahren auf Bewährung gefordert. 

Bei dem Vorwurf der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im Ausland gehe es um einen minderschweren Fall, ebenso bei dem Anklagepunkt, die Frau habe zeitweise eine Jesidin als Sklavin gehalten. Die Forderung der Bundesanwaltschaft nach vier Jahren und zehn Monaten Haft nannte der Anwalt unverhältnismäßig hoch.

In ihrem letzten Wort räumte die Angeklagte ein: "Ich habe vor fünf Jahren einen großen Fehler begangen." Sie sei blauäugig gewesen, als sie 2015 ihrem damaligen Mann nach Rakka gefolgt sei, in die Hochburg der Terrororganisation Islamischer Staat in Syrien. 

Ihre drei Kinder habe sie in ein Kriegsgebiet mitgenommen und damit ihre Fürsorgepflicht verletzt. Gegen den Putzdienst der 13-jährigen Jesidin habe sie nichts machen können. "Ich sah sie wie einen Gast." Die "Besitzerin" der Frau, ein Mitglied der Religionspolizei des IS, habe ihr den Dienst aufgedrängt, während sie selbst schon ihre Flucht aus dem IS-Gebiet vorbereitet habe. "Ich entschuldige mich bei ihr (der Jesidin), dass ich ihr nicht helfen konnte", sagte die Angeklagte.

Sie betonte, dass sie mit dem Islamischen Staat abgeschlossen habe und nicht mal mehr praktizierende Muslimin sei. Ihre Weigerung, über andere mutmaßliche IS-Mitglieder auszusagen, erklärte sie mit der für sie traumatisierenden Gefängniserfahrung. "Ich will mich nicht verpflichten müssen, als Zeugin aussagen zu müssen." Unter Tränen bat Omaima A. das Gericht um eine "gerechte Strafe".

Titelfoto: dpa/dpa Pool/Daniel Reinhardt

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