Party bis zum Morgengrauen? Was in Hamburg mit 2G bald wieder erlaubt ist

Hamburg - Ungeimpfte müssen draußen bleiben: Hamburgs Kultur-, Gastronomie-, Event- und Beherbergungsbetriebe können vom Wochenende an so gut wie alle Corona-Einschränkungen fahren lassen.

In Hamburg kommt die Corona-Impfflicht durch die Hintertür.
In Hamburg kommt die Corona-Impfflicht durch die Hintertür.  © Sven Hoppe/dpa

Volle Kinos, Kneipen, Theater, keine Sperrstunde mehr – das ist von Samstag an wieder möglich, sofern die Veranstalter und Wirte nur Geimpfte und Genesene einlassen. Der rot-grüne Senat beschloss am Dienstag das sogenannte Zwei-G-Optionsmodell, wonach Veranstalter entscheiden können, ob sie künftig nur noch Geimpfte und Genesene einlassen und dann weitgehend von den Corona-Einschränkungen befreit sind, oder ob sie weiter das Drei-G-Modell nutzen wollen.

Dieses bezieht Getestete und damit Ungeimpfte ein, unterliegt aber bisherigen Corona-Einschränkungen. In Innenräumen gilt wie bisher in der Regel eine Maskenpflicht.

Bürgermeister Peter Tschentscher (55, SPD) begründete die Entscheidung des Senats damit, dass Geimpfte und Genesene im Vergleich zu den Ungeimpften keinen wesentlichen Anteil am Infektionsgeschehen hätten.

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Die Sieben-Tage-Inzidenz in Hamburg liege bezogen auf die Gesamtbevölkerung bei Ungeimpften bei 78,12, bei Geimpften aber nur bei 3,36.

Veranstalter müssen Nachweise kontrollieren

Kehrt mit 2G auch wieder ein Stück Normalität im Vergnügungsviertel St. Pauli zurück? (Archivbild)
Kehrt mit 2G auch wieder ein Stück Normalität im Vergnügungsviertel St. Pauli zurück? (Archivbild)  © Axel Heimken/dpa

Das könne man doch nicht ignorieren und all die Geimpften weiter einschränken. Tschentscher betonte: "Beschränkungen müssen verhältnismäßig sein und dürfen nur so lange erfolgen, wie sie zur Pandemiebekämpfung nötig sind."

Voraussetzung für die Teilnahme an dem Zwei-G-Optionsmodell sei, dass die Veranstalter dies online anmeldeten und dann unter anderem bei den Gästen Impfausweis/Genesenen-Nachweis und Personaldokumente kontrollierten.

"Wir müssen hier wirklich auf strikte Einhaltung der Bedingungen achten", sagte Tschentscher. Verstöße können den Angaben zufolge zu Bußgeldern von 1000 bis 20.000 Euro und zum Verlust der Möglichkeit führen, am Zwei-G-Modell weiter teilzunehmen.

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Mitmachen könnten unter anderem Kneipen, Restaurants, Theater, Kinos, Opern und Beherbergungseinrichtungen.

Aber auch bei religiösen Veranstaltungen, bei Bildungs- und Ausbildungseinrichtungen, bei Messen, privaten Feiern und bei Sportveranstaltungen mit Publikum könne das Modell zur Anwendung kommen, sagte Tschentscher.

Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre könnten vorerst ungeimpft Zwei-G-Modelle besuchen, weil sie sich noch nicht lange impfen lassen könnten. Tschentscher kündigte aber an, dass diese Möglichkeit in einigen Wochen fallen werde.

Bleiben Lockerungen auch bei steigenden Infektionszahlen?

In absehbarer Zeit bezieht die 2G-Regelung auch Kinder und Jugendliche ein.
In absehbarer Zeit bezieht die 2G-Regelung auch Kinder und Jugendliche ein.  © Markus Scholz/dpa

Wird das Zwei-G-Optionsmodell gewählt, gibt es unter anderem kein Abstandsgebot mehr, keine Testpflicht, meist keine Kapazitätsgrenzen, dafür eine freie Tisch- und Sitzplatzanordnung. Weiterhin gilt die Maskenpflicht in Innenräumen. An Sportveranstaltungen mit Publikum dürfen beim Zwei-G-Modell künftig in Innenräumen 1300 Menschen und im Freien 2000 Menschen teilnehmen.

Das sei eine Verdoppelung der bisherigen Zahlen. Bei Sportgroßveranstaltungen mit Sondergenehmigung liege die Obergrenze weiter bei 25.000 Zuschauern, sagte der Chef der Senatskanzlei, Jan Pörksen. Bei einem Zwei-G-Modell sei diese Zahl auch bei Inzidenzwerten von über 35 möglich.

Tschentscher sicherte zu, dass das Zwei-G-Modell auch bei einem weiteren Ansteigen der Inzidenzen nicht infrage gestellt werde. "Wir würden dann die Beschränkungen für die Bereiche und Personengruppen vornehmen müssen, die die Pandemie im Wesentlichen ausmachen und das sind eben die Ungeimpften." Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (44, Grüne) stimmte dem ausdrücklich zu und appellierte an die Menschen, sich impfen zu lassen.

Zur Klage aus der Opposition, dass Hamburg damit eine Impfpflicht durch die Hintertür einführe, sagte Tschentscher: "Das ist eine Interpretationsfrage." Wenn es eine Reisebeschränkung ohne Impfnachweis gebe, sei das ja auch eine indirekte Impfpflicht. Der Bürgermeister kündigte an: "Es wird so kommen, auch aus rechtlichen Gründen, dass es ein Unterschied ist im normalen Leben, ob ich geimpft bin oder nicht."

Titelfoto: Axel Heimken/dpa

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