Rot-Grün kritisiert CDU-Beitritt von Ex-AfD-Chef

Hamburg - Der Eintritt des ehemaligen AfD-Landechefes Jörn Kruse (73) in die Hamburger CDU hat für starke Kritik bei SPD und Grüne gesorgt.

Der ehemalige Hamburger AfD-Chef Jörn Kruse (73) ist in die CDU eingetreten.
Der ehemalige Hamburger AfD-Chef Jörn Kruse (73) ist in die CDU eingetreten.  © DPA / Ulrich Perrey

"Klare Kante gegen Rechts zu beziehen sollte zum Selbstverständnis und zur obersten Priorität aller demokratischen Parteien gehören", sagte Sina Koriath (27), Sprecherin für Strategien gegen Rechts der Hamburger Grünen-Fraktion, auf Nachfrage von TAG24. "Mit der Aufnahme des ehemaligen AfD-Politikers Jörn Kruse in ihre Reihen verstößt die Hamburger CDU gegen diesen Grundsatz."

Die Grünen-Abgeordnete ist nach eigenen Angaben allerdings nicht überrascht vom Eintritt des ehemaligen Hamburger AfD-Vorsitzenden in die Union. "Wir haben schon oft erlebt, dass die CDU daran scheitert, eine klare und standhafte Brandmauer gegen Rechts aufzubauen", so die 27-Jährige.

"2018, zum Zeitpunkt von Kruses Austritt, hat die AfD bereits seit vielen Jahren rechtsextreme Positionen vertreten und mit Rechtsextremen zusammengearbeitet. Kruses Distanzierung von seiner ehemaligen Partei ist unzureichend und unglaubwürdig", sagt Koriath.

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Die CDU mache mit seiner Aufnahme einen weiteren Fehler.

SPD: "Ein deutlicher Beleg dafür, dass die CDU rechtslastiger wird"

Der Hamburger CDU-Landeschef Christoph Ploß (37) ist auch Bundestagsabgeordneter in Berlin.
Der Hamburger CDU-Landeschef Christoph Ploß (37) ist auch Bundestagsabgeordneter in Berlin.  © Britta Pedersen/dpa

Ähnlich kritisch äußerte sich auch die Hamburger SPD. "Jörn Kruse war jahrelang Vorsitzender der höchst kritikwürdigen AfD-Fraktion in Hamburg. Es ist bezeichnend, dass die CDU ihn aufnimmt und ein deutlicher Beleg dafür, dass die CDU rechtslastiger wird", sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende Dirk Kienscherf (56).

Die AfD als ehemalige politische Heimat von Jörn Kruse reagierte ebenfalls ablehnend. "Der Wechsel in die ausgemerkelte CDU fügt sich ins Bild Kruses gescheiterter Parteikarriere, die längst vorüber ist", sagte der Landesvorsitzende Dirk Nockemann (64).

Die Hamburger Linke teilte auf Nachfrage von TAG24 nur mit, dass sie zu dem Vorgang "keine ausgeprägte Meinung" habe.

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Die Hamburger CDU hatte die Aufnahme von Jörn Kruse damit begründet, dass sie ihn in die Partei integrieren wolle. "Die CDU war immer dann erfolgreich, wenn sie christlich-soziale, liberale und konservative Strömungen vereint hat. Ein solcher Ansatz hat die Demokratie in Deutschland immer gestärkt", sagte CDU-Landeschef Christoph Ploß (37). "Die heutige AfD ist nur noch ein Sammelbecken von Rechtsradikalen und Rassisten in Deutschland." Einer Zusammenarbeit oder Kooperation erteilte er eine Absage. Die AfD gehöre vielmehr "auf den Scheiterhaufen der Geschichte", so Ploß.

Der frühere Wirtschaftsprofessor Jörn Kruse war von 2013 bis 2015 Landesvorsitzender der AfD und anschließend deren Fraktionschef in der Bürgerschaft. 2018 hatte er den Vorsitz niedergelegt und war aus der Partei ausgetreten. Schon während seiner Zeit in der Partei hatte er die AfD wiederholt als rechtslastig kritisiert. In der Vergangenheit war er auch schon Mitglied der SPD und der Freien Wähler.

Titelfoto: DPA / Ulrich Perrey

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