Keine weiblichen Bewerberinnen mehr: Handwerk soll attraktiver werden

Hamburg - Angesichts des Fachkräftemangels und des geringen Frauenanteils in Handwerksberufen haben die Hamburger Politik und die Handwerkskammer für die Branche geworben.

Melina Koch ist Anlagenmechanikerin für Sanitär-, Heizung- und Klimatechnik und arbeitet bei der Firma Gehrke in Hamburg-Altona und hat im September 2022 ihre Meisterausbildung absolviert.
Melina Koch ist Anlagenmechanikerin für Sanitär-, Heizung- und Klimatechnik und arbeitet bei der Firma Gehrke in Hamburg-Altona und hat im September 2022 ihre Meisterausbildung absolviert.  © Frank Molter/dpa

"Das Handwerk bietet spannende und moderne Berufe", sagte Wirtschaftssenator Michael Westhagemann (65, parteilos) am Mittwoch beim Besuch des Heizungs- und Sanitärbetriebs Gehrke in Eidelstedt.

"Bei vielen der Herausforderungen, die in den Betrieben anstehen, werden Frauen Teil der Lösung sein", fügte Arbeitssenatorin Melanie Leonhard (45, SPD) hinzu.

Nach Angaben der Hamburger Handwerkskammer ist die Zahl der weiblichen Auszubildenden rückläufig. Lag der Anteil der Frauen zwischen 2000 und 2012 noch bei mehr als 25 Prozent, sank er seitdem stetig und fiel im vergangenen Jahr auf unter 18 Prozent.

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Auch in den bisher weiblich dominierten Berufen wie Friseurin oder Maßschneiderin sei ein starker Schwund zu verzeichnen.

Im 20-Jahres-Vergleich habe es einen Verlust von etwa zwei Dritteln der Ausbildungsverträge gegeben.

Die Karrierechancen sind super, aber es fehlt an Bewerberinnen

Von links nach rechts: Firmeninhaber Lorenz Gehrke, Wirtschaftssenator Michael Westhagemann, Arbeitssenatorin Melanie Leonhard, Melina Koch und Handwerkspräsident Hjalmar Stemmann.
Von links nach rechts: Firmeninhaber Lorenz Gehrke, Wirtschaftssenator Michael Westhagemann, Arbeitssenatorin Melanie Leonhard, Melina Koch und Handwerkspräsident Hjalmar Stemmann.  © Frank Molter/dpa

"Wir wollen das wertvolle Potenzial weiblicher Nachwuchs- und Führungskräfte heben und setzen alles daran, Frauen erfolgreiche Berufswege ins Handwerk zu ebnen", sagte der Präsident der Hamburger Handwerkskammer, Hjalmar Stemmann (58).

Einen erfolgreichen Berufsweg ist auch die 25-jährige Melina Anni Koch gegangen. Sie ist Anlagenmechanikerin für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik und hat im September ihre Meisterprüfung bestanden.

"Die Karrierechancen sind super. Als Meisterin kann ich selbst mal einen Betrieb gründen oder übernehmen", sagte die gebürtige Norderstedterin. Nun will sie sich zur Betriebswirtin weiterbilden. "Dann bin ich studierte Handwerkerin, die erstens eine Wärmepumpe installieren kann und zweitens was von BWL versteht."

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In den vergangenen Jahren war Koch die einzige Auszubildende in ihrem Betrieb. Ihr Chef Lorenz Gehrke würde am liebsten viele talentierte Frauen ausbilden, nur bewerben würden sich keine, so der Geschäftsführer des Betriebs in Eidelstedt.

Um den Handwerksberuf attraktiver zu gestalten, sieht Hamburgs Masterplan Handwerk 2030 die Digitalisierung der Betriebe, den Umstieg auf klimafreundliche Technologien und eine bessere Mobilität für Auszubildende vor.

Titelfoto: Frank Molter/dpa

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