Fußball-Weltmeister klagt Tierpark Hagenbeck an: Sein Ur-Großvater wurde als Kannibale ausgestellt

Hamburg - Der Hamburger Tierpark Hagenbeck steht aufgrund seiner Geschichte wieder einmal in der Kritik. Ankläger dieses Mal: Christian Karembeu (50), ehemaliger Fußball-Profi (unter anderem Real Madrid) und Weltmeister mit Frankreich im Jahr 1998.

Der ehemalige Fußball-Profi Christian Karembeu (50) hält den WM-Pokal, den er 1998 mit den Franzosen gewann, in seinen Händen. (Archivbild)
Der ehemalige Fußball-Profi Christian Karembeu (50) hält den WM-Pokal, den er 1998 mit den Franzosen gewann, in seinen Händen. (Archivbild)  © EPA/MAXIM SHIPENKOV

Heute bekommen die Besucher im Zoo Tiere zu sehen, früher war das jedoch anders.

Der Tierpark Hagenbeck veranstaltete in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts sogenannte Völkerschauen und präsentierte dort Menschen aus "exotischen Ländern". Einer von ihnen sei laut Karembeu sein Ur-Großvater gewesen.

Wie der heute 50-Jährige dem Magazin Panorama erklärte, sei sein Vorfahr Willy Karembeu 1931 in Neukaledonien angeworben worden.

Hamburg: Umweltaktivisten besetzen Bäume und wollen Fällung verhindern
Hamburg Umweltaktivisten besetzen Bäume und wollen Fällung verhindern

In Paris sollte er gemeinsam mit 100 Frauen, Männern und Kindern vom Volk der Kanak die eigene Heimat auf einer Kolonialausstellung repräsentieren.

"Sie dachten, sie sollten dort Vertreter der Regierung treffen", wurde Karembeu zitiert.

Doch der Schein trog. In einem Pariser Zoo wurden sie als Kannibalen zur Schau gestellt. Kurze Zeit später führte ihr Weg nach Hamburg. Hagenbeck präsentierte sie dort als "Die letzten Kannibalen der Südsee".

Wie Karembeu, der aktuell beim griechischen Top-Verein Olympiakos Piräus als Sportdirektor tätig ist, berichtete, mussten sein Ur-Großvater und die anderen täglich mehrere Stunden bei Wind und Wetter leicht bekleidet tanzen, Speere schwingen und singen.

Gründer Carl Hagenbeck gilt als größter Organisator von Völkerschauen in Europa

Besucher stehen vor den Eingang des Tierparks Hagenbeck. (Archivbild)
Besucher stehen vor den Eingang des Tierparks Hagenbeck. (Archivbild)  © Daniel Bockwoldt/dpa

"Sie fühlten sich wie Sklaven", stellte der Ex-Fußballer klar. "Wir können erst unseren Frieden finden, wenn wir alle Informationen haben, die ganze Geschichte erzählen." Sein Vorfahr konnte erst nach einem Schreiben an den französischen Kolonialminister mit den anderen abreisen.

Bereits im vergangenen Jahr war der Tierpark aufgrund seiner Geschichte in die Kritik geraten. Immerhin gilt Gründer Carl Hagenbeck als größter Organisator von Völkerschauen in Europa.

Nach Protesten von Aktivisten versprachen die Verantwortlichen eine öffentliche Aufarbeitung der Vergangenheit. Geschehen ist bislang aber nicht viel, die Aufarbeitung sei noch nicht abgeschlossen, ließ der Tierpark verlauten.

Hamburg: AWZ-Star Anna Angelina Wolfers nach Farb-Anschlag: "Noch nie so gedemütigt gefühlt"
Hamburg Kultur & Leute AWZ-Star Anna Angelina Wolfers nach Farb-Anschlag: "Noch nie so gedemütigt gefühlt"

Dem NDR gegenüber hieß es, Völkerschauteilnehmer "arbeiteten als Darsteller mit Verträgen und Gage für Hagenbeck, heute vergleichbar mit Artisten und Gauklern im Zirkus oder im Varieté".

Titelfoto: Fotomontage: Daniel Bockwoldt/dpa, EPA/MAXIM SHIPENKOV

Mehr zum Thema Hamburg: