Tod nach Brechmitteleinsatz: Linke fordert politische Verantwortung für Achidi John (†19)

Hamburg - Achidi John (†19) verstarb am 12. Dezember 2001 mutmaßlich an den Folgen eines Brechmitteleinsatzes der Polizei. Kein Einzelfall. Jetzt fordert Die Linke in der Hamburgischen Bürgerschaft, politische Verantwortung für solche Einsätze zu übernehmen.

Ein Polizeiwagen steht vor dem linksautonomen Zentrum "Rote Flora" im Schanzenviertel. "Achidi-John-Platz" steht dort in dicken Lettern an der Fassade.
Ein Polizeiwagen steht vor dem linksautonomen Zentrum "Rote Flora" im Schanzenviertel. "Achidi-John-Platz" steht dort in dicken Lettern an der Fassade.  © Daniel Reinhardt/dpa

Achidi John wurde vor rund 20 Jahren verdächtigt, Drogen zum Verkauf bei sich beziehungsweise in sich mitzuführen. Die Beamten beschlossen, durch den Einsatz von Brechmittel die Beweise des zunächst mutmaßlichen Dealers zu sichern.

Dafür wurde er ins UKE gebracht und fixiert. Das Mittel wurde ihm "zwangsweise durch die Nase eingeflößt", berichtete unter anderem die taz.

Fatal, wie sich herausstellen sollte. Atmung und Puls setzten aus.

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Mithilfe einer Magenspiegelung wurden ihm auf der Intensivstation 41 Kugeln Crack und Kokain aus dem Magen-Darm-Trakt entfernt. Kurze Zeit später verstarb Achidi John.

Der spätere Obduktionsbericht stellte fest: "John hatte einen schweren Herzfehler, er hatte selbst Kokain genommen und in Verbindung mit dem Stress der Brechmittelvergabe hätten diese Faktoren mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu seinem Tod geführt", heißt es im Greenpeace Magazin über den tragischen Fall.

Erst fünf Jahre später wurde diese vom damaligen Hamburger Innensenator Olaf Scholz (63, SPD) angeordnete Praxis in der Hansestadt wieder verboten.

Der Europäische Gerichtshofes urteilte damals, "dass die zwangsweise Vergabe von Brechmitteln eine erniedrigende und unmenschliche Behandlung darstellt und gegen das Folterverbot aus Art. 3 der Europäischen Menschenrechtskonvention verstößt", heißt es in einer Pressemitteilung der Linken.

Deniz Celik: "In Hamburg wurde gefoltert"

Deniz Celik (42, Die Linke): "Der Tod von Achidi John und die Leiden der übrigen Betroffenen sollten uns eine Mahnung sein."
Deniz Celik (42, Die Linke): "Der Tod von Achidi John und die Leiden der übrigen Betroffenen sollten uns eine Mahnung sein."  © Daniel Bockwoldt/dpa

Dazu Deniz Celik (42), innenpolitischer Sprecher der Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft: "In Hamburg wurde gefoltert. Die Bürgerschaft als Herzstück der demokratischen Staatsverfassung muss ein Garant für die Wahrung der Menschenrechte sein und ist dem nicht gerecht geworden: Sie hat die erniedrigende und unmenschliche Behandlung von Menschen in staatlicher Obhut sehenden Auges zugelassen. Dafür müssen wir die Verantwortung übernehmen!"

Jetzt fordern die Linken nicht nur eine Entschuldigung der Bürgerschaft bei den Betroffenen und den Angehörigen Achidi Johns, sondern auch die "Einrichtung eines Gedenkortes auf dem Gelände des UKE sowie die Entwicklung eines Konzepts zur Zahlung von Entschädigungen an die Betroffenen".

Deniz Celik weiter: "Der Tod von Achidi John und die Leiden der übrigen Betroffenen sollten uns eine Mahnung sein. Sie sollten uns immer wieder daran erinnern, dass die Menschenwürde eben doch antastbar ist, wenn wir sie nicht kompromisslos verteidigen."

Titelfoto: Daniel Reinhardt/dpa

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