Kümmererpartei für Hamburg: CDU will mit Christoph Ploß zurück in Erfolgsspur

Hamburg - Christoph Ploß (35) will die Hamburger CDU aus der Misere führen. Ein Landesparteitag wählte den 35 Jahre alten Bundestagsabgeordneten am Samstag mit großer Mehrheit an die Spitze des Landesverbandes. 

Christoph Ploß (35, CDU, l.) nimmt auf dem Landesparteitag der CDU Hamburg neben seinem Vorgänger Roland Heintze (47, CDU) den Applaus zu seiner Wahl entgegen.
Christoph Ploß (35, CDU, l.) nimmt auf dem Landesparteitag der CDU Hamburg neben seinem Vorgänger Roland Heintze (47, CDU) den Applaus zu seiner Wahl entgegen.  © dpa/Markus Scholz

Er folgt Roland Heintze (47) nach, der nach desaströsen 11,2-Prozent bei der Bürgerschaftswahl im Februar - dem dritten historisch schlechtesten Ergebnis in Folge - seien Rückzug vom Vorsitz angekündigt hatte.

Für Ploß stimmten 177 von 212 Delegierten des Parteitags in Neugraben. 29 stimmten gegen ihn, 6 enthielten sich. Das entspricht einer Zustimmung von 86 Prozent. Einen Gegenkandidaten hatte der Chef des Kreisverbandes Nord nicht.

Zu stellvertretenden Vorsitzenden wurden erneut der Bundestagsabgeordnete Christoph de Vries (45), die Bürgerschaftsabgeordnete Anke Frieling (58) und die Wirtschaftshistorikerin Natalie Hochheim (45) gewählt. Neuer Stellvertreter ist der Hamburger JU-Vorsitzende Philipp Heißner (32).

Ploß versprach den Delegierten einen Aufbruch. "Ganz, ganz wichtig für den Neuanfang ist natürlich nicht nur eine inhaltliche Ausrichtung, dass wir uns kümmern, sondern dass wir vor allem geschlossen sind." In enger Zusammenarbeit mit der Bürgerschaftsfraktion und deren Vorsitzenden Dennis Thering "wollen wir die Kümmererpartei in den Hamburger Stadtteilen werden", sagte er.

"Wenn wir es schaffen, Klimaschutz und Wirtschaftspolitik zusammen zu denken, zu zeigen, wie wir in frühkindliche Bildung investieren und damit Chancen schaffen, wenn wir zeigen, dass wir diejenigen sind, mit denen man in Hamburg sicher und noch viel sicherer lebt, dann bin ich überzeugt, dass wir nicht nur ein Gewinn für Hamburg sein werden, sondern dass wir auch wieder bessere Wahlergebnisse erzielen werden", versprach er.

Klimaschutz, wirtschaftliche Entwicklung und die Sorge um den Arbeitsplatz

Dennis Thering.
Dennis Thering.  © dpa/Axel Heimken

Ploß war dem Parteitag vom alten Landesvorstand einstimmig als neuer Landesvorsitzender empfohlen worden. Mit 86 Prozent Zustimmung blieb er allerdings deutlich unter dem Ergebnis, mit dem sein Vorgänger Heintze 2015 ins Amt gekommen war. Damals stimmten 92,5 der Delegierten für den heute 47-Jährigen, der auch dem neuen Vorstand als Schatzmeister angehört.

Einem Richtungsstreit - "soll die CDU rechter werden, soll die CDU linker werden, soll die CDU eine liberale Großstadtpartei sein?" - erteilte der neue Vorsitzende eine Absage. 

"Ich halte von diesen Diskussionen überhaupt nichts", sagte Ploß. Vielmehr müsse sich die CDU den Themen der Menschen in der Stadt stellen. Und da stünden der Klimaschutz, die wirtschaftliche Entwicklung und derzeit auch die Sorge um den Arbeitsplatz oben an. "Das sind die großen Fragen, die durch Corona noch einen Turbo bekommen haben."

Fraktionschef Thering nannte Ploß "eine Maschine". "Er steht morgens auf, denkt darüber nach, wie kann man die CDU nach vorne bringen, und geht abends ins Bett mit dem Gedanken, wie kann man die CDU nach vorne bringen. Und ich glaube, genau so etwas brauchen wir jetzt".

Heintze bedankte sich bei dem Parteitag für die fünfjährige Zusammenarbeit. "Es war eine intensive Zeit, es war eine Zeit, die sehr, sehr schnell vergangen ist." 

Ein "gutes Fundament" sei gelegt, sagte er, aber die Bürgerschaftswahl habe gezeigt: "Wir brauchen noch ein bisschen und wir brauchen mehr Kraft."

Titelfoto: dpa/Markus Scholz

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