Rassismus-Problem bei der Polizei? Hamburg führt Studie durch

Hamburg - Während Bundesinnenminister Horst Seehofer (71, CSU) beharrlich bei seinem "Nein" zu einer Rassismus-Studie bei der Polizei bleibt, macht Hamburg diesbezüglich sein eigenes Ding. 

Einsatzkräfte der Polizei sind bei einer Demonstration im Einsatz. (Symbolfoto)
Einsatzkräfte der Polizei sind bei einer Demonstration im Einsatz. (Symbolfoto)  © Christian Charisius/dpa

Laut Hamburger Abendblatt startet im Oktober eine Studie, durch die Risikofaktoren für die Entstehung von Vorurteilen und radikalen Einstellungen bei Polizisten untersucht werden sollen. 

Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD) sagte dem Abendblatt: "Nur wer sich mit diesen Risiken offen und unvoreingenommen auseinandersetzt, kann Präventionsstrategien entwickeln, um die demokratische Widerstandsfähigkeit der Polizei gegen radikale Haltungen zu stärken". 

Dazu werde eine "repräsentative Stichprobe mit einer Mindestgesamtgröße von 3000 anonym befragten Polizisten, Mitarbeitern und Führungskräften angestrebt", sagte Polizei-Akademie-Leiter Thomas Model vor einer heute beginnenden, zweitägigen Zusammenkunft mit hochrangigen Vertretern aus Politik, Wissenschaft und Polizei in den Hamburger Messehallen.

"Ob und wie verfestigen sich Vorurteile?" Diese und weitere Fragen stünden dabei im Zentrum der Studie.

Betroffen sei dabei nicht nur Rassismus, sondern auch Vorurteile geschlechterspezifischer oder religiöser Art.

Forschungsvorhaben dieser Größe bisher einzigartig in Deutschland

"Wichtig ist, was diese Erfahrungen mit uns machen, wie wir mit ihnen umgehen und dass wir uns durch sie nicht zu diskriminierendem Verhalten verleiten lassen. Welches sind hier Risikofaktoren? Wie können wir uns schützen?", heißt es in einer Mail an die 11.000 Mitarbeiter der Polizei.

In Deutschland sei ein Forschungsvorhaben mit dieser Zielsetzung und Größenordnung bisher einzigartig. "Niemand sollte so tun, als gebe es keine Vorurteile oder radikale Einstellungen in der Polizei", sagte Model dem Abendblatt.

Die Akademie der Polizei habe bereits im März 2019 mit den Vorbereitungen begonnen. Zusätzlich wolle man ab Mitte 2021 mit einem Persönlichkeitstest herausfinden, ob Bewerber anfällig für Strömungen radikaler Art seien.

Seit Anfang September sei der Verfassungsschutz darüber hinaus gesetzlich verpflichtet, Polizeianwärter vor der Einstellung zu überprüfen. 

Titelfoto: Christian Charisius/dpa

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