Twitter löscht Video von umstrittenem Polizeieinsatz in Hamburg

Hamburg - Nach Angaben der Gewerkschaft der Polizei (GdP) hat das soziale Netzwerk Twitter ein Video von einem Polizeieinsatz in Hamburg gelöscht. 

Polizisten patrouillieren auf einer Einkaufsstraße in Hamburg. (Symbolfoto)
Polizisten patrouillieren auf einer Einkaufsstraße in Hamburg. (Symbolfoto)  © Axel Heimken/dpa

Auf den Aufnahmen sei zu sehen gewesen, wie Beamte im vergangenen April einen dunkelhäutigen Mann nahe dem Hamburger Hauptbahnhof zu Boden bringen. Eine beteiligte junge Beamtin sei auf dem Video zu erkennen gewesen. Ihr Persönlichkeitsrecht sei damit verletzt worden. 

Auf Initiative der Gewerkschaft habe sich die Polizei Hamburg bei Twitter für die Löschung des Videos eingesetzt. Twitter reagierte auf eine Anfrage der Deutschen Presse-Agentur zunächst nicht.

"Kein Polizeibeamter muss es hinnehmen, dass sein Bildnis ohne seine Einwilligung gegenüber einem Millionen-Publikum verbreitet wird und es dann zu beleidigenden Kommentaren kommt", erklärte der GdP-Landesvorstand am Dienstag.

Der festgehaltene Mann hatte nach Angaben der GdP zusammen mit vier anderen Personen am Steintorplatz gestanden, wo wenige Wochen zuvor ein Protestzelt der Lampedusa-Flüchtlingsgruppe abgebaut worden war. 

Die Polizisten hätten die fünf Menschen ermahnt, die wegen Corona vorgeschriebenen Abstände einzuhalten. Als sie die Angesprochenen wenig später erneut zu dicht beieinander stehend erwischten, wollten die Beamten die Personalien feststellen, um Ordnungswidrigkeitsverfahren einzuleiten.

Das Internet ist kein rechtsfreier Raum

Einer der Betroffenen habe zu flüchten versucht und sei von den Polizisten festgehalten worden. Es hätten sich danach bis zu 500 Personen versammelt und sich mit dem zu Boden gebrachten Mann solidarisiert, erklärte die GdP. Sie hätten die Beamten beschimpft und behindert. Die Polizei sei mit größeren Kräften im Einsatz gewesen.

"Wenn man sich im Netz die Kommentare unter Videos ansieht, die ein Einschreiten der Polizei zeigen, ist man teilweise fassungslos. Hier kann offenbar ungestraft gehetzt werden. Wir müssen klarmachen: Das Internet ist kein rechtsfreier Raum!", sagte der GdP-Landesvorsitzende Horst Niens. 

Das gelte insbesondere, wenn einzelne Kollegen in den sozialen Netzwerken aufgrund einer dienstlichen Tätigkeit an den öffentlichen Pranger gestellt würden.

Titelfoto: Axel Heimken/dpa

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