Küchenhilfe festgenommen: Chef schreibt herzzerreißenden Brief an Polizei

Hamburg – Die Festnahme seines Tellerwäschers macht einem Hamburger Gastronom schwer zu schaffen. Mit emotionalen Worten hat er sich deswegen an die Polizei gerichtet.

Das "Salt&Silver" befindet sich in der Hafenstraße.
Das "Salt&Silver" befindet sich in der Hafenstraße.  © Screenshot/Facebook, Salt&Silver

Seit Januar 2019 arbeitete der Ghanaer mit dem Namen "Issi" in dem beliebten Hamburger Hafenrestaurant "Salt & Silver" als Hilfe für das Geschirrspülen.

Doch am 4. März wurde er von zivilen Polizisten festgenommen. 

"Ich saß im Restaurant am Tisch und sah plötzlich unseren Spüler Issi draußen mit panischen Augen, wie er nach der Tür griff, hinter ihm ein blonder Mann in Bomberjacke, der ihn festhielt", erinnert sich Mitinhaber Johannes Riffelmacher gegenüber der Mopo.

Der Grund: Die Beamten gingen davon aus, der dunkelhäutige Mann sei ein Drogendealer, von denen es an der Hafenstraße auf St. Pauli einige gibt. 

Weil der Ghanaer vor lauter Panik vor dem mit Trainingshose und Bomberjacke bekleideten Beamten flüchtete, machte er sich umso verdächtiger.

Mit Drogen hatte das jedoch nichts zutun, "Issi" hatte aber etwas anderes zu verbergen. Wie sich bei dem Einsatz  herausstellte, hatte er sich mit falschen Papieren bei der Zeitarbeitsfirma angemeldet. Sein Chef wusste davon nichts.

Trotzdem kann Johannes Riffelmacher das Verhalten der Beamten, die den Spüler aus der Küche zerrten und mitnahmen, nicht nachvollziehen. Er betont:  "Sie hätten sich auch für Menschlichkeit entscheiden können, als ihnen klar wurde, dass Issi Spüler und kein Drogendealer ist."

"Ja, Issi ist vor der Kontrolle weggelaufen. Aber warum wollten sie ihn denn überhaupt kontrollieren? Er ist einfach die Straße lang gelaufen, auf dem Weg zu seinem Job. Ich finde, es liegt auf der Hand, dass das was mit seiner Hautfarbe zu tun hat", macht er klar. 

"Polizei sollte die Welt sicherer machen"

Die Polizei nahm den Ghanaer fest. (Symbolbild)
Die Polizei nahm den Ghanaer fest. (Symbolbild)  © 123RF/rawpixel

Statt mit Drogen zu dealen, habe sich Issi mit falschen Papieren bei einer Zeitarbeitsfirma angemeldet, um einen "knüppelharten Job" anzunehmen, wie der Mitinhaber erklärt. 

"Und jetzt wurde ihm der Teppich unter den Füßen weggezogen (...) wir haben einen sehr geschätzten, fleißigen, immer freundlichen Mitarbeiter verloren", trauert er. Niemandem habe diese Aktion einen Nutzen gebracht.

Aus diesem Grund hat der Gastronom einen offenen Brief verfasst und auf Facebook geteilt. 

Dazu veröffentlichte er einen Screenshot von dem Chat, in dem sich sein ehemaliger Kollege mit rührenden Worten von ihm verabschiedet.

"Eigentlich sollte die Polizei die Welt ein Stück sicherer, vielleicht sogar besser machen, oder? Aber an diesem Abend habt ihr nicht dafür gesorgt, dass St. Pauli sicherer wird. Ihr habt dafür gesorgt, dass es einen jungen Mann ohne Perspektive mehr gibt", heißt es in dem Brief.

Und weiter: "In unserer Branche brauchen wir solche Menschen. Zurzeit gibt es in der Gastronomie in Hamburg rund 5000 unbesetzte Stellen. Viele Menschen finden nicht nur, dass Spülen kein angemessener Job sei, sie wollen nicht einmal mehr Koch werden."

Mehr als 115.000 Menschen haben den Beitrag bereits gelesen. Einige haben ihre Hilfe angeboten, darunter Anwälte oder Mitarbeiter von Hilfsorganisationen. Wie es mit Issi weitergeht, ist bisher jedoch unklar.

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