Nach Flutkatastrophe will Hamburg den Hochwasserschutz überprüfen

Hamburg - In Hamburg fürchtet man eher den Blanken Hans – eine Sturmflut, die das Wasser der Nordsee in die Elbe drückt. Aber auch durch Starkregen nimmt das Überschwemmungsrisiko zu. Nach der Katastrophe im Westen Deutschlands will man in der Hansestadt genauer hinsehen.

Dass der Fischmarkt unter Wasser steht, ist bei Sturmfluten in Hamburg recht häufig. (Archivbild)
Dass der Fischmarkt unter Wasser steht, ist bei Sturmfluten in Hamburg recht häufig. (Archivbild)  © Daniel Bockwoldt/dpa

Die Regenwasser- und Warninfrastruktur soll jetzt überprüft werden. Das sieht ein gemeinsamer Antrag der rot-grünen Regierungsfraktionen für die Bürgerschaft vor, wie die Fraktionsvorsitzenden Dirk Kienscherf (55, SPD) und Dominik Lorenzen (43, Bündnis 90/Die Grünen) am Dienstag mitteilten.

Es müsse eine Bestandsaufnahme vorgenommen und hinterfragt werden, "wo es weitere Potenziale zur Risikominimierung gibt", sagte Kienscherf. Auch CDU und AfD forderten Verbesserungen, vor allem bei den Warnsystemen.

Hamburg habe bereits viele Maßnahmen wie die Entsiegelung von Flächen, die Renaturierung von Wasserläufen und den Ausbau der Entwässerungssysteme auf den Weg gebracht, sagte Kienscherf.

Hamburg: Neues Haus für "Hinz&Kunzt"-Magazin: Auch Obdachlose finden hier eine Bleibe
Hamburg Lokal Neues Haus für "Hinz&Kunzt"-Magazin: Auch Obdachlose finden hier eine Bleibe

Die Stadtplanung müsse die Risiken berücksichtigen. "Hamburg soll eine Schwammstadt werden, die bei Starkregen Wasser aufnimmt und verzögert abgeben kann."

Die Katastrophe mache "einmal mehr deutlich, wie dringend nötig Klimaanpassungsmaßnahmen sind, um sich strategisch auf die wachsenden Herausforderungen von Extremwetterereignissen einzustellen, die auch in Hamburg immer häufiger stattfinden", betonte Lorenzen.

Auch Opposition stellt Forderungen zum Hochwasserschutz

Hamburg schützt sich mit Schutzwänden an der Elbe gegen mögliches Hochwasser. (Archivbild)
Hamburg schützt sich mit Schutzwänden an der Elbe gegen mögliches Hochwasser. (Archivbild)  © Daniel Reinhardt/dpa

"Wir werden nun zügig einen gemeinsamen Antrag auf den Weg bringen, mit dem wir aktuell abfragen, wie Hamburg für Starkregen- und Hochwasserereignisse aufgestellt ist, wo noch nachgesteuert werden muss und auf welchen Wegen sich Bürger in Notfällen informieren können."

Es brauche sowohl analoge wie auch digitale Warnsysteme, sagte der Innenexperte der CDU, Dennis Gladiator (40). Für rechtzeitige Warnungen per SMS beziehungsweise Flash-Nachricht müssten Bund und Länder die rechtlichen Voraussetzungen schaffen.

"Aber die beste digitale Technik und Infrastruktur kann insbesondere in Katastrophenfällen ausfallen und es kann nicht sein, dass Menschen von lebensrettenden Informationen abgeschnitten werden", warnte er. "Daher muss neben den bereits vorhandenen Sirenensystemen über einen Ausbau und eine Erweiterung analoger Warnsysteme und -wege gesprochen werden."

Hamburg: So hoch ist der Anteil der Miete am Einkommen in Hamburg
Hamburg So hoch ist der Anteil der Miete am Einkommen in Hamburg

AfD-Fraktionschef Dirk Nockemann (63) forderte eine bessere Ausstattung des Katastrophenschutzes. "Die technischen Geräte sind teilweise veraltet und halten modernen Einsatzanforderungen nicht mehr stand."

Zudem sprach er sich für den Erhalt der Grünflächen und die Pflanzung von mehr Bäumen aus, um der Flächenversiegelung entgegenzuwirken.

Titelfoto: Daniel Bockwoldt/dpa

Mehr zum Thema Hamburg Lokal: