Wirbel um Postkarte von "Ben" an die Polizei Hamburg

Hamburg - In der heutigen Zeit werden leider kaum noch Postkarten verschickt, doch gerade gibt es um ein Exemplar an die Polizei Hamburg viel Wirbel im Internet. 

Diese Postkarte veröffentlichte die Polizei Hamburg im Internet.
Diese Postkarte veröffentlichte die Polizei Hamburg im Internet.  © Polizei Hamburg

Die Polizei-Pressestelle veröffentlichte am Mittwoch auf Facebook, Instagram und Twitter eine an sie selbst adressierte Karte. Darin schrieb ein Junge namens Ben den Beamten der Landesbereitschaftspolizei. 

Seine Deutschlehrerin habe seiner Klasse den Auftrag gegeben, "einem Menschen/einer Menschengruppe eine Postkarte zu schreiben, der/die gerade besonders wichtige Arbeit leistet." 

Es sei Bens großer Traum später selbst Polizist zu werden. Daher sei ihm sofort eingefallen, an wen er seine Karte schicken wolle. 

"Danke, dass Sie in dieser heiklen Situation weiterhin für Ordnung auf den Straßen sorgen. Und dies trotz der ganzen Situation, die sich gerade in den USA ereignet hat." 

Damit meint er die Ausschreitungen nach dem gewaltsamen Tod George Floyd (†46) bei einem Polizeieinsatz. 

Ben könne sich vorstellen, dass es derzeit als Polizist nicht leicht sei. Mit "Halten Sie die Ohren steif" und "LG" schließt die Karte. 

Die Polizei Hamburg bedankte sich dafür, grüßte zurück und schrieb: "Inhaltlich auf jeden Fall eine 1!" Die Rechtschreibung ließ zwar deutlich zu wünschen übrig, aber schließlich ist ja unklar, wie alt Ben ist. 

Kritiker zweifeln an Echtheit der Postkarte

Eine Polizeistreife patrouilliert an der Außenalster. (Archivbild)
Eine Polizeistreife patrouilliert an der Außenalster. (Archivbild)  © Daniel Bockwoldt/dpa

Zwar reagierten viele Menschen positiv auf die Postkarte, gleichzeitig bezweifelten viele deren Echtheit. 

Die Briefmarke fehlt, Sprache und Schrift seien untypisch für einen Schüler. Es sei also sehr unglaubwürdig und die Polizei womöglich einem Fake aufgesessen. 

Andere Nutzer gingen einen Schritt weiter und unterstellten der Polizei, dass sie die Karte selbst geschrieben habe. 

Die Beamten sahen sich schließlich gezwungen eine Stellungnahme abzugeben. "Ben gibt es wirklich. Er ist Jugendlicher und hat diese Postkarte selbst verfasst." 

Die Briefmarke fehle, da Ben die Karte mangels Platz dafür in einem Umschlag verschickt habe. 

"Wir finden es besorgniserregend, dass ein anerkennender, authentischer Brief eines Jugendlichen an die Polizei hier dazu führt, dass er (und die Polizei) derart angefeindet werden. #Nohatespeech gilt in alle Richtungen." 

Ob die Karte nun echt ist oder nicht, könnte eine laufende Anfrage nach dem Hamburgischen Transparenzgesetz klären. 

Reaktionen im Netz auf die Postkarte

Es gibt nicht nur positive und kritische Reaktionen auf die Postkarte, viele Nutzer veralbern sie. Darunter ist auch der Hamburger Schriftsteller Saša Stanišić (42). 

Im vergangenen Jahr hatte der 42-Jährige mit einem grandiosen Streich für Aufsehen gesorgt. Er schmuggelte sich in eine Abi-Prüfung und schrieb die Deutsch-Klausur über sein eigenes Buch

Stanišić benannte sein Twitter-Profil kurzzeitig in "BEN" um und teilte eine Postkarte an das "Landesrosenkohlamt". "Bens" Traum sei es "Rosenkohlzüchter" zu werden. Er danke, trotz der "ganzen Situation in der Rosenkohl-Hass-Bubble, hab vergessen wie der Satz anfing." 

Auch das Künstlerkollektiv Peng meldete sich mit einer eigenen Nachricht von "Ben". Die Partei Hamburg reklamierte die Urheberschaft der Postkarten-Aktion sogar für sich. 

Erst vor Kurzem heftige Kritik an Post der Polizei Hamburg

Bereits vor wenigen Tagen vergrifft sich die Polizei Hamburg im Ton, wie viele Kritiker meinten. Eigentlich ging es um eine Rettungsaktion für Schwäne. 

"Hätten wir übrigens auch für schwarze Schwäne gemacht!", schrieben die Beamten dazu und kassierten einen Shitstorm. Schließlich löschten sie den Beitrag.

Titelfoto: Montage: Daniel Bockwoldt/dpa, Polizei Hamburg

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