Antisemitismus gegen Gil Ofarim "unerträglich": "Man sucht sich eine Legitimation für den Hass"

Hamburg - Gil Ofarim (39) erhob am 5. Oktober schwere Vorwürfe gegen ein Leipziger Hotel. Antisemitismus, als er mit einer Davidstern-Kette einchecken wollte, erzählte der Sänger unter Tränen auf Instagram. Später veröffentlichte Videos einer Überwachungskamera könnten ihn jetzt Lügen strafen. Eine Kette ist auf den Aufnahmen nicht zu sehen. Oder doch? Die Folge der neuen Entwicklungen: Antisemitische Hasskommentare gegen den Sänger.

Der Moderator Michel Abdollahi (40) ist sich sicher: Antisemitismus ist in Deutschland weit verbreitet. (Archivbild)
Der Moderator Michel Abdollahi (40) ist sich sicher: Antisemitismus ist in Deutschland weit verbreitet. (Archivbild)  © picture alliance / Georg Wendt/dpa

"Unerträglich" findet vermutlich nicht nur Moderator und Journalist Michel Abdollahi (40, "Käpt’ns Dinner") das, was Ofarim momentan an aufgeheiztem rechten Hass entgegenschwappt.

Er klärte jetzt in einem neuen "Viertes Deutsches Fernsehen"-Video auf, warum die Frage, ob Gil einen Davidstern trug oder nicht, zwar zu diskutieren sei, aber nicht das einzige Problem in diesem Fall ist.

"Auf der anderen Seite geht es jetzt so richtig los", fasste es der Moderator zusammen.

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Der Sänger wird heftig angegangen. Es zeige sich, wie weit Antisemitismus noch immer im Land verbreitet ist. Das beweisen die Tausenden Hass-Nachrichten, die spätestens in den Social-Media-Kommentaren zu lesen sind, seit angezweifelt wird, dass Gil das religiöse Schmuckstück tatsächlich trug.

Bewiesen ist bislang weder der eine, noch der andere Vorwurf. Das beschuldigte Hotel hat die Untersuchung inzwischen abgeschlossen. Maßnahmen gegen den beschuldigten Mitarbeiter sollen nicht ergriffen werden.

Aber: Davidstern-Kette hin oder her, selbst wenn der 39-Jährige Anfang Oktober nicht antisemitisch beleidigt wurde, jetzt wird er es.

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Gil Ofarim (39) behauptete in einem Instagram-Video, antisemitisch beleidigt worden zu sein. Spätestens jetzt wird er es. (Archivbild)
Gil Ofarim (39) behauptete in einem Instagram-Video, antisemitisch beleidigt worden zu sein. Spätestens jetzt wird er es. (Archivbild)  © Tobias Hase/dpa

"Es sind die widerlichsten Beleidigungen", weiß Michel Abdollahi. Kollektiv wünsche man Gil den Tod.

Man behaupte jetzt sogar, der Sänger sei selbst daran schuld, bepöbelt zu werden. Schließlich habe er angeblich gelogen. "Man sucht sich quasi eine Legitimation für den Hass". Eine Täter-Opfer-Umkehr, erklärte Abdollahi.

"Schuld ist aber immer, immer der Täter. Nie das Opfer. Nie. Und dieses Opfer, das hier gerade von abertausenden Antisemiten durchs Dorf getrieben wird, heißt Gil Ofarim. Weil er Jude ist. Kette hin, Kette her. Wir haben in Deutschland ein riesiges Problem mit Antisemitismus. Und das sehen wir jetzt noch deutlicher."

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Sollte Gil die Unwahrheit gesagt haben, vielleicht gar nicht antisemitisch beleidigt worden sein, so wäre das wohl rein menschlich ein heftiges Versagen seitens Ofarim, aber definitiv kein Grund dafür, die Beleidigung im Nachhinein nachzuholen, wie es jetzt der Fall ist.

Klar ist bislang nicht, ob und inwiefern der 39-Jährige antisemitisch angegriffen wurde oder nicht. Das genannte Überwachungsvideo wird derzeit forensisch untersucht.

Viertes Deutsches Fernsehen

Das "Vierte Deutsche Fernsehen" ist ein noch recht junges YouTube-Format das "für eine neue Form der Information" steht. Unter der Geschäftsführung von Autor und Journalist Michel Abdollahi und Robert Oschatz werden regelmäßig Reportagen, Interviews und Meinungsbilder zu den unterschiedlichsten, meist heiklen Themen veröffentlicht.

"Wir gehen mit dem Finger in die Wunde, versuchen euch zum Lachen zu bringen, Denkanstöße zu vermitteln und das ohne erhobenen Zeigefinger."

Titelfoto: Tobias Hase/dpa, picture alliance / Georg Wendt/dpa

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