Hamburg lässt Geimpfte wieder frei feiern! Diese Regeln gelten schon jetzt

Hamburg - Hamburg geht im Umgang mit Geimpften und Genesenen einen Sonderweg.

Auch auf dem Hamburger Kiez darf es von Samstag an wieder voller werden.
Auch auf dem Hamburger Kiez darf es von Samstag an wieder voller werden.  © Daniel Bockwoldt/dpa

Mit einem bislang bundesweit einmaligen 2G-Optionsmodell ermöglicht der rot-grüne Senat der Hansestadt Veranstaltungen ab Samstag fast ohne Corona-Auflagen - sofern nur Geimpfte und Genesene sie besuchen.

Für Ungeimpfte wird die Luft in Hamburg derweil dünner.

Was ist das 2G-Modell?

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Das 2G-Optionsmodell für Geimpfte und Genesene ist eine Ergänzung des bestehenden 3G-Modells für Geimpfte, Genesene und Getestete. Der entscheidende Unterschied zwischen beiden Modellen besteht darin, dass beim 2G-Modell für Veranstalter und Gäste kaum noch Corona-Einschränkungen gelten.

Denn wenn sich ausschließlich Geimpfte und Genesene auf einer Veranstaltung, in einem Club oder in einem Hotel treffen, besteht nach Ansicht des Senats ein so geringes Infektionsrisiko, dass Lockerungen möglich sind. Anders ist das beim von der Ministerpräsidentenkonferenz beschlossenen und seit dem 23. August gültigen 3G-Modell: Da dieses auch Getestete - also in der Regel Ungeimpfte - umfasst, gelten teils strenge Corona-Einschränkungen.

Was ist das Ziel der Neuregelung?

Juristisch betrachtet will Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) nach mehr als einem Jahr voller Einschränkungen nun dem Grundgesetz wieder zu seinem Recht verhelfen, etwa bei der Berufs- und Gewerbefreiheit. Er sagt: "Beschränkungen müssen verhältnismäßig sein und dürfen nur so lange erfolgen, wie sie zur Pandemiebekämpfung nötig sind." Politisch will er aber auch den Druck auf die Ungeimpften erhöhen.

Nach dem Motto: Je weniger sie am sozialen Leben teilhaben können, desto mehr entscheiden sich dann vielleicht doch noch für eine Impfung.

Wer kann das 2G-Modell in Anspruch nehmen?

Peter Tschentscher (SPD), Erster Bürgermeister Hamburgs, setzte sich für das 2G-Modell ein.
Peter Tschentscher (SPD), Erster Bürgermeister Hamburgs, setzte sich für das 2G-Modell ein.  © Markus Scholz/dpa

Der Senat hat dazu eine lange Liste erstellt, die beinahe das gesamte gesellschaftliche Leben betrifft. Sie reicht von Gaststätten, Clubs und Hotels, geht über Theater, Kinos, Museen und Konzertsäle und endet noch nicht bei religiösen Veranstaltungen, Messen, touristischen Rundfahrten und Volksfesten. Denn unter anderem ist auch der Sport betroffen. Die 2G-Regelung ist danach auch bei Sportanlagen, in Fitnessstudios, Schwimmbädern und Saunen sowie bei Sportveranstaltungen vor Publikum möglich.

Welche Lockerungen bietet das 2G-Modell?

Unter anderem Restaurants, Kneipen, Kinos, Theater, Museen und Zoos können ihre Einrichtungen wieder voll nutzen. Wenn sie nur Geimpfte und Getestete einlassen, gibt es keine Kapazitätseinschränkungen mehr. Auch das Abstandsgebot und die Testpflicht in geschlossenen Räumen sind dann aufgehoben.

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Für die Gastronomie vor allem in den Partyvierteln wie auf dem Kiez in St. Pauli und im Schanzenviertel besonders wichtig dürfte zudem die Aufhebung der Sperrstunde von 23 bis 6 Uhr sein. Hinzu kommt: Statt 50 dürfen drinnen dann 150 Menschen tanzen, draußen sind es 750. Bei Sportveranstaltungen mit Publikum verdoppelt sich die Personengrenze in Innenräumen auf 1300 und im Freien auf 2000. Die Maskenpflicht bleibt jedoch bestehen.

Werden viele beim 2G-Modell mitmachen?

Das ist unklar, denn es gibt auch viel Kritik. Einige werfen dem Senat vor, nicht nur eine Impfpflicht durch die Hintertür einzuführen, sondern die Verantwortung dafür auch noch auf die Veranstalter abzuschieben, die das Ganze ja kontrollieren sollen. Auch arbeitsrechtlich mache 2G Probleme, da das Modell nur dann angewandt werden darf, wenn auch alle dort eingesetzten Beschäftigten geimpft oder genesen sind - was oft nicht der Fall sei und vom Arbeitgeber aus datenschutzrechtlichen Gründen auch gar nicht abgefragt werden dürfe.

Aus der Hotellerie wiederum kommen Bedenken, weil viele Gäste Monate im Voraus gebucht hätten und ja nicht einfach vor die Tür gesetzt werden könnten, wenn sie nicht geimpft seien. Ähnliche Bedenken kommen aus der Kultur.

Führt das 2G-Modell zu einer Impfpflicht durch die Hintertür?

Die Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Alena Buyx, meint: Nein. "Eine Pflicht ist etwas, dem man sich nicht entziehen kann", sagte sie dem Hörfunksender NDR Info. Das sei hier nicht der Fall. Stattdessen werde "Druck aufgebaut, um es attraktiver zu machen, sich und andere zu schützen".

Aus ethischer Sicht sei das 3G-Modell besser, weil es mehr Teilhabe biete. Wenn sich die Situation aber weiter verschlechtern würde, sei 2G ethisch vertretbar, wenn damit maßvoll umgegangen werde. "Man sollte vorher alles andere ausgeschöpft haben."

Wichtig sei zudem, vorab zu überdenken, welche Bereiche betroffen seien. "Die Disco ist nicht der Sportverein und auch nicht der Behördenbesuch."

Titelfoto: Daniel Bockwoldt/dpa

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