Virologe Jonas Schmidt-Chanasit kritisiert beschlossenen Teil-Lockdown

Hamburg - Der Hamburger Virologe Jonas Schmidt-Chanasit findet den beschlossenen Teil-Lockdown im November in mancher Hinsicht überzogen. 

Jonas Schmidt-Chanasit, Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin.
Jonas Schmidt-Chanasit, Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin.  © picture alliance / dpa

Er und einige seiner Kollegen seien nicht gegen alle Maßnahmen, "aber bei bestimmten Maßnahmen stellt sich einfach die Frage der Verhältnismäßigkeit und ob sie auch zielgerichtet sind und das bezwecken, was wir eigentlich erreichen wollen - also eine Stabilisierung der Lage", sagte der Virologe vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin am Mittwochabend in den ARD-Tagesthemen.

So sei beispielsweise die Schließung der Hamburger Elbphilharmonie, deren Hygienekonzept er gut kenne, nicht zielführend. "Es ist aus meiner Sicht, aus virologischer Sicht, nahezu unvorstellbar, dass dort massenhaft Infektionen aufgetreten sind. Insofern stellt sich hier die Frage der Verhältnismäßigkeit, ob man so eine Einrichtung wirklich schließen sollte, wo eben Infektionen mit aller Wahrscheinlichkeit nicht aufgetreten sind."

Der Virologe mahnte mit Blick auf die mittlerweile mangelnde Nachvollziehbarkeit der Infektionsketten vor Spekulationen. "Wir dürfen nicht spekulieren, dass diese Maßnahmen in Bereichen notwendig sind, wo wir gute Hygienekonzepte haben." 

Den richtigen Weg aus der Corona-Krise kenne derzeit keiner, "es gibt hier keine Blaupause". Dennoch sei es wichtig, nun ein langfristiges Konzept zu entwickeln. 

Zudem müssten die Zielgruppen noch besser erreicht werden, bei denen die Infektionen stattgefunden haben. "Da kommen wir mit Verboten auch nicht weiter, das muss ganz klar sein."

Titelfoto: picture alliance / dpa

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